Militärgeschichte: Selbst entscheiden

ThemaManagement

Militärgeschichte: Selbst entscheiden

von Kristin Schmidt

Was hinter dem Prinzip Führen mit Auftrag steckt.

Die Methode Führen mit Auftrag ist seit mehr als 140 Jahren wesentlicher Bestandteil der Führungsphilosophie deutscher Streitkräfte. Um 1870 etablierte sich die sogenannte Auftragstaktik in der preußischen Armee. Neue Waffentechnologien zwangen die Streitkräfte damals zu anderen, neuen Formationen. Mit dem Einsatz des Hinterladergewehrs – Soldaten konnten damit schneller schießen – mussten sich die Einheiten aufteilen und konnten nicht mehr in den gewohnten geschlossenen Formationen antreten. Weil die kleineren zerstreuten Truppen im Gefecht nun ohne konkrete Befehle von ganz oben auskommen mussten, wanderten Verantwortung und Entscheidungsbefugnis in der Hierarchie weiter nach unten.

Was Manager von Offizieren lernen können

  • Grosszügig delegieren

    Geben Sie nur die großen Leitlinien vor und Aufgaben an andere ab. Getreu dem Prinzip Führen mit Auftrag.

  • Exakt strukturieren

    Unterteilen Sie den Weg bis zu einer Entscheidung in deutliche Arbeitsschritte. Diese Struktur gibt Ihnen gerade in Drucksituationen die nötige Sicherheit.

  • Allein entscheiden

    Lassen Sie sich umfassend informieren und beraten, aber nicht reinquatschen. Die Entscheidung treffen müssen Sie oftmals allein – vor allem, wenn es schnell gehen muss oder ein Zielkonflikt besteht.

  • Konsequent verantworten

    Verantwortung ist unteilbar. Treffen Sie also nur Entscheidungen, die Sie verantworten können, und stehen Sie anschließend auch dazu.

  • Ruhig präsentieren

    Haben Sie keine Angst vor hohen Titeln – ob General oder Vorstand.

Seit dieser Zeit bekommen die Verantwortlichen von ihren Vorgesetzten lediglich Aufträge, die ihnen zwar ein klares Ziel vorgeben. Wie dieses erreicht wird, müssen die Soldaten eine Hierarchieebene tiefer aber selbst entscheiden. Der Grund: Sie können die Lage vor Ort und überraschende Wendungen besser einschätzen und in konkretes Handeln ummünzen als ihre Chefs in der Kommandozentrale.

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Je weiter hinten der Soldat in der Befehlskette steht, umso enger wird sein Handlungsspielraum, bis aus einem vorgegeben Ziel ein konkreter Befehl werden kann – vom allgemeinem „Sichern Sie den Deich!“ bis zum alternativlosen „Sandsäcke auf die Grasnarbe stapeln!“.

Mit dem Auftrag beginnt der sogenannte Führungsvorgang. Zunächst muss der Empfänger das Ziel des Auftrags und die Rahmenbedingungen erkennen, die der Vorgesetzte festlegt. Gibt es eine zeitliche Begrenzung? Wie viel Personal steht mir zur Verfügung? Anschließend entwickeln die Soldaten ein sogenanntes Lagebild. Wie sind wir aufgestellt? Welche Möglichkeiten hat der Feind? Welche äußeren Faktoren beeinflussen die Situation?

Aus den Antworten werden Handlungsoptionen entwickelt, gegeneinander abgewogen und der Entschluss gefasst, aus dem sich Auftrag oder Befehl für die nächste Ebene ergibt.

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