Management: Design Thinking - Masche oder Strategie?

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Management: Design Thinking - Masche oder Strategie?

Ein Problem lösen, so wie ein Designer ein Produkt gestaltet - als Design Thinking setzt sich diese Managementtechnik in Unternehmen durch.

Es könnte die perfekte Bastelstunde werden: Auf einem Tisch liegen Legosteine, bunte Knete, Schere und Papier. Im Konferenzraum des Kölner Gründer-Treffpunktes Startplatz stehen rund 15 Männer und Frauen und blicken nach vorne zu einem Mann mit Drei-Tage-Bart. „Heute lernen wir, Innovation völlig neu zu denken“, sagt Matthias Lenssen von der Beratung Innovation Radicals. Also doch kein Bastelvergnügen – sondern Arbeit. Lenssen will den Teilnehmern die Innovationsmethode Design Thinking erklären. Solche Workshops finden inzwischen fast täglich irgendwo in Deutschland statt. „Ohne diese Denkweise in ihrer Firmenkultur zu verinnerlichen, werden es alle Unternehmen künftig schwer haben“, bestätigt Ulrich Weinberg, Leiter der 2007 gegründeten HPI School of Design Thinking. Das belegt auch ein Blick auf die Zahlen: In einer Umfrage unter 235 Unternehmen, die bereits mit dieser Methode arbeiten, gaben 69 Prozent an, dass ihre Innovationsprozesse durch Design Thinking effizienter geworden seien.

Aber was steckt dahinter?

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„Wie der Name verrät, geht es bei der Methode darum, wie ein Designer an Dinge heranzugehen“, sagt Lenssen. Design Thinking wurde schon in den Neunzigerjahren von David Kelley entwickelt, dem Erfinder der ersten Maus für den Mac und Gründer der Designagentur Ideo. Gemeinsam mit ein paar Kollegen rief er 2003 ein eigenes Studienprogramm an der Universität Stanford ins Leben, die sogenannte d.school. Das Ziel: Denkprozesse anders zu gestalten und so neue Produkte zu entwickeln. Doch das ist nicht der einzige Bereich, in dem die Methode helfen kann. An der Stanford-Universität wird Design Thinking in Kursen angewendet, in denen Antworten auf die großen Fragen des Lebens gesucht werden: Sicherheitspolitik, Hunger oder Armut.

Design Thinking: die goldenen Regeln

  • Tun: flexible Räumlichkeiten schaffen

    Offene Räume, Flipcharts und verschiebbare Tische sollen die Arbeit in Teams erleichtern und für eine kommunikative Atmosphäre sorgen.

  • Tun: gemischte Teams bilden

    Im Idealfall kommen die Mitglieder aus verschiedenen Ländern, haben unterschiedliche berufliche Qualifikationen, sind alt und jung sowie männlich und weiblich.

  • Tun: Probleme definieren

    Statt allgemeine Fragen wie "Wie soll moderne Bildung aussehen?" besser so konkret wie möglich: "Wie kann man Kinder für IT begeistern?"

  • Lassen: auf Zahlen fixieren

    Bei Design Thinking geht es um die Frage, wie sich für den Kunden ein Mehrwerterzielen lässt. Wer also mit diesem Tool arbeiten will, darf nicht nur in Umsatz und gewinn denken. Stattdessen ist Vertrauen gefragt. Und zwar darauf, dass sich sie gute Idee am Ende schon irgendwie monetarisieren lässt.

  • Lassen: im Chaos versinken

    Wer bei Design Thinking klare Ergebnisse sehen will, braucht einen konkreten Zeitplan. Wann werden die ersten Kunden befragt? Wann der erste Prototyp präsentiert? Spielerisch heißt nicht chaotisch.

  • Lassen: Regeln zu starr festlegen

    Man muss nicht jedes Mal den gesamten Design-Thinking-Prozesss durchlaufen.Viel wichtiger ist es, Offenheit, Kundenorientierung und den Mut, Neues auszuprobieren, zu verinnerlichen.

Das Geheimrezept klingt ungewöhnlich. Statt sofort nach der Lösung für ein Problem zu suchen, geht man beim Design Thinking erst einmal einen Schritt zurück. Kennen wir das wahre Problem? Oder liegt das nicht ganz woanders? Dabei hilft es, sich in die Lage des potenziellen Kunden zu versetzen. Was fühlt er? Was denkt er? Und was braucht er? Diese Punkte werden zunächst in einem möglichst bunt gemischten Team diskutiert. Hierarchien sollen so aufgelöst werden, unterschiedliche Ideen finden zusammen. Scheint eine Lösung gefunden, wird mithilfe eines simplen Prototyps überprüft, ob sie auch der Praxis standhält.

So geschehen in Köln: Zunächst bekommen die Seminarteilnehmer die Leitfrage vorgegeben. Wie kann man Kinder für IT begeistern? Nach dem Brainstorming geht es raus auf die Straße, potenzielle Kunden befragen. Am Ende des Tages präsentieren die Teilnehmer ihre Prototypen. Eine Gruppe hat sich eine App ausgedacht, die Schülern begleitende Aufgaben zum Unterricht präsentiert: Quizfragen, kleine Videos und Bilderrätsel. Um ihre Idee zu veranschaulichen, haben die Teammitglieder große weiße Pappblätter genommen und mit bunten Stiften die verschiedenen Unterseiten der App skizziert – quasi Screenshots in Übergröße.

