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Lord David Owen: „Jeder hat das Potenzial zum Größenwahn“

Mehr Macht

Sie beobachteten aber etwas anderes.
Ja, und ich muss zugeben, dass ich das zunächst für recht ungewöhnlich hielt. Aber was ich in der Politik und in Chefetagen von Unternehmen sah, war, dass sich normale Menschen veränderten, weil sich ein Umstand in ihrem Leben änderte: Sie bekamen mehr Macht.

Diese Veränderung versuchen Sie als „Hybris-Syndrom“ anerkennen zu lassen.
Seit der Diskussion um posttraumatische Belastungsstörungen unter Soldaten haben viele erst realisiert, dass sich Menschen unter großem Stress und großer Anstrengung verändern können. Das machte es für mich einfacher, zu argumentieren, dass diese Veränderung auch durch Belastung im Arbeitsleben passieren kann. Dass man normal anfängt und als anderer Mensch aufhört.

Wie erkennt man diese Veränderungen in anderen?
Der wichtigste Faktor, der Sie alarmieren sollte, ist, wenn Führungskräfte abweichende Meinungen nur noch verächtlich behandeln.

Wie meinen Sie das?
Nehmen Sie zum Beispiel Margaret Thatcher. Sie hatte den Hang dazu, Menschen danach einzuordnen, ob sie „einer von uns“ sind, also ihre ideologische Sicht teilten. Taten sie das nicht, nahm sie sie nicht ernst. Sie vertraute nur denjenigen, die so dachten, wie sie selbst. Das hat man auch bei Tony Blair gesehen, den das Amt ebenfalls verändert hat. Während des Irak-Kriegs nahm er quasi die Rolle des Präsidenten von Großbritannien an. Das Kabinett hatte nichts zu entscheiden, es zählte nur eine kleine Gruppe in Downing Street Nummer 10. Und natürlich war das Ergebnis ein Desaster.

So gehen Sie mit einem narzisstischen Chef am besten um

  • Akzeptieren Sie ihn

    Akzeptieren Sie den Narzissten so, wie er ist. So banal es auch klingt, aber manche Menschen ändern sich nicht - und für diese Sisyphos-Aufgabe sind Sie ohnehin nicht der Richtige.

  • Keine Kritik

    Stellen Sie seine vermeintliche Großartigkeit nie öffentlich infrage - denn selbst auf konstruktive Kritik reagieren Narzissten häufig allergisch.

  • Erwarten Sie kein Lob

    Seien Sie auf Detailarbeit vorbereitet - aber erwarten Sie nicht, für Ihre Ideen und Überstunden von ihm gelobt zu werden. Denn das Rampenlicht will er nicht mit Ihnen teilen. Deshalb sollten Sie Ihre Zufriedenheit nie von seiner Laune und seinem Wohlwollen abhängig machen.

  • Bieten Sie keine Angriffsfläche

    Schützen Sie sich selbst. Bleiben Sie dem Narzisst gegenüber professionell. Ihre Gefühle und Emotionen sollten Sie mit ihm nicht teilen. Dadurch bieten Sie ihm so wenig Angriffsfläche wie möglich.

  • Passen Sie auf, wie Sie formulieren

    Achten Sie auf Ihre Formulierungen. Wenn Sie etwas von ihm wollen, betonen Sie nicht, was Sie selbst davon haben - sondern welche Vorteile er daraus ziehen könnte.

Kann man diese Probleme verhindern?
Wer wie ich glaubt, dass Hybris ein im Job erworbenes Charaktermerkmal ist, der glaubt auch daran, dass man sie wieder loswerden kann. Wenn man sich eingesteht, dass man dafür anfällig ist, muss man dafür sorgen, dass man Menschen in seinem Leben hat, die einem ungefiltert und ohne Angst die Wahrheit sagen. Bei Politikern waren das häufig die Ehefrauen, etwa Eleanor Roosevelt oder Clementine Churchill. Das gleiche gilt aber auch für Geschäftsleute, die sich bewusst Leute ins Unternehmen holen können, die sich trauen, ihnen zu widersprechen.

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