Managementnachwuchs: Das ist die Elite von Morgen

Managementnachwuchs: Das ist die Elite von Morgen

von Konrad Fischer, Martin Seiwert, Philipp Mattheis und Kristin Schmidt

Wie die Wirtschaft 2030 aussieht, hängt vielleicht vom Ölpreis ab, vielleicht vom technischen Fortschritt. Ganz sicher aber von den Führungskräften, die dann Weltkonzerne lenken. Doch wie ticken die Top-Talente der Zukunft?

Viola Deng ist erst 28 Jahre alt, aber ihr Lebenslauf füllt Seiten. Mit 16 zog sie zu Hause aus, studierte, arbeitete für Siemens. Mit Anfang 20 gründete sie einen Internet-Versandhandel, beschäftigte bald zehn Mitarbeiter. Heute macht sie einen Master of Business Administration (MBA) an der China Europe International Business School in Shanghai. Wer hier studiert, der hat den Karriereeinstieg bei den großen Banken und Unternehmen des Landes fast sicher.

Deutschlands beste Universitäten 2014

  • Platz 10

    Technische Universität Kaiserslautern
    Sie wurde 1970 von der rheinland-pfälzischen Landesregierung gegründet und erhielt eine naturwissenschaftlich-technische Ausrichtung, die sich bis heute bemerkbar macht. Im Fach Maschinenbau schaffte es die TU Kaiserslautern beim diesjährigen Hochschulranking aufs Treppchen. Im Bereich Elektrotechnik wurde sie Fünfte. Die Wirtschaftsingenieure sicherten sich den siebten, die Informatiker den achten Rang.

  • Platz 09

    Technische Universität Berlin
    Die 1879 gegründete TU Berlin schafft es gleich in fünf Fächern unter die ersten Zehn: Platz zwei in den Naturwissenschaften, Rang vier im Wirtschaftsingenieurwesen, Platz fünf in der Informatik. Sechster wurde die TU Berlin in der Elektrotechnik, siebter im Maschinenbau. Insgesamt konnte sich der Hochschulstandort in diesem Jahr deutlich verbessern und in zahlreichen Kategorien aufsteigen.

  • Platz 08

    Universität zu Köln
    Ihre Vorgänger-Uni wurde 1388 als vierte Universität im deutsch-römischen Kaiserreich gegründet. 1798 wurde sie unter napoleonischer Besetzung geschlossen. 1919 wurde sie neu gegründet. Auch 625 Jahre nach ihrer ursprünglichen Gründung ist die Hochschule noch auf dem neusten Stand, wie das Uni-Ranking zeigt. Die Volkswirte der Universität zu Köln schaffen es auf den zweiten Platz. Im Fach BWL reicht es diesmal für den dritten Rang. Unter die ersten Fünf gelangt sie außerdem bei dem Wirtschaftsinformatikern.

  • Platz 07

    Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU München)
    Doch die bayrische Hauptstadt beherbergt noch eine weitere Spitzenuniversität – die LMU München. Schon Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Gustav Heinemann studierten hier. Die 1472 gegründete Hochschule zählt zu den renommiertesten Universitäten Deutschlands. Im internationalen Times-Higher-Education-Ranking wurde sie aktuell als beste deutsche Universität ausgezeichnet. Und auch die deutschen Personaler kann sie von sich überzeugen, vor allem in den Wirtschaftswissenschaften. Rang zwei erreicht sie im Fach BWL, in der Volkswirtschaftslehre reicht es für den dritten Rang. Die Bronzemedaille sicherte sich die LMU außerdem in den Naturwissenschaften.

  • Platz 06

    Technische Universität München
    Bereits 1868 gegründet, kann die TU München auf eine fast 150-jährige Geschichte zurückblicken, die von reichlich Erfolgen geprägt ist. So wurden zum Beispiel schon 13 Alumni und Professoren der Universität mit einen Nobelpreis ausgezeichnet. Auch im diesjährigen Hochschul-Ranking der WirtschaftsWoche kann die TU überzeugen. In der Wirtschaftsinformatik belegt sie hinter Darmstadt den zweiten Rang. Platz drei geht an die Informatiker der TU München. Auch im Maschinenbau (5. Platz), in der Elektrotechnik (4. Platz) und den Naturwissenschaften (5. Platz) punktete die bayrische Hochschule.

