Kündigungen: "Unternehmen behandeln Manager wie Sträflinge"

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InterviewKündigungen: "Unternehmen behandeln Manager wie Sträflinge"

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Wenn Manager entlassen werden, müssen sie oft unter Beobachtung ihren Schreibtisch räumen und das Gebäude verlassen.

von Claudia Tödtmann

Wenn ein Manager gefeuert wird, muss er oft binnen Minuten das Unternehmen verlassen - damit er keine Gelegenheit hat, Material zu sichern und der Firma zu schaden. Eine Arbeitsrechtlerin plaudert aus dem Nähkästchen.

Unternehmen behandeln die eigenen Leute von vornherein unfair – und können deshalb selbst keine Loyalität mehr erwarten. , Geschäftsführerin des Verbands Die Führungskräfte (DFK), schildert, was sie täglich erlebt: Dass Unternehmen ihre Mitarbeiter wie Führungskräfte austricksen – beispielsweise mit ungünstigen Arbeitsvertragsklauseln. Fallen sie in Ungnade, erniedrigen sie sie auch noch vor der ganzen Belegschaft und kochen sie weich.

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WirtschaftsWoche: Frau Kroll, wie rau ist das Klima in den Unternehmen?

Heike Kroll: Wollen Unternehmen einen Manager loswerden, schrecken sie auch nicht davor zurück, ihn zu erniedrigen und vor der Belegschaft zu blamieren oder einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Heike Kroll. Quelle: PR

Heike Kroll.

Bild: PR

Wie sieht das aus?

Da wird ein Manager, der sich bis dahin nichts zuschulden kommen ließ, aber eben gekündigt wurde, behandelt wie ein Sträfling. Es gibt immer wieder Fälle, in denen die Führungskraft nach Übergabe der Kündigung im Büro des Geschäftsführers oder des Personalers in sein Büro begleitet wird, wo er gleich seine persönlichen Habseligkeiten in einen Karton packen darf – natürlich unter Beobachtung. Anschließend wird er von zwei Leuten vom Wachdienst ans Werkstor begleitet. Unter den Augen der gesamten Belegschaft muss er unter Umständen mit seinem Karton in den Händen während der allgemeinen Arbeitszeit durch Werkshallen oder die Produktion laufen.

Zur Person

  • Heike Kroll

    Heike Kroll ist Arbeitsrechtlerin und Geschäftsführerin beim Verband Die Führungskräfte.

Die Situation ist megapeinlich und die Mitarbeiter tuscheln, die Gerüchteküche beginnt zu brodeln. Getoppt wird das nur noch mit dem gleichzeitigen Entzug des Dienstwagens, was man schlimmstenfalls erst am Ausgang draußen erfährt, um die Überraschung perfekt zu machen. Man darf dann schön am Werkstor auf sein Taxi warten.

Ist das gängige Praxis?

Noch häufiger kommt es vor, dass die Führungskraft nicht durch ein persönliches Gespräch mit dem Vorgesetzten oder der Personalabteilung, sondern über den Flurfunk oder durch eine interne Rundmail erfährt, dass ab dem Zeitpunkt xy Herr MüllerMeierSchulz die Abteilung, die er bis dato inne hatte, übernehmen wird. Der Mitarbeiter weiß zu diesem Zeitpunkt noch nichts von seinem Glück.

Welcher Typ Mitarbeiter als Erster gefeuert wird

  • Wer kommt ins Fadenkreuz?

    Was müssen Sie tun, um auf die Abschussliste zu geraten? Welche Mitarbeiter sind Lieblingsopfer von Mobbing? Martin Wehrle identifiziert die verschiedenen Typen. Die Vorstellung in aller Kürze...

  • Der Besserwisser

    Besserwisser haben zwei Fehler: Erstens sind sie anderer Meinung als der Chef. Und zweitens sagen sie das auch noch öffentlich. Sie kratzen an der Autorität des Chefs und brauchen sich nicht wundern, wenn dieser sie zum Abschluss freigibt.

  • Der Rivale

    Wenn ein Mitarbeiter alles hat, was eine Führungsposition braucht und sich zur Opposition aufbauen, muss sich der Chef Gedanken machen. Erstrecht wenn sie natürliche Autorität, Ehrgeiz und Fachwissen mitbringen. Es kann oft nur einen geben - und der Chef sitzt am längeren Hebel.

  • Der Miesmacher

    Wenn Mitarbeiter Pessimismus verbreiten und schlechte Laune und nur Probleme sehen, wo andere Herausforderungen vermuten - dann sind sie Miesmacher und ebenfalls im Visier des Chefs. Wer die Seifenblasen der Motivation zerbläst, muss mit Mobbing-Attacken rechnen.

  • Die Schlafmütze

    Wer tief im Brunnen der Frustration festsitzt und in Sitzungen apathisch aufs Ende wartet - der zieht auch gern die Wut des Chefs auf sich. Die Schlafmütze zeichnet sich dadurch aus, dass sie bei anfallender Arbeit selten zuständig ist und mit den dicken Däumchen der Routine auf die Frühverrentung wartet.

  • Das Alpha-Tier

    Gefördert werden vom Chef dagegen Mitarbeiter-Typen wie das Alpha-Tier: Er ist ein geborener Führer wie der Rivale, allerdings fordert er den Vorgesetzten nicht zum Kampf auf. So schafft er es, vom Chef als Stellvertreter akzeptiert zu werden - auch ohne offizielle Ernennung. Das Team akzeptiert ihn als Leitwolf.

  • Der Oberexperte

    Der Oberexperte ist quasi der Staatssekretär des Chefs, der, der die fachlichen Mängel ausgleicht. Er bereitet die Entscheidungen im Hintergrund vor und stärkt nach außen den Rücken.

  • Die graue Eminenz

    Manchmal gibt es Urgesteine in einer Anteilung, die allerdings immer noch hellwach dabei sind und voller Tatkraft stecken. Der "alte Hase" steht dabei nicht im Verdacht, ehrgeizig auf den Chefsessel zu schielen.

  • Der Vorzeigestar

    Das Talent, der Vorzeigestar, dessen Heldentaten die gesamte Firma aufschauen lassen. Der Chef ist stolz auf sein bestes Pferd im Stall, zumindest wenn es keinen Grund zum Zweifel an der Treue gibt.

  • Der treue Paladin

    Der verlängerte Arm des Chefs - vor allem für kleinere Aufgaben. Kein schlechtes Wort über den Chef kommt über seine Lippen, aber für höhere Aufgaben eignet er sich auch nicht.

Ist das früher weniger rücksichtslos abgelaufen?

Das Bewachen beim Einräumen der persönlichen Sachen im Büro mit der Begleitung durch den Werksdienst hat es bereits früher gegeben. Hier kann man fast eine schlichte Gleichung aufstellen: Je größer die Möglichkeiten, dem Unternehmen Schaden zuzufügen und je überraschender die Kündigung, umso mehr haben Unternehmen diesen Überrumpelungseffekt genutzt. Was sich aber in den letzten Jahren deutlich verändert und vervielfältigt hat, ist die Tendenz durch interne Kommunikation scheinbar vollendete Tatsachen zu schaffen. Damit hat man zumindest psychologisch einen Punkt Vorsprung.

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