Machtspiele: Fünf Merkmale einer Intrige

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Machtspiele: Wenn Manager über Leichen gehen

Fünf Merkmale einer Intrige

Zunächst einmal erfüllt eine Intrige immer die gleichen fünf Merkmale. Das erste ist die Heimtücke. Ein offener Angriff ist keine Intrige, sie erfolgt immer aus der Deckung heraus. Dass Fälle wie die des Aufsichtsrates Georg Thoma publik werden, ist deshalb selten. Meist kennt nur der Täter den ganzen Plan, auch seine Verbündeten weiht er nicht ein, sondern manipuliert sie. Eine Ausnahme ist die politische Intrige. Dort kommen Zwistigkeiten häufiger ans Licht. Kritisiert ein Politiker einen Parteikollegen öffentlich, ist demjenigen das nicht einfach rausgerutscht, sondern Teil eines größeren Plans.

Intrigen passieren nicht spontan

Womit sich das zweite Merkmal nahtlos anschließt. Eine Intrige folgt immer einem Plan. Sie ist nie etwas Spontanes oder Unüberlegtes. Für den Literaturwissenschaftler Peter von Matt ist die Planung das Schlüsselereignis der Intrige. „Der Planszene voraus geht die Erfahrung einer Not und die Vision eines Ziels“, schreibt er in seinem Buch „Die Intrige“.

Das wiederum führt zum dritten Merkmal, dem Motiv. „Meistens sind das Macht, Geld oder Liebe“ , sagt Michalik. Doch nicht immer. Nur weil einem selbst das Motiv nicht wichtig genug erscheint, heißt das nicht, dass es für jemand anderen nicht Anlass zur Intrige liefert.

Wer Plan und Motiv beisammen hat, ist noch lange kein Intrigant. Denn die Kabale muss auch ausgeführt werden – das vierte Merkmal. Wie bei einem Mord muss der Täter irgendwann das Gift besorgen und seinem Opfer verabreichen. Es gilt: ohne Handlung, kein Intrige.

Täter - Verbündeter - Opfer

Für die Ausführung einer Hinterlist benötigt es wiederum mindestens drei Akteure. Neben Täter und Opfer muss es mindestens einen weiteren Verbündeten geben. Der kann als Mitwisser, Handlanger oder Vollstrecker fungieren. Sie selbst wissen meistens nichts von ihrer Funktion. Doch kann ein Opfer, bei all der Hinterlist, überhaupt erkennen, wenn er in einer Intrige verstrickt ist?

„Meistens dann, wenn es zu spät ist“, sagt Michalik. Doch ein Blick in den Werkzeugkoffer der Intrige schärft den Blick. Das wohl wichtigste Instrument ist die Information beziehungsweise das Vorenthalten dieser. Das kann eine „aus Versehen“ weitergeleitete E-Mail an den Kollegen sein.

Der Politiker, der einem Journalisten im Vertrauen erzählt, dass der andere Kandidat schwer krank sei. Oder eine Beschwerde, die nicht an den zuständigen Vorgesetzten geht, sondern an die nächsthöhere Ebene. Immer wenn Informationen einen fehlgeleiteten Weg nehmen, ist das ein Indiz. Kritik hingegen ist es selten – zu offensichtlich. Viel gefährlicher ist Lob. Wer denkt schon, dass der, der Nettes sagt, Böses meint? Außerdem kann man sich gegen Lob nicht wehren. „Das macht es so tückisch“, sagt CSU-Mann Huber. „Vor allem bei öffentlichem Beifall war ich immer auf der Hut.“

Managertypen Der Firmen-Patriarch hat ausgedient

Hohe Ansprüche an sich selbst und „Heroismus“: Manager stehen sich oft im Weg. Dafür vernachlässigen sie andere. Dabei ist es so einfach: Wer entscheidet, sollte das kooperativ tun – davon profitieren am Ende alle.

Viele Manager halten sich selbst für ziemlich genial, vertragen aber keine Kritik. Zusammenarbeit ist für sie ein Fremdwort. Quelle: Fotolia

Zu welchen dieser Instrumente Klaus Rosenfeld griff, ist leider nicht überliefert. Doch auch der Chef des MDax-Unternehmens Schaeffler soll sich seinen Weg an die Spitze des Autozulieferers laut eines Berichts des „Manager Magazins“ mit viel List und noch mehr Tücke erschlichen haben. Er selbst wies diese Vorwürfe in einem Interview entschieden zurück. Doch ob Hinterlist oder nicht: Die Geschichte seines Aufstiegs beinhaltet dennoch einige der zuvor beschriebenen Merkmale. Rosenfeld kam im Jahr 2009 als Sanierer zu dem schwer angeschlagenen Unternehmen, das nach der Übernahme von Continental zwölf Milliarden Euro Schulden hatte. Rosenfeld verhandelte, optimierte und restrukturierte geschickt. Beste Voraussetzung eigentlich, um sich für den Chefposten zu empfehlen. Doch nach dem Abgang des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Geißinger ernannten die Gesellschafter nicht Rosenfeld, sondern den externen Manager Klaus Deller zum Nachfolger. Dieser trat seinen Job nie an.

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Obwohl Rosenfeld seinem künftigen Chef Deller zunächst seine Unterstützung zusicherte, erteilte die Gesellschafterfamilie Schaeffler ihrem Wunschkandidaten doch noch eine Absage und setzten stattdessen Rosenfeld auf den Posten. Ende gut, alles gut? Mitnichten. Zwar konnte das Unternehmen seinen Nettogewinn zuletzt wieder steigern, doch das lag vor allem am Schuldenabbau. Sorgen macht vor allem das stagnierende Geschäft mit der Industrie. Der beste Intrigant muss eben nicht auch der beste Unternehmer sein.

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