Managervergütung: Eigentümer rebellieren gegen Gehalts-Exzesse

Managervergütung: Eigentümer rebellieren gegen Gehalts-Exzesse

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Neue Gesetze sollen der exzessiven Vergütung deutscher Topmanager Grenzen setzen.

von Cornelius Welp

Politiker wollen die Vergütung von Topmanagern stärker regulieren. Ist das wirklich notwendig? Investoren lassen Selbstbedienung nicht mehr ohne weiteres zu.

Mit der angeblich wachsenden Ungerechtigkeit in Deutschland hat SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz offenbar ein Thema gefunden, das ankommt. Da ist es nur konsequent, dass er verbal gegen die exzessive Vergütung deutscher Topmanager ins Feld zieht. Neue Gesetze sollen hier Grenzen setzen, etwa, indem variable Gehaltsbestandteile nur noch begrenzt steuerlich abgesetzt werden können. Zwar ist die Vergütung deutscher Vorstände längst nicht so stark gestiegen, wie Schulz‘ Rhetorik nahelegt. Trotzdem sind Missstände offensichtlich.

Die gibt es auch deshalb, weil Unternehmen bisher wenig Widerstand von Seiten ihrer Eigentümer fürchten mussten. Aktionäre nickten die Pläne, die der Aufsichtsrat sich ausgedacht hatte, meist ohne größere Rückfragen ab.

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Das ändert sich nun. Die Deutsche Asset Management als Fondstochter der Deutschen Bank hat im vergangenen Jahr bei 22 von 23 Hauptversammlungen deutscher Gesellschaften die Vergütungspläne abgelehnt, etwa bei Dax-Schwergewichten wie E.ON, SAP und Bayer.

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Quelle: Getty Images, Illustration: Dmitri Broido

Ein regelmäßiges Ärgernis sei etwa, wenn der Bonus ohne Einschränkungen an den Aktienkurs gekoppelt werde, sagt Nick Huber, der bei der Deutschen Asset für die Abstimmungen zuständig ist. „Das kann etwa dazu führen, dass der Vorstand einen Bonus erhält, wenn der Aktienkurs infolge eines Übernahmeangebots steigt, obwohl er dazu nichts beigetragen hat.“

Ein häufiger Grund für die Ablehnung der Vergütungspläne sei auch die intransparente Zusammensetzung der Boni. „Häufig ist nicht nachvollziehbar, welche konkreten Ziele die Vorstände erreichen müssen und welche Bedeutung sie für das Unternehmen haben“, sagt Huber.

Die Deka, die Fondsgesellschaft der Sparkassen, hat ihre Vorgaben für die Vergütung der Vorstände jüngst verschärft. Sie fordert nun etwa, dass die Boni sich an langfristigen Zielen orientieren, eine Höchstgrenze definiert ist und negative Entwicklungen den Bonus schmälern. Für diese und andere Ziele streiten die Fondsmanager seit neusten auch auch öffentlich etwa auf Hauptversammlungen. Das wäre früher undenkbar gewesen. „Intern hat sich die Sichtweise durchgesetzt, dass es für die Wertentwicklung unserer Beteiligungen förderlich ist, wenn wir uns aktiv einmischen“, sagt der für Corporate Governance zuständige Deka-Manager Michael Schmidt. „Das stärkt auch unsere eigene Reputation“. Im vergangenen Jahr hat die Deka sich mit den Tagesordnungen von 200 Unternehmen intensiv auseinander gesetzt. In diesem Jahr sollen es doppelt so viel sein. Die Folge ist, dass die Deka Beschlussvorschläge und auch Vergütungspläne laut Schmidt heute häufiger ablehnt als früher.

Nach den Boni geraten, ausgelöst durch Winterkorns Rente, nun auch die Pensionen der Vorstände ins Blickfeld der Investoren. „Unter Umständen müssen wir unsere Richtlinien in diesem Punkt auch noch schärfen“, sagt Schmidt. Auch die Deutsche Asset kündigt an, sich des Themas anzunehmen.

Wenn Investoren die Vergütungspläne der Unternehmen ablehnen, hat das zwar zunächst keine Konsequenzen. Allerdings können die Aufsichtsräte ihr Votum nicht dauerhaft ignorieren, seit die Institutionellen nun auch vermehrt bereit sind, für ihre Interessen zu kämpfen.

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