Le Mans: Wie Rennfahrer und ihr Team mit Stress umgehen

Le Mans: Wie Rennfahrer und ihr Team mit Stress umgehen

, aktualisiert 19. Juni 2016, 15:57 Uhr
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Boxenstopp

von Franz W. Rother und Sebastian Schaal

Nirgendwo sonst ist die Belastung für Mensch und Material so groß wie bei einem 24-Stunden-Autorennen. Wie halten Fahrer, Manager und Mechaniker dem Druck stand? Ein Blick hinter die Kulissen.

Petrus spielt nicht mit. Auf dem Wetterradar hatte sich das Gewitter zwar schon eine Stunde vorher angekündigt. Doch als sich um 14:41 Uhr, kurz vor dem Start des härtesten Autorennens der Welt, die Wolken zum Regen der Stärke 3 öffnen und die Rennstrecke an der Sarthe überfluten, kommt bei Marco Ujhasi schon Stress auf. Welche Reifen zieht man jetzt auf?

Porsche-Motorsportchef Frank Steffen Walliser plädiert für "Wet" - nach seiner Einschätzung wird der Regen länger anhalten. Aber das letzte Wort hat Ujhasi als Gesamtprojektleiter GT-Werksmotorsport. Der 37-Jährige schaut in den Himmel, schaut auf dem Laptop auf den Regenradar - und entscheidet sich dann für "Drying Wet": "Der Regen wird nicht lange anhalten."

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Also rollt der Porsche 911 RSR mit der Startnummer 92 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans in Regenreifen mit nicht ganz so tiefen Furchen an den Start. Startfahrer Frédéric Makowieck hat damit zwar auf den ersten Kilometern etwas mehr Probleme, die etwa 500 Pferdestärken seines Rennwagens auf die Straße zu bringen. Aber da das Feld nach dem Start aus Sicherheitsgründen fast eine Stunde hinter dem Safety Car hinterherrollen muss, fällt der fehlende Grip nicht so ins Gewicht. Als die Strecke abgetrocknet ist und das Rennen freigegeben wird, ist Makowieck schneller als die direkte Konkurrenz in seiner Wertungsklasse - und übernimmt nach wenigen Kilometern souverän die Führung in seiner Klasse.

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Bei allem Stress ruhig Blut bewahren, alle wichtigen Parameter kühl analysieren und mit den Erfahrungswerten abgleichen und dann ebenso blitzschnell eine Entscheidung treffen - so gewinnt man Autorennen.

Und Stress gibt es reichlich bei einem Wettbewerb, der sich über 24 Stunden hinzieht. Für den Teammanager, für die Fahrer, für die Mechaniker und die anderen Helfer im Hintergrund. Der Langstrecken-Klassiker in Frankreich ist ein Belastungstest für Mensch und Material mit vielen, vielen Unwägbarkeiten.

Das Wetter kann verrückt spielen oder die Aerodynamik des Fahrzeugs bei einer Verfolgungsjagd mit Tempo 300 über eine 13,6 Kilometer lange Piste, die zu etwa neun Kilometern aus einer gesperrten zweispurigen Landstraße besteht. Ein Bauteil kann dabei leicht defekt gehen, ein Reifen plötzlich Luft verlieren oder - in der Nacht und hinter einer der zahlreichen Kurven - plötzlich ein langsames Auto im Scheinwerferlicht auftauchen.

Wie gehen Sie mit Stress und Ärger um?

  • Den Stress erkennen

    Denken Sie darüber nach, welche Faktoren Stress auslösen und bringen Sie diese in eine Rangfolge. Nicht alle Gründe wiegen gleich schwer. Stressauslöser, die bisher als unumgänglich gelten, könnten zu körperlicher und seelischer Beeinträchtigung führen.

  • Intuition nicht verkümmern lassen

    In kritischen Situationen spontan regieren zu können, ist nicht nur auf der Straße wichtig. Auch im Büro sollte die Bedeutung des Bauchgefühls nicht unterschätzt werden. Wer in Situationen mit Kollegen und Kunden zu kopflastig reagiert, kann sie in Sekunden vergraulen. Laut Conen ist Intuition lernbar – und kann wieder erweckt werden, falls man dazu bereit ist.

  • Aufbrechen oder Ausharren?

    Jede Veränderung schenkt ein Stück neues Leben. Dennoch ist nicht jeder Unmut Grund genug, alles über den Haufen zu werfen. Veränderung ist kein Allheilmittel. Tiefen durchzustehen ist das eine, chronischer Frust das andere.

  • Die Gesundheit leidet

    Viele vermeiden es über Jahre, sich Erschöpfung einzugestehen. Ein Burnout kann ein schleichender Prozess sein. Jahrelanger Medikamenten, Alkoholmissbrauch, Autoimmunerkrankungen oder psychische Auffälligkeiten weisen auf Erschöpfung hin.

  • Das Bauchgefühl verbessern

    Lernen Sie ihre Sinne wieder einzusetzen. Riechen und fühlen Sie die Natur oder konzentrieren Sie sich auf die verschiedenen Bestandteile ihres Essens. Verlangsamen Sie eine Aktivität wenn es möglich ist und genießen Sie den Augenblick. Versuchen Sie die Umgebung abzuscannen und sich einzuprägen.

