Korruption: Jedes vierte Unternehmen hat Schmiergeldfälle

Korruption: Jedes vierte Unternehmen hat Schmiergeldfälle

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Korruption ist in deutschen Unternehmen weit verbreitet.

von Claudia Tödtmann

Korruption ist auch in Deutschland weit verbreitet, wie eine Studie zeigt. Jedes siebte Unternehmen hierzulande hat im vergangenen Jahr bedeutsamere Betrugs- oder Korruptionsfälle entdeckt.

In deutschen Unternehmen wird nach wie vor bestochen. Im vergangenen Jahr wurden in jedem siebten Unternehmen hierzulande ein bedeutsamen Betrugs- oder Korruptionsfall entdeckt, im Jahr zuvor – also 2014 – war es immerhin noch jedes vierte Unternehmen. Das zeigt, dass Korruption durchaus eine große Rolle spielt und die prominenten Fälle nicht unbedingt warnend gewirkt haben.   

Was die Unternehmen dagegen tun? Fast alle deutschen Unternehmen (98 Prozent) haben interne Antibestechungs- oder Antikorruptionsrichtlinien und liegen damit über dem internationalen Durchschnitt von 84 Prozent. Aber von den deutschen drohen nur 68 Prozent ihren Mitarbeitern darin auch Sanktionen an (weltweit: 75 Prozent). Damit liegen die deutschen Unternehmen nicht nur unter dem internationalen Durchschnitt, die Quote ist gegenüber dem Vorjahr um acht Prozentpunkte zurückgegangen. Dies zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft EY (vormals Ernst & Young).

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Befragt hat EY 2825 Unternehmen in 62 Ländern weltweit: Die Vorstände  - insbesondere Finanzvorstände und Vorstandschefs - einerseits, aber auch Mitarbeiter aus dem Rechnungswesen und der Internen Revision. Der Befragungszeitraum lag zwischen Oktober 2015 und Januar 2016.

Manager immer noch nicht sensibilisiert

Stefan Heissner, Studienverantwortlicher und Fraud-Experte bei EY, glaubt, dass klare Strafandrohungen auch bitter nötig sind, weil das Unrechtsempfinden der Manager zu wünschen übrig lässt: Jeder fünfte deutsche Manager sei bereit, fürs Geschäft "Unterhaltsdienstleistungen zu finanzieren oder persönliche Geschenke zu machen, um sein Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten".

Dies sei alarmierend, weil die Manager offenbar immer noch nicht sensibilisiert seien. "Immerhin kann der Schaden, den Bestechung und Korruption anrichten können, für das Unternehmen aber auch den beteiligten Manager existenzbedrohend werden", so Heissner.

Korruptionsindex Deutschland rückt in die Top-Ten auf

Deutschland schiebt sich in Sachen Korruptionsbekämpfung weltweit etwas nach vorn – aber Transparency International sieht nicht alles rosig. Vor allem in der Finanzbranche bestünde Nachholbedarf.

In dem jährlichen Korruptionsranking von Transparency verbesserte sich Deutschland vom 12. auf den 10. Platz. Quelle: dpa

Nicht nur die Staatsanwälte und sonstige Behörden ahnden Verstöße. Bestechung und Korruption sind "immer ein Bumerang", weil zu hohen Schadenersatzforderungen der Imageschaden fürs Unternehmen kommt. Heissners Eindruck: "Korruption soll oft fehlende Innovationen im Unternehmen kompensieren, aber das ist das falsche Mittel."

16 Prozent der Manager sehen Wettbewerbsposition beeinträchtigt

Dennoch meinen 16 Prozent der deutschen Manager, dass ihre Compliance-Richtlinien ihre Wettbewerbsposition schwächen. Weltweit ist der Anteil mit zwölf Prozent ein wenig geringer. Heissners Befürchtung: „Angesichts volatiler Märkte und internationaler Krisen werden schwere Zeiten für viele Unternehmen zum Normalfall“, sagt Heissner. "Die Versuchung, zu unlauteren Mitteln zu greifen, mag da groß sein."

Er rät zu Hinweisgebersystemen und Whistleblower-Hotlines, um dies zu bekämpfen. Denn: „Hinweise aus dem Unternehmen selbst sind fast immer der Auslöser, um Korruptionsfälle aufzudecken. Deswegen müssen in mehr Unternehmen Whistleblower-Hotlines eingerichtet werden“, fordert er. Derzeit können erst 60 Prozent der Unternehmen in Deutschland Whistleblowing-Hotlines vorweisen. Die meisten (90 Prozent) führten regelmäßige interne Überprüfungen durch.

Weltweiter werden die meisten Betrugs- und Korruptionsfälle in der Ukraine aufgedeckt, wo laut EY-Studie in den vergangenen beiden Jahren 48 Prozent der Unternehmen nach eigenen Angaben einen bedeutsamen Fall ausmachten. Danach folgen Kenia (36 Prozent) und Südafrika (26 Prozent). Die wenigsten Fälle wurden in der Slowakei (keiner), in der Türkei und in Indonesien (jeweils 2 Prozent) entdeckt.

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