ThemaEinzelhandel

alles zum Thema
_

Krisenkommunikation: Neckermann witzelt über seine Insolvenz

Neckermann wirbt auf seiner Website mit Späßen über die eigene Insolvenz. Ob solcher Humor in eigener Sache bei Kunden ankommt, ist zweifelhaft.

Zumindest das Kommunikationsmanagement bei Neckermann nimmt die eigene Insolvenz mit Humor. „Insolvent? Na und. Sie wollen schließlich kein Geld bei uns bestellen sondern Ware“, verkündet die Neckermann-Website den Kunden und wirbt damit für ihre „Treue-Angebote“. Zur Abwechslung ist auch ein anderer Spruch zu lesen: „Sie haben momentan wenig Geld in der Kasse? Wir wissen, wie sich das anfühlt.“

Anzeige

Die Idee zu den, wie Neckermann selbst verkündet, „augenzwinkernden“ Sprüchen kam von der Werbeagentur Ogilvy. Sie hat die Idee angeboten und innerhalb von nur zwei Tagen in einer „Nacht-und-Nebel-Aktion“, wie es bei Ogilvy heißt, umgesetzt.  Der Kreativchef der Agentur, Stephan Vogel, sagt, es gehe darum „auch einer Insolvenz etwas Positives abzugewinnen.“  Ogilvy-Geschäftsführer Christoph Isenbürger glaubt, dass Offenheit in einer solchen Lage wichtig sei. Es sei jetzt „unerlässlich, klar zu kommunizieren, dass die Kunden trotz Insolvenz vertrauensvoll weiter bei neckermann.de einkaufen können, denn das entspricht der betrieblichen Realität. Das Geschäft geht weiter.“

Die Kunden des Versandhandelskonzerns wüssten die Selbstironie durchaus zu schätzen, sagt Neckermann-Sprecherin Anne Putz. Sie habe bei Facebook und Twitter sehr viele positive Reaktionen gesehen. Die verstörten oder negativen Reaktionen seien eindeutig in der Minderheit.

Tobias Weitzel, Chef der Kommunikationsberatung BSK, hält die Kampagne jedoch für riskant: „Bevor ein Unternehmen seine eigene Insolvenz in der Werbung thematisiert, sollte es durch eine Marktforschung analysieren lassen, inwiefern die Kunden die Nachricht von der Insolvenz überhaupt wahrgenommen haben und welchen Einfluss ein solches Thema auf die Kaufentscheidung hat.“  

Die Erfahrung zeige, so Weitzel, dass Unternehmensnachrichten von Kunden nicht so intensiv wahrgenommen werden, wie die Unternehmen selbst vermuten.  Auch die Frage, ob Selbstironie hier nicht eher irritiert oder verstört, empfiehlt Weitzel vorher in einer Fokus-Gruppe zu testen.

Weitere Artikel

Das ist bei Neckermanns Hauruck-Kampagne nach Aussage von Putz nicht geschehen. Sie geht aber davon aus, dass die große Mehrheit der Kunden von den Problemen schon vorher gewusst habe. Schließlich habe selbst die deutsche Presse von Mallorca darüber berichtet. 

 

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.08.2012, 19:42 Uhrsportfreund

    Hallo,das ist doch wohl nicht zu glauben...
    Wir haben bereits vor Bekanntgabe der Insolvenz bestellt und bezahlt, bekommen jetzt weder Ware noch Geld zurück. Neckermann lässt seine Kunden hängen. Die Sprüche passen daher auch für die Kunden...denn die haben jetzt auch kein Geld mehr. Traurige Wahrheit!!!!

  • 03.08.2012, 12:37 Uhrsommer

    Hallo,
    mich stößt es auch gehörig ab, dass man noch mit der Insolvenz Werbung machen kann und muß. Die Gläubiger kriegen das Geld nicht wieder, es ist überhaupt ein Jammer mit Neckermann, keine ordentliche Auskunft und Kundenbetreuung -bin kein Kunde mehr-. Sie haben mit allem Recht.

    Liebe Grüße

  • 01.08.2012, 15:34 Uhrholyowly

    Ich hab aufgrund der Werbung den Newsletter abbestellt. Ich finde die Neckermann Werbung absolut geschmacklos. Vielleicht haben die Werbeleute vergessen, was 'Insolvenz' eigentlich bedeutet:
    Neckermann kann seine Schulden nicht mehr zahlen. Und was ist mit den Leuten denen Neckermann Geld schuldet? Den ganzen Dienstleister, Fabrikanten, seinen Angestellten, den Banken, den Vermietern oder was auch immer. Die bleiben auf ihren Forderungen sitzen obwohl die nicht schlecht gearbeitet haben.

    Über diese Tatsache auch noch Witze zu machen, ist völlig unangebracht.

    Neckermann - Kunden finden das vielleicht ja witzig, aber da weiss man dann auch welche Käuferschicht da einkauft.

    Mich haben sie damit jedenfalls vergrault und ich hoffe, dass es noch mehr Menschen gibt, die einen anderen Humor haben, der nicht zu Lasten von Unschuldigen geht.

Alle Kommentare lesen

Thema Studium

Alles zum Semesterstart: Thema Studium

Wir geben Rat: Die besten Unis, alles zum Semesterstart, was taugen Bachelor, Master und MBA?

weitere Fotostrecken

Blogs

Klassenfahrt ins Gründerwunderland
Klassenfahrt ins Gründerwunderland

Philipp Rösler und ein Airbus voller Internet-Gründer sind unterwegs ins Silicon Valley. Die Jungunternehmer versprechen...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.