Michael Hatscher: "Nichtraucher sind im Vorteil"

InterviewMichael Hatscher: "Nichtraucher sind im Vorteil"

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Michael Hatscher sieht einen Vorteil darin, als Wirtschaftsstraftäter inhaftiert zu sein

von Thomas Stölzel

Gewaltandrohung, ein Euro Stundenlohn, mieses Essen: was der Mitgründer des Raubkopierportals Kino.to während seiner Haft im Gefängnis erlebt hat.

WirtschaftsWoche: Herr Hatscher, in wenigen Tagen tritt Uli Hoeneß seine Haftstrafe an. Wovor sollte er sich am meisten in Acht nehmen?

Michael Hatscher: Er sollte nicht gleich Kontakt zu den Mitgefangenen suchen, erst einmal vorsichtig sein und Distanz wahren. So kann er schauen, wer im Gefängnis als Kumpel taugt und wer nicht. Wichtig ist, sich nichts von anderen Gefangenen zu borgen. Wer Schulden macht, muss die meist zu einem wesentlich höheren Preis zurückzahlen.

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Sie haben 21 Monate in der Justizvollzugsanstalt Zwickau gesessen. Wie waren für Sie die ersten Tage?

Als Neuer steht man erst mal zehn Tage unter Beobachtung des Personals. Sie wollen herausfinden, ob man gewalttätig oder selbstmordgefährdet ist. Als ich in U-Haft kam, war das schwer für mich zu verkraften. Ich war wie benommen, regelrecht vor den Kopf gestoßen. Wenn man unvorbereitet ankommt, ist Gefängnis eine Katastrophe.

Wie erlebten Sie die Haftbedingungen?

In Zwickau gab es fast nur Doppelzellen. Ich hatte als Nichtraucher aber einen riesigen Vorteil: Weil fast alle Häftlinge rauchen, hatte ich oft eine Zelle für mich allein.

Warum?

Das Gefängnis würde nie einen Nichtraucher gegen dessen Willen zu einem Raucher legen – das gilt als Körperverletzung.

So viel Rücksichtnahme gibt es ja nicht mal in der Eckkneipe...

Die deutschen Gefängnisse sind ein gemäßigt zivilisierter Ort. Hart ist, was der eine oder andere dabei empfindet und wie er damit umgehen kann.

Hinter Gittern Betreutes Wohnen

Fischgrätparkett und Flachbildschirm: Häftling Kalli J. über seinen Gefängnisalltag – Innenansichten aus der Zelle.

Einmal pro Woche können sich Gefangene zu Karten- und Brettspielen treffen. Auch an der Knastzeitung "Die Klette" können Häftlinge mitarbeiten

Welchen Job hatten Sie im Gefängnis?

Ich hatte Glück, nach drei Monaten Arbeit zu bekommen. Ich habe Sitze in Modellbaulaster geklebt oder gesteckt. Dafür gab es einen Stundenlohn von 1,06 Euro. Nach 14 Tagen wurde ich Vorarbeiter und habe 20 Cent mehr verdient. Ich war aber froh, dank eines geregelten Tagesablaufs nicht so viel Zeit zum Nachdenken zu haben.

Man hört von Ersatzwährungen im Gefängnis. Gibt es die wirklich?

Die wichtigsten Währungen sind Zigaretten, Kaffee und – was mich anfangs schockiert hat – Tabletten. Die Mithäftlinge ließen sich Schlaf- oder Beruhigungspillen vom Gefängnisarzt verschreiben und handelten damit. Kaffee ist sowohl in löslicher als auch nichtlöslicher Form gefragt.

Wofür saßen Ihre Mitgefangenen?

Rund zwei Drittel saßen wegen Drogendelikten. Meist hatten sie in Tschechien für zehn bis zwölf Euro Crystal Meth gekauft, um es für 80 bis 90 Euro in Sachsen zu verkaufen. 10 bis 15 Prozent waren wegen Körperverletzung verurteilt. Wegen Mordes, Sexualverbrechen, Betrug, oder Wirtschaftskriminalität saßen nur wenige ein.

Wie groß ist die Gefahr, als prominenter Wirtschaftsstraftäter im Gefängnis Opfer solcher Gewalttaten zu werden?

Die Gefahr ist definitiv da. Ich wurde mal in eine andere Zelle gelockt, ein weiterer kam dazu und schwups, war die Tür zu. Das waren zwei Drogentäter, die wollten mich einschüchtern. Das ging gerade noch mal gut.

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