Den Kunden verstehen

Viele Großkonzerne sind bereits Fans. Ob Telekom, Otto, SAP oder Audi: Alle erhoffen sich vom Design Thinking neuen Schwung. Beim Energieversorger E.On etwa arbeitet die Innovationsabteilung seit einem Jahr intensiv damit. „Die Bedürfnisse der Kunden haben sich in sämtlichen Branchen in den vergangenen Jahren rasant gewandelt“, sagt Marika Reis, Leiterin der Innovationsabteilung für das Privatkundengeschäft. „Mithilfe von Design Thinking können wir diese Bedürfnisse rasch verstehen und neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln.“ So ist auch die vor einigen Monaten gestartete Plattform Enervee entstanden, auf der Verbraucher die Energieeffizienz von Haushaltsgeräten vergleichen können. Nach und nach will der Konzern die Arbeitsweise nun auf weitere Abteilungen ausweiten.

Drei Arten agiler Arbeit

  • Scrum

    Arbeitsschritte werden in Phasen von zwei bis vier Wochen zerlegt und von einem kleinen Team bearbeitet. Der Scrum Master sorgt dafür, dass Regeln eingehalten werden. Ein Product Owner behält die Wünsche des Auftraggebers im Blick.

  • Design Thinking

    Ziel ist die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle oder Produkte. Die Methode orientiert sich an der Arbeit von Designern. Basis ist die These, dass Probleme besser gelöst werden, wenn Menschen aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten.

  • Holokratie

    Die Philosophie geht auf den US-Softwareunternehmer Brian Robertson zurück. Holons sind selbstständige Einheiten aus Mitarbeitern, die sich mit anderen Holons zu einer Struktur zusammenschließen – der Holacracy. Statt einer Hierarchie gibt es Regeln in einer „Verfassung“, die Mitarbeiter versammeln Gleichgesinnte in „Zirkeln“, um „Spannungen“ zu klären, und besprechen den Fortschritt in „taktischen Sitzungen“. Weltweit verwenden die Philosophie bereits 50 Organisationen.

Denken wie ein Designer ist das eine – aber am Ende geht es ums Machen. „Damit sich Design Thinking wirklich in der Firmenkultur verankern lässt, muss die gesamte Führung dahinterstehen“, sagt Ulrich Weinberg von der HPI School of Design Thinking. Wer als Chef schnelle Lösungen ohne jegliches Risiko suche, lasse keinen Raum für kreatives Denken und Ausprobieren.

Das weiß auch Robert Welsch, Leiter des Digitalgeschäfts beim Langenscheidt Verlag. Sein Team steht kurz davor, ein neues Produkt auf den Markt zu bringen, das unter anderem mithilfe von Design Thinking entwickelt wurde. Noch will Welsch nichts Genaues verraten, nur so viel: „Wir waren der felsenfesten Überzeugung, dass es eine große Nachfrage für ein bestimmtes Modul gibt. Durch das viele Feedback der Testkunden haben wir dann aber herausgefunden: Die Kunden wollen etwas ganz anderes.“ Um den über mehrere Wochen dauernden Designprozess zu stemmen, holte sich das Unternehmen Hilfe von Beratern. „Gerade am Anfang, wenn die Methode im Team noch neu ist, kann man das nicht einfach neben dem Alltagsgeschäft laufen lassen“, sagt Welsch. „Es braucht Experten, die sich intensiv mit der Methode beschäftigen, und vor allem auch Zeit, um diese umzusetzen.“

Diversity: So wollen Unternehmen die Vielfalt fördern

  • 81,3 Prozent

    Um attraktiv für junge Eltern zu werden, setzen 81,3 Prozent der von der PageGroup befragten Unternehmen auf flexible Arbeitszeitmodelle und Work-Life-Balance-Angebote.

    Für die "Diversity Management Survey" hat die Personalberatungs- und Personalvermittlungsgesellschaft online 215 deutsche Unternehmen befragt. Mehrfachnennungen waren möglich.

  • 54,7 Prozent

    Mehr als die Hälfte der Befragten setzt auf die Förderung der Bildung von interkulturellen Teams.

  • 46,9 Prozent

    Familienfreundliche Angebote - konkret: Angebote für Alleinerziehende - haben rund 47 Prozent der Unternehmen.

  • 47 Prozent

    Ebenfalls 46,ß Prozent gaben an, Alters- und behindertengerechte Arbeitsplätze anzubieten.

  • 40,6 Prozent

    Etwas mehr als 40 Prozent gaben an, ihre Diversity-Aktivitäten im Inter- und Intranet, Broschüren oder bei internen Workshops zu kommunizieren.

  • 32,8 Prozent

    Etwas mehr als ein Drittel der Befragten kümmert sich um die Förderung von Akzeptanz und Toleranz von sexueller Orientierung und Identität der Mitarbeiter.

Diese Erfahrung hat auch Arkadi Jampolski vom Airbnb-Konkurrenten Wunderflats gemacht. Der Gründer absolvierte einen Workshop über Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut. „Im Alltag müssen wir oft sehr schnell Entscheidungen treffen, da bleibt keine Zeit, jedes Mal erst den kompletten Design-Thinking-Prozess zu durchlaufen.“

Um den unternehmerischen Alltag zu bewältigen, ist die Methode also kaum geeignet. Für Unternehmen in der Selbstfindungskrise oder solche, die ein neues Produkt auf den Markt bringen wollen, dagegen schon. Denn beim Design Thinking steht die Zeit für grundlegende Gedanken im Fokus.

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