Managementgehälter: Wer hat gepetzt?

KommentarManagementgehälter: Wer hat gepetzt?

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In einem Brief mit der Aufforderung Gehälter-Deckelungen in Vorstandsverträge einzubinden, wurde nur Simone Bagel-Trah, die einzige Frau unter den Aufsichtsratsvorsitzenden der Dax30-Konzerne namentlich angesprochen.

von Claudia Tödtmann

Der freundlichen Bitte der Kodex-Kollegen, die Vorstandsgehälter auf ihrem All-time-high zu kappen, sollte man nachkommen.

Zwei Top-Manager aus der Kommission für gute Unternehmensführung preschen voran und geben – ja was eigentlich? – die Moralapostel? Die Spielverderber? Die Saubermänner der Nation? Sie forderten jedenfalls in einem „vertraulichen“ Brief die Aufsichtsratsvorsitzenden der Dax30-Konzerne wie Gerhard Cromme, Simone Bagel-Trah oder Manfred Schneider auf, in die Vorstandverträge ihrer Unternehmen für die Gehälter Deckelungen hineinzufügen. Der Brief war derart „vertrauensvoll“, dass er auch gleich bei der Düsseldorfer Wirtschaftstageszeitung „Handelsblatt“ landete und diese sich länglich mit dem Thema befasste. Der Brief war in der Zeitung abgedruckt, doch wer ihn fröhlich weiterreichte an die Presse, darüber lässt sich nur spekulieren. Dass einzig Frau Bagel-Trah in der Anrede namhaft gemacht wird, entspricht nur dem Comment: Schließlich ist sie die einzige Dame unter den 30 Chef-Kontrolleuren.

Eigene Obergrenze

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Die Rede ist nun in dem Brief von der „Sorge“, die die beiden Unterzeichner erfüllt, dass es zu neuen Regelungen im Kodex oder schlimmer noch zu einem Gesetz kommen könnte. Und dass sie deshalb anregten, doch lieber selbst Obergrenzen einzuziehen – ehe „Politiker schon aus populistischem Impuls an Gesetze denken, die im Zweifelsfall die mehrheitliche Unterstützung der Medien finden würden.“

Käme der Brief aus den eigenen Reihen der Dax-Vorstände, hätte er vielleicht mehr Glaubwürdigkeit. So kommt er im Falle Gentz von einem Ex-Vorstand, der sich zuletzt ebenfalls mit Sorgen hervortat. Konkret befürchtete er nämlich schon vor einem Jahr – bei einer jahrzehntelangen Männerquote von mindestens rund 95 Prozent in den Dax-Vorständen, dass die armen Herren jetzt plötzlich zurückgesetzt werden - wenn nach und nach auch ein paar Frauen am Vorstandstisch Platz nehmen.  Nebenbei bemerkt sind ja selbst innerhalb des vergangenen Jahres trotz allem Geschrei um die Frauenquote kaum welche dazugekommen.

Der andere der beiden Helden ist ausgerechnet Aufsichtsratschef in der Bank, die durch ihre besondere Geschichte ihren Top-Leuten gar nicht zahlen darf, was sie will – sondern ohnehin schon gedeckelt ist.

Er kann also innerhalb seines eigenen Unternehmens keinen Top-Mann weiter frustrieren, sondern im Gegenteil, ihm zu einer gewissen Schadenfreude verhelfen.

Und wie das Ansinnen der beiden Schreiber praktisch aussehen sollte, würde einen ja auch mal interessieren. Handfestes gibt der Brief leider nicht her. Und dann wird´s auch juristisch schwierig: Denn welcher Manager lässt sich während seiner Vertragslaufzeit so einfach freiwillig sein Gehalt kürzen?

Für den künftigen Deutsche-Bank-Vorstandschef Anshu Jain beispielsweise wird es bitter genug, wenn er nach seiner Beförderung bald nicht mehr wie 2011 zuletzt 9,8 Millionen Euro im Jahr bekommt – sondern weniger. Der Grund: Er soll nicht mehr erhalten als sein künftiger Co-Chef Jürgen Fitschen, der zuletzt 4,2 Millionen Euro bekam. Also wird der eine gekürzt, der andere gepusht – auf alle Fälle soll es am Ende weniger werden als die 9,4 Millionen Euro, die deren Vorgänger Josef Ackermann bekam.

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Oder war es einfach der Zeitpunkt, der Müller und Gentz nun zur Feder treibt? Denn, dass die rasante Entwicklung der Spitzengehälter im krassen Gegensatz zum Schicksal der Mitarbeiter steht, ist lange bekannt. Zuletzt wurde vorgerechnet, dass Daimler-Chef Dieter Zetsche in zwei Tagen das verdient, was sein Facharbeiter im Jahr bekommt – ohne täglich seit über zehn Jahren das Damokles-Schwert der nächsten Kündigungswelle über sich und entsprechende Sorgen um die Existenz seiner Familie aushalten zu müssen.

Besser ist es allemal, diese Auswüchse zu stoppen, schon des lieben Betriebsfriedens willen.

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