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Management: Wie eine Strategie zur Wirklichkeit wird

von Uta von Boyen

Die Entwicklung einer Strategie gilt als Kern des Managements und als Fundament unternehmerischen Erfolgs. Doch die eigentliche Königsdisziplin ist die Verwirklichung einer Strategie. Was einen Strategieverwirklicher auszeichnet, erklärt Uta von Boyen.

Der Ehrgeizige: Matthias Müller

Schon nach wenigen Monaten an der Spitze des exklusiven Sportwagenbauers Porsche überraschte Vorstandschef Matthias Müller mit einem mutigen Vorstoß: Die kleine, aber feine Sportwagentochter von Volkswagen solle bis 2018 ihren Absatz auf rund 200.000 Autos verdoppeln, gab er als Ziel vor.

Unrealistische Annahmen? Schließlich hatte Volkswagens Konzernchef Martin Winterkorn zuvor nur davon gesprochen, dass Porsche für 150.000 Autos im Jahr gut sei.

Inzwischen ist der gebürtige Bayer Müller aber auf dem besten Weg, seine hohen Ziele zu erreichen. Dies belegen die jüngsten Halbjahreszahlen: Mit dem Rekordwert von 68.940 Autos haben die Zuffenhausener gut ein Fünftel mehr verkauft als im Vorjahreshalbjahr und den Umsatz um 30 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro erhöht.

Bild: dapd

Der Wettbewerb wird immer dynamischer. Und als Folge davon werden die strategischen Anforderungen an Unternehmen komplexer. Auch wenn viele Akteure zum Beispiel in der IT- oder Versicherungsbranche noch nicht realisiert haben, dass die Jahre des beinahe garantierten Wachstums vorbei sind: Viele Unternehmen bewegen sich in reifen, sehr umkämpften Märkten. Daher müssen sie ihre Geschäftsmodelle von Grund auf hinterfragen und an die neuen Anforderungen anpassen, wenn sie langfristig ihre Existenz sichern wollen. So sehr sich die Strategien je nach Kontext und Branche unterscheiden können, ist ihnen eines gemeinsam: Sie müssen immer schneller und klarer vom gesamten Management entschlüsselt werden.

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Uta von Boyen Quelle: PR
Uta von Boyen ist Gründerin und Geschäftsführerin der Unternehmens- und Personalberatung von Boyen Consulting. Quelle: PR

In einer besonderen Lage steckt die Solarbranche. Die betreffenden Unternehmen sind nach jahrelangen staatlichen Subventionen im Grunde erstmals „realen“ Wettbewerbsbedingungen ausgesetzt – von den Folgen lesen wir derzeit täglich in den Zeitungen. Weniger bekannt ist, dass sich auch viele Krankenhäuser in einer ähnlichen Situation befinden: Staatliche Regulierungen wurden über die Jahre stark zurückgenommen, und private Träger dominieren nun den Markt. Auch hier sind viele Akteure zum ersten Mal gezwungen, sich mit den Dynamiken des Wettbewerbs auseinanderzusetzen und Strategien für ihre Organisationen entwickeln und umsetzen zu lernen. Gleichzeitig müssen diese einem ganz eigenen - ärztlichen - Führungsethos genügen.

Die Beispiele zeigen: Strategische Konzepte gewinnen dramatisch an Bedeutung, wo sich die Bedingungen am Markt verschärfen  – doch wer entwickelt diese und wer setzt sie in den Unternehmen um? Typischerweise – besonders im Mittelstand – befassen sich nur die Spitzenentscheider mit Strategieverwirklichung, während die restliche Führungsmannschaft womöglich noch Widerstand gegen alle Veränderungsszenarien leistet.

Ganzes Management einbeziehen

Gerade in umkämpften Märkten ist es langfristig wenig aussichtsreich, Geschäftsfelder aus Prinzip und Tradition aufrechtzuerhalten. Das Know-How und die Marktkenntnis der Führungskräfte sind notwendig, um herauszufinden, ob die Stärken der Vergangenheit auch die Stärken der Zukunft sein werden. Und wenn dann eine neue Strategie festgelegt wurde, ist es entscheidend, sie auf die Organisationsstrukturen und auf die Geschäftsprozesse herunter zu brechen – bis hin zur Zielvereinbarung mit dem einzelnen Mitarbeiter. Solche umfassenden Vorhaben sind aber nur unter Einbezug des gesamten Managements umzusetzen.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 30.08.2012, 11:58 Uhrghaffari

    Herzlichen Dank für den guten Beitrag, in dem Sie auf die Bedeutung der Strategieumsetzung hinweisen. Bitte erlauben Sie eine Ergänzung: Meines Erachtens beginnt die Fehlentwicklung in aller Regel bereits bei der Strategie-*Entwicklung*. Die weit verbreitete Meinung ist, dass für die Entwicklung zumindest alle Spitzenentscheider eingebunden werden sollten, wenn nicht sogar die erweiterte Führung. Dadurch ist lediglich sichergestellt, dass die Strategie nur wenig taugen wird! Angenommen die Firma ist auf zwei Gebieten A + B tätig und die beiden Geschäftsführer haben sich diese beiden Gebiete aufgeteilt. Auch wenn es logische Sachzwänge gäbe, sich von B zu trennen, wie wahrscheinlich ist es, dass die beiden sich darauf verständigen werden? Das Ergebnis von vielen Strategiesitzungen sind somit weichgespülte Kompromisslösungen. Das kann auch von der besten Umsetzung nicht mehr geheilt werden. Meines Erachtens ist die Strategieentwicklung ein äußerst anspruchsvoller kontinuierlicher Prozess, der als Vollzeittätigkeit *von einer einzigen Person* ausgeübt werden sollte. Diese Person kann ein Gesellschafter oder ein Geschäftsführer sein. Mit freundlichem Gruß gbcc, K. Ghaffari

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