Management: Was Kampfkunst über das Führen lehrt

Management: Was Kampfkunst über das Führen lehrt

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Mit Kampfkunst zur besseren Führungskraft werden.

von Nora Jakob und Kerstin Dämon

Kampfkunst und die Führung eines Unternehmens liegen gar nicht so weit auseinander: Es kommt vor allem auf die Selbststärke der Führenden an.

Geduld, Selbstkontrolle, Entschlossenheit: Eigenschaften, die Führungskräfte auszeichnen sollten, über die viele aber nicht verfügen.
„Viele Führungskräfte erfüllen ihre Aufgaben nicht in dem Maße, wie es für moderne Führung notwendig ist. Sie wissen schlichtweg häufig nicht, wie sie vorgehen sollen“, sagt Reiner Schon. Er ist Trainer und Coach und übt in seiner Freizeit die Kampfkunst Hapkido aus.

Geschäftsführer oder Manager sollten sich zunächst einmal darauf konzentrieren, was Führung ausmacht und wie sie funktioniert. Mit dem richtigen Vorgehen kann eine Führungskraft auch in kniffligen Situationen angemessen reagieren. Das bedeutet zum Beispiel, den Fehler eines Mitarbeiters nicht hervorzuheben oder sogar an den Pranger zu stellen, sondern viel mehr jede Konzentration auf die Fehlerbehebung und die Vermeidung desselben in der Zukunft zu lenken.

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Mentale Stärke trainieren

Obwohl es mittlerweile viele Sportarten gibt, die eine Mischung aus Kampfkunst und Kampfsport sind, gibt es doch eine klare Unterscheidung: Bei der Kampfkunst steht nicht der sportliche Vergleich im Mittelpunkt. Es geht nicht darum, zu gewinnen und einen Gegner zu besiegen. In der fernöstlichen Kunst liegt der Schwerpunkt auf der mentalen Stärke, weniger auf der körperlichen Kraft.

Wichtiger ist es vielmehr, die Regeln zu beachten – und über deren richtige Anwendung den Gegner zu besiegen oder auch den Kampf zu beenden. Führungskräfte sollen versuchen, mit Leichtigkeit ans Ziel zu kommen, im Einklang mit anderen – und sich selbst. Manchmal ist das eigene Ich der größte Gegner.

Managertypen Der Firmen-Patriarch hat ausgedient

Hohe Ansprüche an sich selbst und „Heroismus“: Manager stehen sich oft im Weg. Dafür vernachlässigen sie andere. Dabei ist es so einfach: Wer entscheidet, sollte das kooperativ tun – davon profitieren am Ende alle.

Viele Manager halten sich selbst für ziemlich genial, vertragen aber keine Kritik. Zusammenarbeit ist für sie ein Fremdwort. Quelle: Fotolia

Wer führen möchte, braucht deshalb zunächst die Kontrolle und den Respekt für sich selbst und für andere. Führungskräfte treffen wichtige Entscheidungen und brauchen dafür einen klaren Kopf. Sich gerade diesen zu bewahren – zwischen den vielen anderen Aufgaben, die erledigt werden müssen – kann schwierig sein.

Führungskräfte sind moderne Krieger

„Über die Kampfkunst können Strategien entwickelt werden, um Kommunikation oder auch Mitarbeiterführung neu zu erlernen und sich so mit Hilfe von Mut, Entschlossenheit und Disziplin durchzusetzen, aber gleichzeitig durch Kooperation und Empathie das gemeinsame Ziel zu erreichen“, sagt Jerome Gravenstein.

Er ist Experte für Prävention, Deeskalation und Kampfkunstlehrer. In seinen Workshops versucht er durch körperliche Schulung, durch Kampfkunst und dem Nicht-Kampf-Prinzip die Persönlichkeit zu stärken. „Selbststärke ist das Handwerkszeug, das für eine nichtzerstörerische, produktive Lösung von Konflikten notwendig ist“, sagt er.

