Mitarbeitersuche: Unternehmen entdecken den demografischen Wandel

Mitarbeitersuche: Unternehmen entdecken den demografischen Wandel

Während in Deutschland Regionen vergreisen, machen sich Unternehmen keine Sorgen - bis jetzt. So langsam macht sich der demografische Wandel auch bei ihnen bemerkbar. Jetzt geht sie los, die Fachkräftejagd.

So langsam ist Schluss mit lustig: Während es sich manche Unternehmen noch leisten, ganze Bevölkerungsgruppen - Hauptschüler, Ostdeutsche, Frauen, Ausländer - als Bewerber auszuschließen, merken die ersten Betriebe langsam, dass der vielbeschrieene demografische Wandel kein Scherz der Statistiker war. Laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) fehlen bis 2030 in Deutschland rund 6,1 Millionen Arbeitskräfte, weil mehr Menschen in den Ruhestand gehen, als junge Menschen nachkommen.

Ein Drittel der deutschen Unternehmen spürt bereits heute die Auswirkungen, wie eine Demografiestudie der Unternehmensberatung Towers Watson unter 170 deutschen Betrieben belegt. Schon jetzt finden 52 Prozent nicht genug Angestellte. Und immerhin 81 Prozent gehen davon aus, dass es für Umsatz und Gewinne schädlich sein könnte, keine geeigneten Mitarbeiter zu haben. Bei der letzten Demografiestudie im Jahr 2013 sagten nur 70 Prozent der Befragten, dass der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens auch davon abhängt, wie die Fachkräfteproblematik gelöst wird.

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In diesen Berufen dauert es überdurchschnittlich lange, Stellen neu zu besetzen

  • Durchschnitt aller Berufe

    81 Tage.
    Quelle: Bundesagentur für Arbeit

  • Krankenpfleger

    120 Tage

  • Maschinenbauer

    120 Tage

  • Ingenieur Elektrotechnik

    124 Tage

  • Altenpfleger

    129 Tage

  • Ärzte

    167 Tage

Allgemein scheinen die deutschen Unternehmen langsam aufzuwachen: Immerhin 45 Prozent der Unternehmen entwickeln demografiebezogene Maßnahmen oder setzen sie bereits um. Das sind 15 beziehungsweise zwölf Prozentpunkte mehr als 2011 beziehungsweise 2013. Besonders bei klassischen und bereits eingeführten HR-Maßnahmen wie betrieblicher Altersvorsorge, Personalentwicklung, Vergütungs- und Talent-Management ist die große Mehrheit der Unternehmen (jeweils über 60 Prozent) hinsichtlich demografischer Herausforderungen bereits gut aufgestellt.

Als wirkungsvolle Maßnahmen gegen Arbeitskräftemangel sehen die Unternehmen in der Zukunft die Umsetzung des Wissensmanagements (46 Prozent) und der altersgerechten Arbeitsplatzgestaltung (42 Prozent). "Dennoch gibt es immer noch eine Menge zu tun, da viele HR-Maßnahmen erst mit einer gewissen Vorlaufzeit Wirkung zeigen", sagt Reiner Schwinger, Managing Director Deutschland und Österreich von Towers Watson.

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69 Prozent der Befragten wollen in Zukunft ihr Recruiting verändern, um effektiver nach geeigneten Kandidaten suchen zu können. Außerdem stehen altersgerechte Arbeitsplätze und Anpassungen der betrieblichen Altersvorsorge bei immer mehr Betrieben auf der To-do-Liste. Nach wie vor große Bedeutung hat das betriebliche Gesundheitsmanagement für zwei Drittel der Firmen – wie schon 2013 gehört es für 66 Prozent zu den wichtigsten Maßnahmen auf ihrer Demografie-Agenda. "Die Maßnahmen zur Bekämpfung des demografischen Wandels verschieben sich mehr auf die Entwicklung der bestehenden Mitarbeiter und dort auf die Felder Benefits und Arbeitsumfeld", sagt Thomas Jasper von Towers Watson.

Denn immer mehr Arbeitnehmer erwarten von ihrem Unternehmen die Bereitstellung einer attraktiven Altersvorsorge. "Die Ansprüche der Mitarbeiter in Bezug auf die betriebliche Altersvorsorge werden weiter ansteigen. Eine angemessene bAV spielt für die Bindung und Gewinnung von Fachkräften eine wichtige Rolle", betont er.

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Nur eine Branche scheint weiterhin fest davon überzeugt zu sein, dass immer genug neue Fachkräfte nachwachsen werden: 65 Prozent der Finanzdienstleister gehen davon aus, frühestens in zehn Jahren Probleme bei der Personalrekrutierung zu bekommen. Aktuell spüren nur 17 Prozent der Finanzunternehmen den demografischen Wandel.

Auch die Größe der Unternehmen hat einen Einfluss auf die Wahrnehmung des demografischen Wandels. Je kleiner die Unternehmen, desto eher werden die Auswirkungen des Fachkräftemangels bereits heute wahrgenommen. Bei einer Mitarbeiterzahl bis zu 5000 ist es jedes dritte Unternehmen. Bei Unternehmen mit mehr als 20.000 Beschäftigten spüren nur 13 Prozent den demografischen Wandel. Noch.

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