Management: Der heroische Manager hat ausgedient

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Management: Der heroische Manager hat ausgedient

Mit Druck und brutalem Machtwillen geführt verkommen Unternehmen zu unkreativen, menschenfeindlichen Institutionen. Wirklich große Leistungen gelingen mit Philosophie und Anleihen bei der Kunst - Kandinsky statt Kaeser, schreibt Helmut Geiselhart in einem Gastbeitrag.

Es steht nicht gut um große deutsche Unternehmen. Thyssen-Krupp ringt um seine Existenz. Opel liegt am Boden. RWE muss den Gürtel immer enger schnallen und mehr als 3.000 Arbeitsplätze abschaffen. E.ON ist dabei, rund 9.000 Mitarbeiter zu entlassen, als Folge des Ausstiegs aus der Kernenergie. Die Kooperation mit dem Brasilianer Eike Batista hat sich als ernüchternd erwiesen.

Und dann ist da noch Siemens – die große Enttäuschung der deutschen Industrie. Chaos scheint dort in den Führungsgremien zu herrschen. Von Technikpannen wird berichtet, von Flops bei Akquisitionen und gebrochenen Wachstums- und Ergebnisversprechen. Jetzt sollen auch noch 15.000 Stellen wegfallen. Skandale haben schon den Abgang Heinrich von Pierers begleitet. Klaus Kleinfeld war seiner Aufgabe gar nicht gewachsen. Und Peter Löscher, so heißt es, sei nie wirklich angekommen.

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Aber jetzt kommt Joe Kaeser. In der aktuellen Ausgabe des Manager-Magazins porträtieren zwei Journalisten den neuen Vormann bei Siemens. Sie beschreiben ihn auf anerkennende, fast bewundernde Weise.

Herrn Kaeser habe ich nie gesehen und auch nichts über ihn gehört, was ich bedaure. Was ich über ihn weiß, das weiß ich nur aus dem erwähnten Bericht. Nur auf ihn beziehe ich mich. Wäre Kaeser tatsächlich so, wie ihn dieser Artikel beschreibt, müsst man sich weiterhin Sorgen um Siemens machen. Sollte Kaeser damit wenig zu tun haben, dann möge er mir meine folgenden Bemerkungen nachsehen.  Sollte er sich dort wiedererkennen, dann könnten sie ihn dazu anregen, kritisch über sich nachzudenken.

Die Überschrift des Berichtes lautet: „Aufgestaute Energie“. Es geht wohlgemerkt um den langjährigen Finanzvorstand und zweiten Mann hinter Löscher: Warum konnte sich bei diesem Mann Energie aufstauen? Hätte er die nicht zum Wohl von Siemens in einer so hohen Position ständig einbringen können? Burnout statt Energiestau wäre angemessen!

Dann ist die Rede von Kaesers Führungsstil, seinem eisernem Machtwillen, dem sich alle unterordnen müssen. Die Egoismen der Sektorenchefs sollen gebrochen werden. Das Gehaltssystem soll auf die Topleute Druck ausüben, und „wer nicht mitzieht, der muss sich eine andere Firma suchen“. Ein moderner Führungsstil wird hier nicht sichtbar.

Manager Nur Schlechte nehmen sich wichtig

Rechthaberei und Machtansprüche von Führungskräften sind fatal für Unternehmen, glaubt der Philosoph und Berater Helmut Geiselhart. Er erklärt, dass Unternehmenslenker sich einiges von Philosophen abgucken sollten.

Quelle: Fotolia

Zu den Eigenschaften des neuen Vormanns heißt es: Er sei ein „zuverlässiger und durchsetzungsstarker Manager“. Er habe „viel Spaß an strategischen Fragen“ und sei außerdem „voll brennendem Ehrgeiz“. Aufsehenerregende Eigenschaften stechen hier nicht hervor.

Zwei Szenen sollen ihn charakterisieren: „Wenn er mit seinem Chef essen war, bestellte er stets dasselbe wie sein Vorgesetzter.“ Mit welchen Vorgesetzten hatte es Kaeser zu tun, dass er es für angemessen hielt, das gleiche Essen zu bestellen wie sie? Starke Persönlichkeiten waren es jedenfalls vermutlich nicht.

Löscher veranstaltete einmal zusammen mit dem Vorstand für Führungskräfte ein Fest auf Schloss Linderhof. Kaeser sagte seine Teilnahme ab, weil er König Ludwig für geisteskrank hält.

Was bedeutet das? Warum sagt er seine Teilnahme am Festakt ab, der langfristig vorbereitet war, statt eine bessere Alternative anzubieten? Warum desavouiert er stattdessen seine Kollegen? Im Übrigen: Wer behauptet noch ernsthaft, Ludwig II. sei geisteskrank gewesen?

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