Mehr Mut: Warum Chefs Entscheidungen im Team treffen sollten

Mehr Mut: Warum Chefs Entscheidungen im Team treffen sollten

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In der Gruppe sind wir mutiger - von dieser Erkenntnis können auch Unternehmen profitieren.

Sie stehen vor einer Entscheidung und trauen sich nicht so recht? Dann sollten Sie einen zweiten Mann ins Boot holen, der Ihnen die Richtung weist, in die Sie ohnehin gehen wollen. Im Team sind wir nämlich mutiger.

Wenn wir zu zweit sind, gehen wir eher die dunkle Abkürzung durch den Stadtwald, als alleine. Und wenn der Freundeskreis abends beim Italiener doch noch ein Stündchen länger bleiben möchte, als wir eigentlich geplant haben, bleiben wir auch noch sitzen. In der Gruppe entscheiden wir nämlich anders, als alleine. Wie sich Gesellschaft auf unsere Entscheidungsfindung auswirkt, haben Forscher von der amerikanischen Temple University herausgefunden. Die Psychologen Margo Gardner und Laurence Steinberg haben rund 300 Menschen in drei Altersgruppen eingeteilt: 13- bis 16-Jährige, 18- bis 22-Jährige und Menschen ab 24 Jahren aufwärts.

Die Teilnehmer spielten ein Autorennen am Computer, bei dem sie immer möglichst knapp vor einem Hindernis bremsen sollten. Bei der Auswertung stellten die Forscher fest, dass die Spieler deutlich vorsichtiger fuhren und früher bremsten, wenn sie alleine waren. Vor den Augen anderer Teilnehmer riskierte so mancher zuvor besonnene Fahrer den ein oder anderen Crash. Und je jünger die Teilnehmer, desto stärker war der Effekt. Fazit: In der Gruppe riskieren wir mehr - was sich abgesehen vom Straßenverkehr durchaus auszahlen kann.

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Große Gruppen machen untätig

Allerdings darf die Gruppe nicht zu viele Menschen umfassen, sonst traut sich keiner mehr etwas. Diese Theorie konnten beispielsweise die Sozialpsychologen Bibb Latané und John Darley belegen: Nachdem 1964 die Amerikanerin Kitty Genovese in New York ermordet wurde, was 38 Menschen bemerkten und beobachteten, überprüften sie in einem Experiment den Zusammenhang zwischen der Zahl der Zeugen und deren Untätigkeit. Sie ließen Studenten anderen Studenten via Sprechanlage zuhören, wie diese über ihren Unialltag berichteten. Einigen wurde mitgeteilt, dass niemand außer ihnen diese Gespräche belausche, andere dachten, sie seien einer unter fünf Zuhörern. Dann täuschten die Sprecher mitten in ihren Erzählungen Erstickungsanfälle vor. Von denjenigen, die glaubten, alleinige Zuhörer zu sein, rannten 85 Prozent los, um dem vermeintlichen Notfallpatienten zu helfen. Bei denen, die sich in einer Gruppe aus Zuhörern wähnten, kam nur jeder Dritte zu Hilfe. Dieser Effekt wird auch Zuschauereffekt oder Bystander-Effekt genannt. Darunter versteht man das Phänomen, dass Zeugen im Notfall keine Hilfe leisten, wenn weitere Zuschauer dabei sind.

Nun geht es in den Führungsriegen von Unternehmen nicht um Erste-Hilfe-Maßnahmen, wie in besagtem Experiment. Allerdings sind die Gründe, warum die große Gruppe unser Handeln lähmt, auch für Führungskräfte interessant:

Beim Bystander-Effekt helfen wir nicht, weil

- wir befürchten, eine Situation als bedrohlicher einzuschätzen, als sie ist und uns zu blamieren, wenn wir eingreifen
- wir nicht eingreifen (müssen), wenn die anderen auch nichts tun
- wir darauf warten, dass jemand anderes etwas tut


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Wer sich also mit zehn Menschen darüber einigen muss, ob Entlassungen oder Gehaltskürzungen notwendig sind, wird vermutlich zu keinem Ergebnis kommen. Anders dagegen derjenige, der sich mit einer kleineren Gruppe berät. Ist unser Gegenüber unser Freund, reicht schon eine Person, damit wir mutigere Entscheidungen treffen. Denen wollen wir nämlich deutlich eher beweisen, was in uns steckt, als Fremden. Managerfreundschaften innerhalb eines Unternehmens können den Betrieb also indirekt weiterbringen.

Sind die Mitglieder der Entscheider-Duos dann noch Single, sind sie sogar noch eher bereit, Entscheidungen mit großer Tragweite zu treffen. Die Unternehmen alleinstehender Manager sind nachweisbar "kleiner, jünger und wachsen schneller", so das Ergebnis der Studie "Marriage and Managers’ Attitudes to Risk" von Nikolai Roussanov von der Universität Pennsylvania. Er sagt: "Ob wir verheiratet sind oder nicht, beeinflusst unsere persönlichen Entscheidungen."

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