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Mitarbeiterführung: Was der Chef nicht weiß

von Kristin Schmidt

Vorgesetze wissen meist nur sehr wenig über die Arbeitsrealität ihrer Mitarbeiter. Und das kann üble Folgen haben, wie eine Studie zeigt.

Einmal pro Jahr steht das Mitarbeitergespräch im Terminkalender des Vorgesetzten. Was sind Ihre Ziele für die nächsten Monate? Fühlen Sie sich im Team gut aufgehoben? Können Sie Ihre Fähigkeiten voll entfalten? Fragen, die der Chef mit seinen Angestellten ernsthaft besprechen sollte. Doch anscheinend läuft in deutschen Unternehmen hierbei einiges schief. Eine aktuelle Studie des IT-Dienstleisters Oracle zeigt, dass knapp die Hälfte der befragten Arbeitnehmer davon überzeugt sind, dass der eigene Chef nichts über ihre Karriereziele wisse.

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Die Umfrage von Oracle und dem Marktforschungsinstitut Innofact unter 1000 Personen zwischen 18 und 65 Jahren bringt noch andere Schwachstellen zum Vorschein. 30 Prozent geben an, ihr Chef wisse nicht, wie lange sie täglich arbeiten. 22 Prozent gehen davon aus, ihr Vorgesetzter habe keine Ahnung welche Leistung sie im Job bringen.

Die Mitarbeiter stellen ihren Chefs ein erschütterndes Zeugnis aus. Vor allem die Schwächen der Angestellten sollen 40 Prozent der Führungskräfte nicht kennen. Die Stärken sind laut Umfrage 23 Prozent der Vorgesetzten unbekannt.

Doch das liegt nicht einfach nur daran, dass die Führungskräfte sich nicht für ihre Mitarbeiter interessieren. Dies hält nur ein Fünftel der Befragten für ausschlagegebend. Als Hauptgrund (46 Prozent) gilt, dass der Chef zu wenige Zeit habe, sich detailliert mit jedem Einzelnen auseinanderzusetzen. 37 Prozent glauben, es liege daran, dass sie selten direkt mit dem Vorgesetzten zusammenarbeiten.

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Weiß der Chef wenig über den Einzelnen, kann das die Wechselbereitschaft der Arbeitnehmer erhöhen, heißt es in der Studie. Denn immerhin 43 Prozent der Befragten wollen derzeit Job wechseln. Die wichtigsten Gründe dafür sind schlechte Bezahlung (63 Prozent), fachliche Unterforderung (42 Prozent) und mangelnde Förderung (34 Prozent). Vor allem die beiden letzten Punkte könnten durch eine engere Bindung zu den Mitarbeitern sowie eine bessere Kenntnis derer Fähigkeiten und Leistungen abgeschwächt werden.       

 

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.09.2012, 09:58 Uhrpriexo

    Meine Erfahrungen sind ähnlich. Bin seit zwei Jahren wieder in Deutschland nach mehreren Jahren in GB.

    Dort hatte ich (mindestens!) einmal im Jahr ein Appraisal. Diese wurden strukturiert geführt und mithilfe vorbereiteter Formulare ausgewertet. Generelle Inhalte der Gespräche waren Arbeitsinhalt, Rückblick aufs vergangene Jahr, erreichte / nicht erreichte Ziele, laufende und zukünftige Projekte, Weiterentwicklung, mögliche Schulungen etc. Generell alles sehr gründlich.

    Hier? In zwei Jahren zwar immer wieder kurze Gespräche, aber definitiv nie ein strukturiertes Personalgespräch. Beim letzten Wechsel meiner Vorgesetzten habe ich selbst die Initiative ergriffen und in einem gemeinsamen Gespräch (das sich eigentlich nur um die von mir gegenwärtig bearbeiteten Projekte drehen sollte) meinen gesamten Lebenslauf ausgebreitet. Immerhin werde ich seither gelegentlich angerufen und um meine Meinung zu anderen Projekten gebeten, zu denen ich aufgrund meines Werdegangs eine Meinung haben könnte.

    Generell fehlt bei uns leider eine strukturelle Herangehensweise an diese Thematik. Hängt auch damit zusammen, dass unternehmensstrategische und administrative Verantwortlichkeiten räumlich und unternehmenskulturell sehr weit voneinander entfernt sind.

  • 12.09.2012, 08:24 UhrDeppvomdienst

    Den Artikel kann ich nur bestätigen – und mit Erlebnissen aus der Praxis noch einen draufsetzen.
    Als Manager in der Industrie hatte ich in den letzten 6 Jahren 4 Chefs. Unsere Konzernpolitik fordert als Minimum ein Personalgespräch pro Jahr. Das durfte ich erleben:

    1x wurde sich für das Gespräch tatsächlich >1 Std. Brutto Zeit genommen. Allerdings benötigte mein Vorgesetzter die meiste Zeit dafür, um nebenbei seine Telefonate, Emails und die Fragen von ständig ins Büro hereinplatzenden Kollegen zu beantworten.
    3x wurde das Gespräch nach wenigen Minuten beendet. Als neuer Vorgesetzter könne mein Chef mich schließlich noch gar nicht ausreichend genug bewerten („Und bezüglich der Jahresziele schauen wir mal später“). Das Besprechungsprotokoll „durfte“ ich nach dem Gespräch dann selbst ausfüllen und der Personalabteilung zur Ablage zuschicken.
    1x wurde das Gespräch (im Zuge der ersten Finanzkrise) ausschließlich dazu verwendet mir mitzuteilen, dass man meinen Lohn, wie bei allen anderen Kollegen auch, um 3% reduzieren müsste
    1x wurde das Gespräch schlicht weg vergessen.

    Interesse für meine Arbeit? Förderung? Abstimmung von Schulungsmaßnahmen? Perspektive?
    Fehlanzeige!
    Flucht scheint auch nicht wirklich zu helfen: entsprechende Fragen bei zahlreichen Bewerbungsgesprächen bei der Konkurrenz lassen nur vermuten, dass es nur in wenigen Unternehmen anders zugeht.

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