Neu im Vorstand : Wie Tina Müller Opel steuern will

Neu im Vorstand : Wie Tina Müller Opel steuern will

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Auf der Kommandobrücke angekommen: Tina Müller in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim

von Kristin Schmidt und Franz W. Rother

Die Berufung von Mary Barra zur neuen Chefin von General Motors zeigt, wie rückständig deutsche Autohersteller in manchen Bereichen sind. Aufsehen erregt auch der Wechsel von Tina Müller in den Vorstand von Opel.

Mary Barra, die künftige Chefin von General Motors hat eine Karriere hingelegt, die für eine Frau immer noch untypisch ist. Aber wer in Detroit als Tochter eines bei GM arbeiteten Werkzeugmachers aufwächst, hat wahrscheinlich auch keine Chance, der Autoindustrie zu entgehen. Die heute 51-jährige Absolventin der (von GM gegründeten und finanzierten) Kettering University in Flint arbeitete als Elektroingenieurin in einer Autofabrik der Marke Pontiac, leitete nach einem Zweitstudium der Betriebswirtschaft erst die Personalabteilung, dann eine komplette Autofabrik in Detroit. Sie wurde erst Assistentin des ehemaligen GM-Chefs Jack Smith, dann mit der Leitung der gesamten Pkw-Produktion betraut. Sie kümmerte sich um die Qualitätssicherung, um Entwicklung und Design und schließlich auch noch um Einkauf und Teileversorgung des Gesamtkonzerns – und zog, ganz nebenbei, auch noch zwei Kinder groß.

General Motors wird ab Sommer kommenden Jahres wieder von einem Manager geleitet, der den Autokonzern in den zurückliegenden 33 Jahren in beinahe allen Winkeln kennengelernt hat – als Aufsichtsrätin übrigens auch die europäische Tochter Opel. Unter anderem entschied sie, den Opel Insignia in den USA als Buick Regal zu verkaufen. Die Personalie, die der amtierende Konzernchef Dan Akerson diese Woche bekanntgab, ist umso bemerkenswerter, als damit erstmals in der Geschichte der Autoindustrie erstmals eine Frau die operative Gesamtverantwortung über einen Automobilhersteller bekommt. Der Kulturwandel, den Akerson dem Konzern nach der Beinahe-Pleite 2009 verordnet hatte, findet damit seine vorläufige Krönung. Der Wandel hat Vorbildcharakter auch für die deutsche Autoindustrie , in der Frauen mit Führungsaufgaben immer noch Ausnahmeerscheinungen sind – der Vorstand des VW-Konzerns ist immer noch ein reiner Männerclub, bei Daimler und BMW gibt es mit Christine Hohmann-Dennhardt (zuständig für Recht) und Milagros Carreiro-Andree (zuständig für Personal) lediglich zwei Alibi-Frauen im obersten Führungszirkel.

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General Motors ist da schon wesentlich weiter. Im aktuellen Opel-Vorstand sitzen mit Tina Müller (Marketing) und Susanna Webber (Einkauf) zwei Frauen in Schlüsselpositionen. Und Elvira Tölkes leitet seit zwei Jahren das Opel-Werk in Kaiserslautern. Rita Forst war als Entwicklungschefin sogar einige Jahre lang Chefin über die rund 6000 Ingenieure des Unternehmens und zuständig für das „Gehirn“ des Autoherstellers, das Forschungs- und Entwicklungszentrum.

Stationen in der Karriere von Tina Müller

  • 1993

    1993 schrieb sie ihre Diplomarbeit bei L´Oréal Deutschland

  • 1993-1995

    1993-1995 Zunächst Junior Produktmanagerin und dann Produktmanagerin bei Wella

  • 1995-2012

    1995-2012 Managerin in verschiedenen Positionen bei Henkel. Zuletzt verantwortete Müller dort die Marken Schwarzkopf, Diadermine und Theramed

Überrascht – das waren auch Branchenexperten und Bekannte von Tina Müller, als ihr Wechsel zu Opel bekannt wurde. Hatte doch nach ihrem Abgang bei Henkel zunächst alles so ausgesehen, als ob die Marketingspezialistin dem Geschäft mit der Schönheit treu bliebe. Beiersdorf hatte ihr den Vorstandsposten für Marke, Forschung und Entwicklung angeboten, zu gerne hätte Müller angenommen. Henkel-Chef Kasper Rorsted aber pochte auf eine Wettbewerbsklausel in ihrem Vertrag und verhinderte den Wechsel zur Konkurrenz. Ein Neustart musste also her – von null auf hundert.

„Radikaler hätte dieser Schritt kaum sein können“, sagt Martin Stemmler, bei der Personalberatung Korn Ferry für die europäische Autoindustrie zuständig. „Für beide Seiten.“

Natürlich, es hat zuletzt immer wieder Frauen gegeben, die den Sprung in die oberste Führungsebene von techniklastigen Unternehmen geschafft haben. Befeuert durch die seit Jahren anhaltende Diskussion um die gesetzliche Frauenquote, waren zahlreiche Unternehmen in die Offensive gegangen: Siemens hatte bis vor wenigen Wochen gleich zwei Managerinnen im Vorstand, bei BMW hat es Milagros Caiña-Andree ebenso in die Top-Etage der Macht geschafft wie Christine Hohmann-Dennhardt bei Daimler. Und Ines Kolmsee sitzt seit neun Jahren an der Spitze des mittelständischen Spezialchemieherstellers SKW.

Doch bei näherem Hinsehen wird deutlich: Wenn auch auf höchster Ebene, so kümmert sich das Gros der Frauen in der Regel um Themen, die von den männlichen Kollegen gern als Gedöns abgetan werden – also Personal, Unternehmenskultur, Compliance und Integrität.

Quereinsteigerin

Hinzu kommt: Während die neue Bundesregierung sich darauf geeinigt hat, ab 2016 zumindest in Aufsichtsräten jeden dritten Platz für eine Frau zu reservieren, sind viele der anfangs mit großem Tamtam auf ihre Position gehievten Frauen schon wieder von ihren Vorstandsposten verschwunden. Die Frauenquote im Dax liegt laut einer aktuellen Studie des DIW bei nur 6,3 Prozent. Und ist damit erstmals seit fünf Jahren rückläufig.

Umso mehr sticht der jüngste Karriereschritt Tina Müllers heraus: eine Frau, die als Marketingvorstand mitten drin ist im operativen Geschäft. Die aus der frauenaffinen Kosmetikbranche in die deutsche Automobilwirtschaft wechselt – also in eine Branche, die Quereinsteigern bislang kaum Chancen gab, in verantwortungsvollen Positionen Fuß zu fassen – egal, ob Mann oder Frau.

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