  • Platz 05

    Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
    Die Bankenstadt Frankfurt am Main bleibt auch im Uni-Ranking 2014 ihrem Image treu und punktet vor allem in den Wirtschaftswissenschaften: Sie siegt in der Volkswirtschaftslehre und schafft es im Fach BWL immerhin auf den fünften Rang. Genauso wie bei den Naturwissenschaften.

  • Platz 04

    Technische Universität Darmstadt
    Hoheitlich ist ebenfalls der Sitz des TU Darmstadt. Wie in Mannheim, beherbergt auch in Darmstadt ein Residenzschloss die Hochschule. Ihr universitärer Status ist allerdings nochmal 30 Jahre jünger als der Mannheimer. Seit 1877 ist sie eine Technische Hochschule, zur Universität wurde sie erst 1997. Getreu ihrem Namen liegen ihre Stärken im technischen Bereich: In der Wirtschaftsinformatik konnte die Universität ihren Sieg aus dem Vorjahr verteidigen. Im Maschinenbau, der Elektrotechnik und dem Wirtschaftsingenieurwesen belegt sie jeweils Rang drei. Platz vier wurde es in der Informatik.

  • Platz 03

    Universität Mannheim
    Junge Universität, alter Sitz. Erst 1967 wurde die Mannheimer Handelshochschule zur Universität erhoben. Die im Barockschloss heimische Hochschule gehört damit zu den jüngeren deutschen Unis. Aufgrund ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Ursprünge zeigt sich in diesem Bereich auch die Kompetenz der Universität.
    Im diesjährigen Hochschul-Ranking belegt sie in der Betriebswirtschaftslehre weiterhin den ersten Rang. Im Fach Wirtschaftsinformatik reichte es immerhin für Platz zwei, in der VWL für den vierten Rang. Eine weitere TopTen-Platzierung schaffte sie im Bereich Informatik – Platz sechs.

  • Platz 02

    Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH Aachen)
    Obwohl die RWTH Aachen in gleich drei Disziplinen (Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau) ihren Spitzenplatz ans KIT abgeben muss, gehört sie weiterhin zu den Top-Hochschulen Deutschlands. Das ist auch der Anspruch der RWTH Aachen, die als eine der wenigen deutschen Elite-Unis gilt. Mit ihrem Zukunftskonzept „RWTH 2020“ hat sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahrzehnts eine der weltweit besten „integrierten interdisziplinären technischen Hochschulen“ zu werden. Diese Anstrengungen fördert die Bundesregierung mit ihrer Exzellenz-Initiative. Neben den zweiten Plätzen in Informatik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen, konnten die Aachener in Elektrotechnik und den Naturwissenschaften die Konkurrenz hinter sich lassen.

  • Platz 01

    Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
    Die Uni Karlsruhe war die Informatik-Pionierin unter den deutschen Hochschulen. 1969 etablierte sie als erste deutsche Hochschule einen Informatik-Diplomstudiengang. Drei Jahre später entstand in Karlsruhe die erste deutsche Fakultät für Informatik. Das zahlt sich nun aus. In diesem Jahr kann das KIT sowohl in der Informatik als auch im Maschinenbau und im Wirtschaftsingenieurwesen den ersten Rang für sich beanspruchen. Und ist damit in den technischen Studiengängen der absolute Spitzenreiter, sogar vor dem langjährigen Erstplatzierten, der RWTH Aachen. Ihr muss sich das KIT 2014 nur noch in den Fächern Elektrotechnik und Naturwissenschaften geschlagen geben. Dort erreichten die Karlsruher die Plätze zwei und acht.

Viola hätte das gar nicht mehr nötig, ihr Unternehmen macht schon heute einen Umsatz von deutlich über zehn Millionen Renminbi, gut 1,5 Millionen Euro. Über all diese kleinen Wendepunkte in ihrem jungen Leben sagt sie einen Satz, den wir später vielleicht als programmatisch für eine Generation verstehen werden: „Jedesmal habe ich irgendwann gemerkt: Ich komme nicht weiter. Dann habe ich etwas Neues angefangen.“

Anzeige

Viele Klischees über die Digital Natives sind falsch

Damit Sie sich keine falschen Hoffnungen machen: Wir wissen nicht, wer in 20 Jahren Chef von Huawei, des Weltkonzerns aus Shenzhen, sein wird und was Viola Deng damit zu tun haben wird. Wir wissen auch nicht, wer 2030 die Geschäfte von Goldman Sachs leiten wird. Noch nicht mal, wer dann dem deutschen Arbeitgeberverband vorstehen wird. Aber vielleicht können wir herausfinden, wer es auch hätte werden können. Welches Umfeld diese Menschen geprägt hat, welchem Milieu sie entstammen. Und das verrät uns viel darüber, welche Ziele und Wünsche ihr Handeln bestimmen. Wie die Elite von morgen so tickt.