Was Manager von Kapitänen lernen können

  • Haben Sie Selbstvertrauen

    „Nach einer Woche auf hoher See, mit salzverkrusteter Haut und dem Ziel noch immer außerhalb der Sichtweite, beginnt man sich zu fragen: Warum mache ich das Ganze eigentlich? Ist es wirklich so wichtig, die Regatta zu gewinnen?“, schreibt Rick Bomer über seine Teilnahme an der Atlantic Rally for Cruisers quer über den Atlantik.
    Um eine solche Rally – oder den Wettbewerb als Unternehmen – zu gewinnen, müsse man sich auf seine eigenen Stärken und Werte rückbesinnen, rät der Manager und leidenschaftliche Segler. Er sagt: Ohne Mut geht es nicht.

    Quelle: Rick Bomer, Führung auf hoher See

  • Seien Sie vorausschauend

    Auf hoher See hat man nicht immer die volle Kontrolle über die Umwelt und nicht immer lässt sich das Ziel so erreichen, wie ursprünglich geplant: Liegt ein starker Sturm voraus, kann die Crew Kurs halten und ihn durchqueren, oder ihm aus dem Weg gehen und dafür einen Umweg in Kauf nehmen. Der Job des Kapitäns ist es, minütlich neu abzuwägen, welches der richtige Weg ist. Er muss die Balance zwischen der sichersten und der kürzesten Strecke finden – durch vorausschauendes Denken und Reagieren. Nicht mittels: Gestern haben wir es soundso gemacht.

  • Jeder darf das Ruder übernehmen

    Um ein Boot in voller Geschwindigkeit zu halten, muss es von einem ausgeruhten Team gesteuert werden. Das bedeutet, dass jeder einmal ans Steuer darf beziehungsweise muss, damit ein anderer ausruhen kann. Der Kapitän muss deshalb auch bereit sein, andere ans Ruder zu lassen. Helden, die mehr tun als sie tun sollten und übermüdet sind, gefährden letztlich die komplette Crew.

  • Kommunizieren Sie eindeutig

    Wenn jeder mal ans Steuer muss, ist eine klare Kommunikation unerlässlich. Nur so bleibt das Boot auf Kurs und nur so lässt sich eine gemeinsame Strategie konsequent verfolgen. Wer das Steuerrad übernimmt, will alles über die Wind- und Seegang, den Kurs und andere wesentliche Dinge wissen. Die Übergabe sollte daher so effektiv und effizient wie möglich ablaufen: Sagen Sie was wichtig ist. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

  • Energie nutzen

    Stress lässt sich nicht immer vermeiden – schon gar nicht auf hoher See bei rauem Wellengang. Ob es sich nun um echtes oder metaphorisches Wasser handelt: Anstatt sich dem Stress einfach zu ergeben, sollten Sie überlegen, wie sich die Extraportion Energie nutzen lässt, die er freisetzt. Und vor allem: widmen Sie sich den Stressursachen, statt seinen Auswirkungen.

  • Bestehen Sie auf Disziplin

    Ohne Disziplin der gesamten Crew gewinnen Sie weder eine Segelregatta noch den Preis als bestes Unternehmen. „Um etwa das Großsegel einzuholen, müssen mehrere Menschen eine Reihe gut einstudierter Schritte durchführen, von denen keiner entbehrlich ist“, schreibt Bomer. Wenn Kapitän oder Crew einen Schritt überspringen wollen, klappt es nicht.

Führungskräfte seien „moderne Krieger“, sagt Gravenstein. Schon der chinesische Militärstratege Sūnzǐ setzte darauf, dass tatsächliche Auseinandersetzungen wie Krieg und Kämpfe möglich vermieden werden sollten, da die Folgen oftmals nicht abzusehen sind. Dem seien gewaltlose Strategien vorzuziehen.

So heißt es in seinem Buch Die Kunst des Krieges: „Die größte Leistung besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne einen Kampf zu brechen.“ Und weiter: „Wenn du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten.“

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