Machtspiele: Wenn Manager über Leichen gehen

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Machtspiele: Wenn Manager über Leichen gehen

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Manager und die Karriere um jeden Preis.

von Lin Freitag, Cornelius Welp und Matthias Kamp

Intrigen lauern überall im Job. Doch manche Unternehmen und Branchen sind häufiger betroffen als andere: In Banken, Versicherungen oder im Handel gedeihen Intrigen und Intriganten prächtig. Warum?

Wer Intrigen sucht, muss bei der Deutschen Bank nicht lange suchen. Viele der dort verantwortlichen Topmanager beherrschen das Spiel auf der Klaviatur der Zwistigkeiten nahezu meisterlich. Der absolute Virtuose des Unternehmens: Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Er war es, der seinen Freund und Anwalt Georg Thoma für das Kontrollgremium angeworben hatte. Dort sollte er endlich den neu verordneten Kulturwandel umsetzen. Den Job erledigte Thoma eifrig – für viele zu eifrig. Auch Achleitner ging das Engagement zu weit. Angeblich sorgte Thoma für ein Klima der Angst in der ganzen Bank, seine Kollegen sollen sich von ihm genervt fühlen. So dauerte es nicht lang, bis sich die Aufsichtsräte zu einem Schritt entschlossen, der an den Agatha-Christie-Krimi „Mord im Orient-Express“ erinnert. Nach Gemauschel hinter verschlossenen Türen entwickelten die Kontrolleure einen Plan.

Thoma sei "nicht mehr tragbar" gewesen

Der erste Akt der List: Zwei Aufsichtsräte meldeten sich in der Öffentlichkeit zu Wort und kritisierten den Aufklärer als nicht mehr tragbar. „Mit seinem Übereifer und der juristischen Selbstverwirklichung stößt Dr. Thoma zunehmend auf Kritik“, ließ sich Alfred Herling, damals Betriebsratschef und Vize-Aufsichtsratschef zitieren. Henning Kagermann, Ex-SAP-Chef und Vertreter der Kapitalseite, sagte: „Bei aller Sorgfalt, die wir haben walten lassen, ist es uns wichtig, dass die Deutsche Bank dieses Kapitel endlich abschließt und mit voller Kraft wieder in die Zukunft schaut.“

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Mit diesen Sätzen war Thoma angeschossen. In der anschließenden Sitzung eines Ausschusses des Gremiums forderten dessen Mitglieder ihn zum Rücktritt auf. Ohne die erforderliche Unterstützung blieb ihm nichts anderes übrig, als zu gehen.

So wehren Sie Intrigen ab - Ein Sieben-Punkte-Plan

  • Schritt 1

    Eine Intrige abzuwehren kostet viel Kraft, Zeit, mitunter sogar Geld. Um das durchzuhalten, muss das Ziel attraktiv sein. Wer sowieso mit einem Stellenwechsel liebäugelt, sollte genau überlegen, ob ein Rückzug nicht die bessere Option ist. Kämpfen lohnt sich nur für den, der unbedingt in seiner Position bleiben will. Um das herauszufinden, helfen Reflexionsfragen: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? Wenn Sie drei Wünsche frei hätte, welche wären das?

  • Schritt 2

    Intrigen sind komplex. Um sie zu durchschauen, helfen die klassischen W-Fragen: Wer hat wann was zu wem gesagt? Wer könnte noch beteiligt sein? Das hilft auch bei der Suche nach dem Motiv. Werfen Sie auch einen Blick zurück. Wer bemerkt, dass er in einer Intrige steckt, befindet sich meist schon sehr viel länger dort.

  • Schritt 3

    Überstürzen Sie nichts. „Wut und Angst sind keine guten Ratgeber“, sagt Regina Michalik. Handeln Sie kühl und analytisch. Erstellen Sie ein Intrigogram. Wer ist der Haupttäter? Wer sind die Verbündeten? Wissen diese von ihrer Funktion? Aber auch: Wer kann mir bei meinem Abwehrplan helfen?

  • Schritt 4

    Treffen Sie nun eine Entscheidung. Wollen Sie wirklich kämpfen oder doch lieber aufgeben? Und: Schaffen Sie das alleine? Oder sollte das Komplott nicht sogar besser an einen Anwalt übergeben werden?

  • Schritt 5

    Suchen Sie sich Verbündete: Einen Gegenplan zu entwerfen benötigt genau wie die Intrige selbst Mitspieler – sonst ist der Plan vorhersehbar. Wichtig sind die Motive Ihrer Verbündeten. Helfen sie aus Freundschaft, oder verfolgen sie eigene Interessen? Unterstützer können Sie auch in offiziellen Stellen finden – zum Beispiel beim Betriebsrat.

  • Schritt 6

    Sind Sie immer noch der Meinung, dass Gegenwehr die beste Möglichkeit ist? Noch können Sie zurück.

  • Schritt 7

    Setzen Sie Ihren Plan um. Aber Vorsicht: Bleiben Sie flexibel, überlegen Sie auch eine Option B oder C!

Damit hatte sich Paul Achleitner seines früheren Freundes und späteren Widersachers entledigt – und das, ohne selbst in Erscheinung zu treten.

Gestatten Sie, die perfekte Intrige.

