Konflikt zwischen Alt und Jung: Ein Diskurs der Generationen ist nötig

ThemaManagement

GastbeitragKonflikt zwischen Alt und Jung: Ein Diskurs der Generationen ist nötig

Bild vergrößern

Gastautor Christian Scholz

Alle schwärmen von der anstehenden Demokratisierung in Unternehmen. Aber die heranwachsende Generation zeigt kein Interesse an dem, was zur Teilhabe dazugehört: Verantwortung.

Die Forderung nach Demokratisierung und Partizipation in Unternehmen könnte sich zum medialen Lieblingskind entwickeln. Egal, ob auf Konferenzen oder in Interviews: Alles spricht – wie schon der amerikanische Managementtheoretiker Tom Peters vor mehr als 20 Jahren in seiner Publikation „Liberation Management“ – von dieser schönen neuen Welt, in die sich auch die jungen Menschen einbringen dürfen und die ein Stück besser wird.

Einem derartigen Hype kann man schwer widersprechen. Trotzdem: Was aber steckt eigentlich genau hinter dieser Forderung?

Anzeige

Zur Person

  • Christian Scholz

    Scholz, 62, leitet den Lehrstuhl für BWL mit Schwerpunkt Organisation, Personal- und Informationsmanagement an der Universität des Saarlandes und ist Autor diverser Fachbücher, zuletzt "Generation Z" (Wiley).

Zunächst ist bemerkenswert, wer da so lautstark nach Demokratisierung ruft: Es sind primär Vertreter der Generation Babyboomer. Aktuelles Beispiel: Thomas Sattelberger. Der Ex-Personalvorstand bei der Deutschen Telekom und beim Technologiekonzern Continental, zuvor in Diensten der Deutschen Lufthansa und beim Autobauer Daimler, hatte mehr als 30 Berufsjahre bei vier Unternehmen Zeit, Demokratisierungsprozesse einzuführen. Aber erst jetzt, wo es ihn nicht mehr betrifft, kommen seine publikumswirksamen Forderungen. Wenn er, wie jüngst in einem Gespräch mit der WirtschaftsWoche etwa davon spricht, „wir müssen unsere Innovationsfähigkeit dringend stimulieren“. Damit aber meint: Die anderen müssen es tun.

Zukunft der Arbeit Das Ende der Firmen-Diktatur

Vertreter einer neuen Wirtschaftskultur verzichten auf herkömmliche Hierarchien, stattdessen ist Augenhöhe angesagt. Klingt theoretisch gut - ist praktisch aber schwieriger als gedacht.

Gorilla als Chef Quelle: Getty Images

Auf der anderen Seite stehen diejenigen, für die der ganze Zauber entwickelt wird, nämlich die Generation der ab Anfang der Neunzigerjahre geborenen Jugendlichen. Sie kommen teilweise gerade aus der (Hoch-)Schule und fangen an, sich im Berufsleben einzuleben – die viel zitierte Generation Z.

Sicherlich möchte diese Generation Z Mitsprache. Sie will aber – und da sind sich die meisten Studien einig – definitiv keine Mitverantwortung: Es lohnt aus ihrer Sicht nicht, sich für Unternehmen einzusetzen, die im Zweifelsfall relativ schnell Mitarbeiter auf die Straße setzen – egal, wie loyal sich diese Mitarbeiter fühlen und verhalten. Aber: Demokratie und Partizipation bedeuten mehr als gemütlich bei einer Tasse Tee ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man sich die Leistung anderer vorstellt. Ohne echte und auch mit finanziellen Konsequenzen belegte Übernahme von Verantwortung macht Mitsprache keinen Sinn.

Anzeige

3 Kommentare zu Konflikt zwischen Alt und Jung: Ein Diskurs der Generationen ist nötig

  • <<Ohne echte und auch mit finanziellen Konsequenzen belegte Übernahme von Verantwortung macht Mitsprache keinen Sinn.>>

    Wieso damit aber bei "den Neuen" anfangen?

    Was ist mit denen, die jetzt schon "sprechen", und zwar nicht mit, sondern ein Machtwort: den Nieten in Nadelstreifen?

    Bei Fehlern in Zukunft nicht mehr Jahr für Jahr sieben- oder achtstellige Summen nach Hause tragen zu dürfen, ist wohl keine echte "finanzielle Konsequenz"; warum nicht statt dessen die Rückzahlung aller vergangenen Gehälter samt Zins und Zinseszins einführen, wenn sie das Schiff auf Grund setzen?

    Und umgekehrt: wie wäre es mit einer Deckelung des Stimmrechts in Hauptversammlung? Lasst doch die, die am Ende die finanziellen Konsequenzen tragen, bitte faktisch und effektiv mitreden, statt sie nur einmal im Jahr bei voller Verpflegung den Betrieb aufhalten und der Führungsriege die Zeit stehlen zu lassen. Nicht mehr "one vote per share", sondern "one vote per person", wobei natürlich beherrschte Gesellschaften zu einer Person zusammen zu fassen wären, damit es keine kambrische GmbH-Explosion gibt. Und vielleicht nicht einmal im Jahr eine HV, sondern einmal im Monat.

    Aber wartet bitte damit, bis ich in Rente bin ...

  • Die Einschätzung scheint mir falsch.
    Ich nehme Verantwortungsbereitschaft und -willen wahr, indes auf Gegenseitigkeit.
    Unternehmen, die offenkundig ihre Verantwortlichkeit für ihre Beschäftigten über befristete Arbeitsverhältnisse hinaus ablehnen, bekommen - ganz zu recht - die reziproke Quittung dafür.
    Das spricht eher dafür, dass die nachfolgenden Generationen entweder intelligenter oder ehrlicher sind als ihre Vorgänger wie zum Beispiel Herr Sattelberger.
    Quid pro quo; do ut des; Fairness allenthalben ist ge- und hinterfragt.
    Ausbeuten für Peanuts, das lehnen die "Jungen" vollkommen zu recht ab.

  • Im Artikel gibt es einen blinden Fleck: Wer hat schon Lust, sich vor den Karren "Demokratisierung in Unternehmen" spannen zu lassen, wenn autoritäre Strukturen und eine autoritäre Haltung in der Führung (aus der Industriekultur) bleiben, aber nur kooperativ angestrichen werden?
    Eher ein kluges Verhalten "der" Generation Z auf eine überlebte Führungskultur und Struktur, die sich neu einkleidet.

    Wenn, braucht es auch einen Wandel in der Haltung zu Autorität in der Führung und die Anpassung von Strukturen, die Führungskräfte in autoritäres Verhalten drücken. Erst dann entwickelt sich eine neue Führungskultur, die Menschen ermutigt, Verantwortung zu übernehmen. Appelle und Anklagen reichen für mehr Verantwortungsübernahme nicht (= alte Haltung zu Autorität) - das gilt übrigens für fast alle Generationen.

Alle Kommentare lesen
Jobletter:Der exklusive Jobservice für Juristen
Jobletter-Bild

Der WirtschaftsWoche-Jobletter schickt Ihnen wöchentlich alle Stellenangebote zu, die Ihrem Profil entsprechen. Mehr...

STELLENMARKT


Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die wiwo-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer
My Best Company:Den passenden Arbeitgeber finden

Werden Sie initiativ! Hier finden Sie die Firmen, bei denen Sie sich initiativ bewerben können. Mehr...

Siedler Online
Anno Online
Eine neue Welt: Länder entdecken, Grenzen erweitern, Wirtschaft optimieren.

Testen Sie jetzt Ihr Handelsgeschick in der Welt von Anno Online.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%