Manager unter Erfolgsdruck: Mit anrüchigen Dienstleistungen und Einladungen nachhelfen

Manager unter Erfolgsdruck: Mit anrüchigen Dienstleistungen und Einladungen nachhelfen

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Stefan Heissner, Compliance-Experte und Partner bei EY. (zum Vergrößern bitte anklicken)

von Claudia Tödtmann

Jedes vierte deutsche Unternehmen gibt zu, schon Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden zu sein. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, aber etliche Unternehmen schweigen lieber dazu – aus Imagegründen. Eine weltweite Untersuchung von EY liefert Details.

20 Prozent der deutschen Manager wurden schon aufgefordert, Verträge vor- oder rückzudatieren, 14 Prozent sollten eine karitative Spende leisten und zwei Prozent wurden bereits wegen Schmiergeld angegangen. Diese Zahl ist im internationalen Vergleich sehr niedrig: Von 60 Prozent der ägyptischen, 37 Prozent der indischen und 16 Prozent der russischen Top-Manager wurde schon Schmiergeld gefordert.

Diese Ergebnisse liefert eine Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die über 2700 Vorstandsvorsitzende, Finanzvorstände, Leiter der Revision, der Rechtsabteilung und des Compliance Managements aus insgesamt 59 Ländern befragt hat. 50 davon kommen aus Deutschland.

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Einladungen zu Events oder ins Bordell

Vor allem: Weil die Investoren, Analysten und Anteilseigner so hohe Erwartungen an sie stellen, “brechen Manager in wirtschaftlich schwierigen Zeiten offenbar immer wieder die Regeln”, so die Studie. In Deutschland und weltweit finden es fast ein Drittel der Manager  (28 beziehungsweise 29 Prozent) gerechtfertigt, “Unterhaltsdienstleistungen anzubieten”, wenn sie auf dem Weg Aufträge ergattern.

Im Klartext: Darunter ist alles Mögliche vorstellbar – von Einladungen zu Events wie Fußballspielen bis hin zu Anrüchigem wie Bordellbesuchen.

Barzahlungen sind als Schmiermittel für Aufträge jedoch in Deutschland tabu, antworteten die Manager. In Westeuropa liegt dieser Schnitt immerhin noch bei acht Prozent. Anders sieht es in Griechenland aus, wo 58 Prozent der Manager “Barzahlungen im Notfall gerechtfertigt” finden und in China 46 Prozent.

Womöglich ist vielen Managern immer noch nicht klar, welche Risiken sie mit Korruption damit eingehen: “Etwa die harten Korruptionsgesetze der Vereinigten Staaten und Großbritanniens  auch für die Muttergesellschaften und die Auftraggeber regionaler Vertretungen”, warnt Stefan Heissner, der bei EY die Forensische Wirtschaftsprüfung und die Beratungssparten Compliance Management und Betrugsprävention leitet.

Blenden und Zahlen frisieren

Stimmen die Geschäftszahlen nicht, sind auch vier Prozent der deutschen Manager bereit, sie zu schönen.

In den Schwellenländern liegt diese Zahl laut EY-Untersuchung im Schnitt bei acht Prozent, in Indien sogar bei 24 Prozent.

Zwar sind die deutschen Top-Manager im internationalen Vergleich insgesamt recht unbesorgt über das Thema Korruption: Gerade mal sechs Prozent meinen, dass Betrug und Bestechung in Deutschland ein Problem ist. Noch seltener ist Korruption dagegen nur noch in Dänemark und Finnland. Dort geben nur zwei Prozent der Top-Manager an, dass Bestechung in ihrem Wirtschaftsleben eine Rolle spielt. Im weltweiten Durchschnitt sagen dagegen immerhin 39 Prozent der Manager, dass Bestechung in ihrem Land an der Tagesordnung ist.

Unrühmliche Schlusslichter sind diese drei afrikanischen Länder: In Ägypten halten 100 Prozent, in Nigeria 88 Prozent und in Kenia 87 Prozent der jeweiligen Top-Führungskräfte Korruption für üblich.

Dennoch betont Heißner: „Das Problem der Korruption ist auch in deutschen Unternehmen noch lange nicht vom Tisch“.

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