Über Leichen an die Spitze

„Intrigen sind ein Mittel, um die eigene Macht auszuweiten“, sagt Dieter Frey, Professor für Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie fühlt sich überall wohl, wo es um Positionen geht. Die einzige Voraussetzung: Es muss einen geben, der etwas besitzt, was ein anderer ebenfalls gern sein Eigen nennen möchte. Sonst tritt sie nahezu wahllos auf. Ob in der Wirtschaft oder der Politik, im einfachen Großraumbüro oder auf der Chefetage, in Neustadt oder in New York City: Keiner ist vor ihr sicher. Auch das Alter, Herkunft, Religion oder Geschlecht ist ihr völlig egal.

Strategieumsetzung: Tipps von Managern für Manager

  • Sachebene: Schritt für Schritt

    Die Unternehmensberater von Liebrecht Rau haben ihre Klienten gefragt, was diese aus ihren Fehlern gelernt haben.

    Einer der Befragten antwortete: "Denke von Schritt zu Schritt anstatt zwei oder drei Schritte im Voraus."

    Quelle: Liebrecht Rau-Managerstudie 2016

  • Sachebene: Zeitmanagement

    "Verliere nicht die Kontrolle über das Zeitmanagement und die Budgetplanung."

  • Sachebene: Nichts unterschätzen

    "Unterschätze nicht den Umfang des Vorhabens in zeitlicher Hinsicht als auch in der Tiefe der Analysen."

  • Sachebene: Eindruck

    "Verschaffe Dir immer den Gesamteindruck."

  • Sachebene: Visualisierung

    Und ein anderer rät zu "Klare Vision, gute Kommunikation über alle Ebenen, einfache und anschauliche Visualisierung des Ziels."

  • Beziehungsebene:Managerqualitäten

    "Es geht um Respekt, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Qualität."

  • Beziehungsebene: Andere einschätzen

    "Denke nicht zu früh, du hättest alle an Bord" und: "Es ist eine Illusion zu glauben, dass die Mitarbeiter Dir allzeit ehrlich und konstruktiv begegnen."


  • Beziehungsebene: Andere überzeugen

    "Erkläre nicht immer wieder in den unterschiedlichsten Farben, wenn der andere eigentlich darauf pfeift. Argumentiere nicht inhaltlich, wenn es um die Beziehung geht" ist ein Rat, ein weiterer: "Rechtfertige Dich nicht vor Bedenkenträgern."

  • Beziehungsebene: Andere führen

    "Gib wichtige Entscheidungen nicht zu früh ins Team; Mitarbeiter wollen „eingebunden geführt“ werden. Was zählt, ist Orientierung", sagt ein Manager. Ein anderer rät: "Gehe weg vom Push, hin zum Pull Prinzip."

  • Beziehungsebene: Vorsicht Chef

    "Entscheide nicht ohne enge Abstimmung mit den Eigentümern" ist ein genauso nachvollziehbarer Rat wie "Achte auf Politik und erkenne Intrigen."

  • Selbstmanagement: So klappt's

    Und zum Schluss noch ein paar Tipps auf der Selbstmanagement-Ebene: "Tapfer sein ist immer gut", rät einer, ein andere empfiehlt, sich nicht zu früh anzupassen und der nächste, auf das Bauchgefühl zu achten.
    Man solle beherzt entscheiden, empfiehlt einer der Befragten. Der nächste rät: "Versuche nicht, zu schnell zu viel zu wollen" und wiederum ein anderer warnt vor Perfektionismus. "Verlasse dich nicht nur auf mündliche Zusagen", musste ein Manager erfahren. Und einer empfiehlt: "Tu einfach so, als wärst Du der Besitzer der Firma." Dann läuft es schon.

Und doch gibt es Branchen, Zeitpunkte und Konstellationen, in denen sich die Intrige besonders wohlfühlt. In einem wettbewerbsorientierten Arbeitsumfeld etwa. Dazu zählen Banken, Versicherungen oder der Handel. Eine strenge Hierarchie bestärkt den unlauteren Kampf ebenfalls. Überall dort, wo wenige über vieles entscheiden, wächst und gedeiht der Unmut und Neid der anderen. „Je mehr Machtkonflikte auf höchster Ebene vorhanden sind, umso mehr setzt sich das auch nach unten durch“, sagt Psychologe Frey. Zeiten großer Umbrüche, in denen sich ganze Organisationen neu aufstellen, befeuern Intrigen ebenfalls. Das kann ein Regierungswechsel sein, eine Übernahme oder der Chefwechsel.

Bäte sollte zum Rücktritt gezwungen werden

So war es auch bei der Allianz Versicherung. Vorstandschef Oliver Bäte machte sich mit dem Radikalumbau, den er Europas größtem Versicherer verordnet hat, nicht nur Freunde. Manche Manager im Konzern fürchteten angesichts der Neustrukturierung um lieb gewonnenen Einfluss, manche gar um ihren Job. So wundert es kaum, dass einer von ihnen kürzlich versucht hat, Bäte mit einer fiesen Intrige zu beschädigen.

Der Mann spielte der Tageszeitung „Die Welt“ umfangreiches Material zu, das belegen sollte, Bäte benutze den Firmenflieger der Allianz für private Reisen. Das Kalkül des Intriganten: den Konzernchef zum Rücktritt zu bewegen. Doch nach eingehender Prüfung stellten sich die Vorwürfe als haltlos heraus.

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