Diesel-Krise: Manager für die Autobauer sind schwer zu finden

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Manager in der Diesel-Krise: "Kaum jemand dürfte eine weiße Weste haben"

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Vom Diesel-Skandel gebeutelte Autobauer suchen dringend neue Manager.

von Kerstin Dämon

Abgas-Betrug, Kartellverdacht, immer mehr Auto-Manager geraten ins Visier der Ermittler – schon vor dem Diesel-Gipfel steht fest: Deutschlands Vorzeigeindustrie braucht neue Manager. Das ist die Chance für den Neuanfang.

Am Mittwoch wollen sich Bundesregierung und Autoindustrie zum „Diesel-Gipfel“ treffen, um über die Konsequenzen aus dem Abgasskandal zu sprechen. Eine Konsequenz ist jetzt schon klar: Die Manager an der Spitze der Autohersteller, die in den Skandal involviert sind – also alle außer Opel – sind kaum noch tragbar.

So will die VW-Spitze Audi-Finanzvorstand Axel Strotbek, Audi-Produktionschef Hubert Waltl, Audi-Personalvorstand Thomas Sigi und Audi-Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter absetzen. Konzernchef Matthias Müller habe die vier bereits über ihre bevorstehende Abberufung informiert. Audi-Chef Rupert Stadler soll sein Amt vorerst behalten. „Stadler ist angeblich immer noch sakrosankt, aber ich denke schon, dass es da weitere Eruptionen geben wird. Voggenreiter und seine Vorstandskollegen waren wohl erst der Anfang“, schätzt Richard Fudickar, Partner der Personalberatung Boyden.

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Ein Insider sagte jedoch gegenüber dem Manager Magazin, dass Stadler die Krise ausbade müsse. Wenn ein neuer Vorstandschef geholt werde, müsse man ganz sicher sein können, dass er unbelastet von der Vergangenheit in Ingolstadt starten könne. Und das könne man derzeit nicht. Entsprechend schwierig gestaltet es sich, die Volkswagen-Vorstände mit externen Branchenkennern zu ersetzen. Seien es nun Stadler, Müller, Strotbek, Waltl, Sigi oder Voggenreiter.

PremiumAdBlue-Manipulation Ein Insider packt aus

Ein zusätzlicher Tank für Harnstoff, 45 Liter. Ein Entwickler, der bei einem großen deutschen Autobauer an einem neuen Modell arbeitet, bekommt eine E-Mail, die ihn ratlos zurücklässt.

Eingespritzt in die Abgasleitung, soll die Flüssigkeit mit dem Markennamen AdBlue die Stickoxidemissionen auf das gesetzlich vorgeschriebene Niveau absenken. Quelle: dpa

Da sind sich auch die Headhunter in Deutschland einig. Zwar äußern sich die Branchenprimi prinzipiell nicht zu einzelnen Firmen und Personen. Aber grundsätzliche Einschätzungen geben sie durchaus ab. „Die Branche ist so klein, da wird es schwer, jemanden zu finden“, heißt es beispielsweise bei den Headhuntern von Egon Zehnder. Martin Stemmler, Senior Partner bei der Executive-Search- und Talent-Management-Beratung Korn Ferry, ergänzt: „Die Wahrscheinlichkeit, dass noch weitere Unternehmen in den Diesel-Skandal verstrickt sind, ist leider recht hoch. Zulieferer und Autobauer arbeiten eng vernetzt. Da kann es weitere schwarze Schafe geben, die der Öffentlichkeit heute noch nicht bekannt sind.“

PremiumKartellverdacht Der Absturz einer Ikone

Das Auto war für Deutsche mehr als ein Produkt, es war ein nationales Symbol. Lange nutzten Konzerne diese Liebe aus. Doch Dieselgate und geheime Absprachen haben das Vertrauen demoliert – und vielleicht noch viel mehr.

Absturz einer Ikone: Die Manager von VW, Daimler und Co. haben das Vertrauen der Deutschen in die wichtigste Industrie demoliert. Quelle: Laif

So sich die Kartellvorwürfe bewahrheiten, wird es vermutlich noch schwieriger, innerhalb der gleichen Branche jemanden zu finden, der überhaupt nichts mit Absprachen, Softwaremanipulationen und anderen Skandalen zu tun hat, die vielleicht noch aufgedeckt werden. Dass ein BMW-, Opel- oder Daimler-Manager nun zum VW-Konzern wechselt, kann sich Jens Siegloch, Partner bei der Unternehmensberatung Kienbaum, ohnehin nicht vorstellen. „Eher werden branchenfremde oder ausländische Manager geholt“, so der auf die Automotive-Branche spezialisierte Personalberater. Auch internes Recruiting hält er durchaus für möglich: „Die Konzerne sind so groß, dass sich sicherlich intern jemand finden lässt, der mit dem Abgasskandal nicht in Berührung gekommen ist. Der Skandal stammt ja aus dem Bereich der Verbrennungsmotoren, aber da gibt es ja noch viele weitere Bereiche im Konzern.“

Sehr erfolgreiche Beispiele für branchenfremde Automanager

Stemmler widerspricht hier: „Schon als der Skandal bekannt wurde, wurden Zweifel laut, ob dies bereits der ganze Eisberg ist oder nur die Spitze davon. Die Pessimisten, vielleicht in diesem Fall eher Realisten, haben leider Recht behalten. Das betrifft auch viele mögliche Kandidaten: Bei einem Wechsel wird heute ganz genau geprüft, ob sie in den Diesel-Skandal verstrickt sind.“ Seiner Meinung nach müssten die Konzerne verstärkt bereit sein, auch Manager aus anderen Branchen zu holen. „Da gibt es ja auch sehr erfolgreiche Beispiele, zum Beispiel Opel und Tina Müller“, sagt Stemmler, der sich wie auch Siegloch auf die Automobilindustrie spezialisiert hat. „Das Beispiel Elon Musk zeigt, dass man sehr erfolgreich ein Unternehmen wie Paypal aufbauen kann und danach eine Fahrzeugmarke. Um Konzernchef bei einem Autobauer zu werden, muss man heute weder Maschinenbauer noch Fahrzeugtechniker sein.“

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