Krank durch Stress: Burnout ist ansteckend

ThemaGesundheit

Krank durch Stress: Burnout ist ansteckend

von Ilona Bürgel

Burnout ist eine Folge der Kultur der Selbstausbeutung. Die Gefahren lauern aber oft nicht da, wo wir sie vermuten. Die Psychologin Ilona Bürgel zeigt in ihrem Gastbeitrag, was man über die Mechanismen des Stress wissen sollte - und wie man sich schützt.

Wettbewerb, Zeitdruck, Leistung, Pflichten, Erwartungen. Stress an sich ist kein Problem. Negativer Stress entsteht durch unsere Bewertung einer Situation als unangenehm und nicht zu bewältigen, Angst einflößend. Dann konzentrieren wir uns auf die Probleme statt auf Lösungen und finden diese auch gar nicht, weil der so genannte Tunnelblick eintritt.

Wir fahren heute die Ernte der letzten Jahre ein. Immer weniger Menschen mussten immer mehr leisten, so dass die Batterien leer sind. Belastung können wir gut verkraften – wenn dieser angemessene Erholung folgt. Doch diese fehlte.

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Unsere Kultur der Selbstausbeutung ist nicht auf die Arbeit  beschränkt, sondern findet genau so im Privatleben statt. Wir leben in einer Welt, in der keiner den ständig wachsenden Ansprüchen mehr gerecht werden kann. Weil es zu viele und zu hohe in allen Lebensbereichen gleichzeitig sind.

Dr. Ilona Bürgel Quelle: Presse

Dr. Ilona Bürgel ist Psychologin und Referentin. In ihrem aktuellen Buch "Jetzt denk ich wirklich nur an mich" beschäftigt sie sich mit dem Faktor Wohlfühlen.

Bild: Presse

Leistung ist eine geförderte Sucht

Svenja Flaßpöhler hat sich in ihrem Buch „Wir Genussarbeiter“ mit der Leistungssucht befasst. Sie schreibt, dass wir exzessiv, statt ekstatisch arbeiten. Während wir am Schreibtisch kein Ende finden und Überstunden schon nicht mehr als solche empfunden werden, müssen wir uns zum Genuss zwingen, werden wir unruhig, wenn es um uns ruhig und langsam wird. Arbeiten wir einmal nicht, sind wir immer noch in ständiger Betriebsamkeit (E-Mails, joggen, aufräumen).

Wir sind ständig mit unseren Gedanken woanders. Ärgern uns über das, was gestern war, machen uns Sorgen über Dinge, die wir hören und lesen und die (noch) gar nicht real sind. Diese Tendenz, sich mental auf Probleme oder Gefahren zu konzentrieren, wird in der Positiven Psychologie das „Katastrophische Gehirn“ genannt.



Sind Sie Buronout-gefährdet?

Die sich selbst erfüllende Zukunft

In der TK-Studie 2012 gab jeder zweite an, dass der Stress im persönlichen und sozialen Umfeld zunehmen wird. Hier kommen die sich selbst erfüllenden Prophezeiungen ins Spiel. Wir sehen, was wir erwarten, alles andere filtert unser Gehirn gnadenlos aus. Mit diesem so genannten „Bestätigungsirrtum“ machen wir uns selbst kaputt. Wir verhalten uns nämlich auch so, dass es zu unseren Erwartungen passt und sagen dann „hab ich es doch gewusst“.   

Totale Erschöpfung, am Ende seiner Kräfte zu sein, das, was oft mit dem Begriff „Burnout“ beschrieben wird, scheint der Endpunkt eines Weges zu sein, an dem man sich endlich einmal zurück ziehen darf, für sich sorgt und sozial akzeptiert „ich kann nicht mehr“ sagt. Der allgemeine Konsens dahinter scheint zu sein,  dass die Erkrankten richtig viel geleistet haben müssen. Doch muss es wirklich erst so weit kommen, dass Krankheiten den Einzelnen und damit die Gesellschaft zu neuem Denken zwingen? Es steht zu fürchten. Denn wir Menschen machen ja immer gern weiter, so lange es nicht weh genug tut.

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4 Kommentare zu Krank durch Stress: Burnout ist ansteckend

  • Missverstehe ich hier etwas, oder wird hier der schwarze Peter den vom Burnout Betroffenen und nicht der Realität der heutigen Arbeitswelt zugeschoben? Wieder einmal ein Artikel, der die Verantwortung auf die Opfer und nicht "die Täter" schiebt. Einfach mal "früher" nach Hause gehen oder sich niedrigere Ziele stecken? Ich lach' mich tot. Wo arbeiten Sie denn, in diesem oder im letzten Jahrhundert? Wir müssen irgendwann den Tatsachen in die Augen sehen und zugeben, dass sich viele Menschen totarbeiten, jedoch nicht freiwillig (siehe Japan oder China, wo die Umstände noch schlimmer sind). Könnte dies nicht mit immer höher gesteckten Unternehmenszielen zusammenhängen? Komisch auch, daß die angeblich "nur" 10% der Arbeitnehmer Betroffenen als kleine Zahl betrachtet werden, sprich es sind ja immerhin 90% nicht betroffen. Also, kein Grund zur Sorge? Nun, ich sag' mal provokativ... wenn 10% der Arbeitnehmer regelmäßig stehlen würden, wäre dies UNMITTELBARER Anlass einer Firma, zu handeln (Kameras, Taschenuntersuchungen, etc.). Aber bei 10% vom Burnout Betroffenen? Kann man ja noch verkraften, sind ja nur Menschen. Diese Zahl ist vermutlich sowieso stark nach unten korrigiert. Also, wo ist eigentlich unsere Menschlichkeit geblieben? Wann fangen wir an, uns einige dringend notwendige Fragen über das Arbeitsleben grundsätzlich zu stellen, und die Tatsache, dass Burnout zur durchaus ernstzunehmenden Generationskrankheit wird?

  • @immer noch Mensch. Hast du schon mal überlegt, ob ein kranker Mitarbeiter einem Unternehmen nicht auch was kostet?

  • @Toph

    Ihre Denke auf Lohnerhöhungen bezogen.

    Denken Sie ebenfalls so, wenn es um Lohnerhöhungen geht? Die Produktivität ist um 94 % gestiegen, die Löhne um 12 % während der letzten 10 Jahre. Diese Lohnerhöhungen kosten die Firmen jede Menge Geld und schaden dem Wirtschaftswachstum.

    Sie könnten die Produktivität massiv steigern, wenn Sie auf die 12 % Lohnerhöhung freiwillig verzichten. Sie könnten dann richtig stolz darauf sein, wie Sie am Erfolg der Wirtschaft teilgenommen haben!

    as Dumme für Sie persönlich ist aber, dass Sie persönlich überhaupt Nichts von diesem Erfolg haben. Den Vorteil haben die Anderen! Ihr einziger Vorteil liegt darin, dass Ihnen jetzt Geld in der Kasse fehlt.

    Altruismus ist für wahr eine Zier, aber weiter kommt man ohne ihr! Ihr Motto, oder das der Anderen?

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