  • Das Chamäleon-Prinzip

    Das Chamäleon sollte das Tier dieses Jahrhunderts werden. Es zeigt alle Fähigkeit, die heute notwendig sind. Vor allem kann es sich auf veränderte Bedingungen einstellen. Es geht nicht darum, seine Authentizität zu verlieren. Es geht darum, sich nicht mehr zu wünschen, dass alles wieder so wird, wie es mal war. Das macht unglücklich. Wagen Sie in der Jobkrise den Sprung in eine zweite Karriere.

  • Neue Energie gewinnen

    Hinterfragen Sie, wo Sie wie viel Energie investieren und ob es sich lohnt. Hinterfragen Sie Ihre innere Motivation und konzipieren Sie um. Schaffen Sie es Ihr Energielevel unter Kontrolle zu halten, bleibt mehr für die Freizeit über.

  • Den anderen mit dem Bauch betrachten

    Achten Sie nicht nur darauf, was Personen in Ihrem Umfeld sagen, sondern auch, wie sie es sagen. Die Wechselwirkung mit dem Gegenüber und die Umstände einer Konversation beeinflussen das Ergebnis in hohem Maße.

  • Entdecken Sie alle Ihre Fähigkeiten

    Stellen Sie sich vor, Sie wären Gast im Ratequiz „Was bin ich?“. Welche Eigenschaften, und dazu zählen eben auch die kleinen Fähigkeiten, machen Sie aus? Protokollieren Sie die Bereiche, die bisher noch nicht ausreichend zur Geltung kommen. Da gibt es bestimmt mehrere.

  • Sich selber leiden können

    Eine positive Selbstbewertung senkt das Stresslevel. Fangen Sie morgens an mit einer positiven Grundstimmung und versuchen Sie, dieses Gefühl den Tag zu halten. Positive Selbstgespräche oder kurze tägliche Ritual helfen dabei. Auch malen, schreiben oder eine freundliche Büroeinrichtung wirken positiv.

  • Selbstkontrolle

    Dabei sollte die Selbstbeobachtung nicht vergessen werden. Intuitive Selbstkontrolle hilft, während eines Gesprächs die Reaktionen seines Gegenübers nicht zu übersehen. Wie Sie auf andere wirken, lässt sich leicht bei einem Abschied erkennen. Ist die Situation entspannter, als bei der Begrüßung, hat sich der Gesprächspartner wohl gefühlt.

  • Entwickeln Sie sich weiter

    Seminare, lebenslanges Lernen, neue Herausforderungen. Nutzen Sie wirklich alle Ihre Bildungsurlaubstage? Haben Sie wirklich schon alles gelernt, was Sie sich vorgenommen haben? Trainieren Sie, nicht zu schnell zu satt zu sein und fordern Sie von sich selbst, mehr aus sich zu machen.

  • Lähmenden Ärger loswerden

    Ärger kann in kürzester Zeit zu Antriebslosigkeit führen. Das Take-Care-Prinzip soll helfen, sich weniger zu ärgern: Versuchen Sie zunächst, Ärger von sich fernzuhalten. Nicht jede Meinungsverschiedenheit mit Kollegen oder den Nachbarn ist einen Streit wert. Falls es doch dazu kommen sollte, distanzieren Sie sich innerlich. Einen Witz machen kann helfen. Sollte es doch heftiger kommen, ist es wichtig, sich beim Sport oder einen Urschrei abzureagieren.

  • Intuitiv entscheiden

    Egal ob im Beruf oder im Privatleben, eine Entscheidung sollte nicht alleine aus dem Kopf heraus getroffen werden. Beziehen Sie Ihren Bauch mit ein. Auch wenn Sie ein Gefühl rational nicht nachvollziehen können, sollten Sie versuchen, es zu ergründen. Es könnte sein, dass ihre innere Stimme weiser ist, als Sie in diesem Augenblick.

  • Reagieren Sie schneller

    Seien Sie die Schlange, nicht das Kaninchen. Reagieren Sie schneller als die anderen. Also erwarten Sie stets das Unerwartete, lernen Sie zu improvisieren, lösen Sie sich rasch von Denkmustern. Und vor allem: verändern sie Gewohnheiten.

  • Das Leben wieder in die eigene Hand nehmen

    Wer sich aufgibt, wird zum Spielball der Umgebung. Bestärken Sie sich jeden Tag darin, dass Sie über Ihr eigenes Lebens bestimmen. Conen empfiehlt: „Lernen Sie mitten im Geschehen zu sein und doch darüber zu stehen.“ Sie kommen mit Störungen besser um, wenn Sie sich als freier und selbstbestimmter Mensch fühlen.

Unendlich viel kann passieren. Nur eines darf auf keinen Fall passieren: Dass ein Teammitglied unter dem immensen Erfolgsdruck zusammenbricht. Wie geht das? Wie bereitet man sich auf ein solches Ereignis vor? Wie teilt man seine Kräfte so ein, dass die Leistungsfähigkeit über solch einen langen Zeitraum hoch bleibt? WirtschaftsWoche blickte hinter die Kulissen und fühlte dabei einigen Akteuren buchstäblich am Puls.

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