Was Azubis von ihrer Ausbildung erwarten

  • 21 Prozent

    Laut der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2015“ wollen sich 21 Prozent der Auszubildenden mit ihrer Lehre beziehungsweise ihrem späteren Job selbst verwirklichen.

  • 22 Prozent

    22 Prozent gehören zu den zweckorientierten Karrieristen, die den Beruf lernen, mit dem sich am schnellsten das meiste Geld verdienen lässt und wo es am schnellsten die Karriereleiter hinauf geht.

  • 57 Prozent

    Die Mehrheit sucht Spaß sowie Erfüllung im Beruf und möchten bei der Arbeit ihre Wertvorstellungen umsetzen.

Den Ausgangspunkt bildet das „Global Perspectives Barometer“, das die Marktforscher vom GfK Verein, dem wissenschaftlichen Arm der GfK, einmal im Jahr mit dem St. Gallen Symposium herausgeben. Jeweils im Mai treffen sich dort 200 ausgewählte Studenten aus den besten Universitäten der Welt. Mit Politikern und Wirtschaftslenkern der Gegenwart diskutieren sie ein paar Tage die großen Fragen der Welt. „Wir können hier einzigartige Einblicke in die Gedankenwelt des internationalen Führungskräftenachwuchses gewinnen“, sagt Andreas Neus, Studienleiter aufseiten der GfK. „Das ist extrem spannend, da sich viele Vorurteile über Digital Natives nicht bestätigen.“

Chef muss sein

Da wäre zum Beispiel das Missverständnis über die Hierarchieskepsis der Generation Y, also der nach 1980 Geborenen: Obwohl die Führungskräfte von morgen durchaus Wert darauf legen, im Team nach ihrer Meinung gefragt zu werden, halten die meisten einen Projektverantwortlichen, der die Entscheidung trifft, für unersetzlich.

„Es stimmt einfach nicht, dass Digital Natives immer alles gleichberechtigt entscheiden wollen“, sagt Neus. 58 Prozent der Befragten erwarten von ihren späteren Mitarbeitern zwar, dass sie Vorschläge einbringen – umgesetzt werden sollten diese aber erst, wenn der Chef zugestimmt hat. Nur 38 Prozent würden ihren Mitarbeitern so weit vertrauen, dass die von selbst aktiv werden könnten und lediglich an sie berichten müssten.

Generation Y Von wegen superflexibel

Die Berufseinsteiger unter 30 Jahren verändern die Arbeitswelt, heißt es. Studien zeigen aber: Das ist alles Quatsch. Die Jungen unterscheiden sich kaum von den Älteren.

Illustration Generation Y Bewerbungwiwode2008 Quelle: Fotolia

Andrea Funk kennt schon heute nur einen Vorgesetzten: sich selbst. „Ich genieße es, dass ich meine Arbeit immer genau dann erledigen kann, wenn es mir selbst am besten passt“, sagt Funk. Die 28-jährige Oberbayrin ist in Sachen Karriere eine Spätstarterin. Nach der Schule begann sie zunächst ein Sinologie-Studium in Würzburg, wollte sich dann aber doch auf Managementthemen spezialisieren. Da das in Deutschland nicht möglich war, wechselte sie an die Universität Sussex in Südengland. Dort wurde auch ihr Gründergeist geweckt. „Das internationale Umfeld hat mich unglaublich stimuliert, mir die Selbstverständlichkeit gegeben, dass alles möglich ist“, sagt Funk. Gleich nach ihrer Rückkehr gründete sie ihr eigenes Unternehmen, neben der Promotion lässt sie nun von einer hessischen Kelterei nach ihrem Rezept den „Cider“ herstellen, den sie selbst in England so gerne trank. Unter der erdachten Marke „Decider“ verschickt sie ihn seitdem in Deutschland, derzeit sucht sie nach Vertriebspartnern in anderen Ländern, China könnte als Nächstes folgen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%