Personalauswahl: Persönlichkeitstest fördern selten den perfekten Chef zu Tage

Personalauswahl: Persönlichkeitstest fördern selten den perfekten Chef zu Tage

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Viele Persönlichkeitstests in Vorstellungsgesprächen taugen nichts - und lassen sich manipulieren.

Nur selten werden Menschen wegen fachlicher Mangel gefeuert, meistens ist es die Persönlichkeit, die nicht passt. Deshalb vertrauen zwei Drittel der Unternehmen auf Persönlichkeitstest. Doch die Tests taugen oft nichts.

"Es tut uns leid, aber Sie passen nicht in's Team." Deutlich häufiger sind Apsekte der Persönlichkeit als fachliche Expertise entscheidend, wenn es um einen Job geht. Und auch Kündigungen werden nicht ausgesprochen, weil jemand seinen Beruf fachlich nicht beherrscht. Meistens ist es der Faktor Mensch, der Arbeitgeber und -nehmer scheidet. Für Unternehmen wie für Bewerber beginnt dann die oft langwierige Suche nach einem neuen Job beziehungsweise einem geeigneten Nachfolger. Deshalb versuchen sich Unternehmen abzusichern - gerade, wenn es um Führungspositionen geht.

In den USA ist das Verfahren längst normal, viele Tests stammen entsprechend von der anderen Seite des großen Teichs. Hierzulande hatten die Tests lange einen schlechten Ruf und wurden eher heimlich eingesetzt. Zu viele Unternehmen beziehungsweise deren Personalabteilungen scheuten die Assoziationen. Mit dem Rorschach-Test wollte niemand nach dem neuen Vorstandsvorsitzenden fahnden. Doch mittlerweile ist die Angst vor dem Gedanken an psychiatrische Tests verschwunden. Laut einer Erhebung des Diplompsychologen Rüdiger Hossiep von der Ruhr-Universität Bochum setzen 80 Prozent der deutschen Unternehmen auf Persönlichkeitstest, um geeignete Kandidaten zu finden. Im Jahr 2007 seien es noch 20 Prozent der Betriebe gewesen, die mit Psychotests den oder die Richtige suchen.

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Tests sind häufig fragwürdig

Die befragten Personaler nutzen am häufigsten den Myers-Briggs-Typenindikator und das Persolog-Persönlichkeits-Profil, auf den Plätzen drei und vier folgen das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeit und das Occupational Personality Questionnaire. "Die beiden ersten Rangplätze werden von zwei typenbildenden Verfahren eingenommen, deren Aussagekraft aus wissenschaftlicher Perspektive in Frage steht", heißt es in der Erhebung.

Das sind die Typen des Myers-Briggs-Typenindikators

  • ENFJ: Der Lehrer

    Menschen vom Typ ENFJ haben ein extravertiertes Fühlen, introvertierte Intuition, extravertierte Sensorik und ein introvertiertes Denken.

    Ein komplettes Profil finden Sie hier.

    Der Myers-Briggs-Typen-Indikator ist umstritten, weil er auf eine Methode des spirituell angehauchten Schweizer Psychiaters Carl Gustav Jung zurückgeht, mit dem dieser seine Patienten in Kategorien einordnete. Zur Personalauswahl ist er nicht geeignet.

  • ENFP: Der Meister

    Menschen vom Typ ENFP haben eine extravertierte Intuition, introvertiertes Fühlen, extravertiertes Denken und introvertierte Sensorik. Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • ENTJ: Der Kommandeur

    Menschen vom Typ ENTJ zeichnen sich aus durch extravertiertes Denken, introvertierte Intuition, extravertierte Sensorik und introvertiertes Fühlen. Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • ENTP: Der Visionär

    Der ENTP-Typ hat eine extravertierte Intuition, introvertiertes Denken, extravertiertes Fühlen und eine introvertierte Sensorik. Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • ESFJ: Der Anbieter

    Der ESFJ-Typ zeichnet sich aus durch extravertiertes Fühlen, introvertierte Sensorik, extravertierte Intuition und introvertiertes Denken. Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • ESFP: Der Darsteller

    Menschen vom Typ ESFP haben eine extravertierte Sensorik, ein introvertiertes Fühlen, extravertiertes Denken und eine introvertierte Intuition. Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • ESTJ: Der Aufseher

    Menschen vom Typ ESTJ haben ein extravertiertes Denken, introvertierte Sensorik, extravertierte Intuition und ein introvertiertes Fühlen. Das komplette Profil finden Sie hier.

  • ESTP: Der Veranstalter

    Menschen vom Typ ESTP haben eine extravertierte Sensorik, ein introvertiertes Denken, extravertiertes Fühlen und eine introvertierte Intuition. Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • INFJ: Der Berater

    Dieser Typ zeichnet sich durch introvertierte Intuition, extravertiertes Fühlen, introvertiertes Denken und extravertierte Sensorik aus. Ein komplettes Profil finden sie hier.

  • INFP: Der Heiler

    Der INFP-Typ zeichnet sich durch introvertiertes Fühlen, extravertierte Intuition, introvertierte Sensorik und extravertiertes Denken aus. Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • INTJ: Der Vordenker

    Den INTJ-Typ kennzeichnen introvertierte Intuition, extravertiertes Denken, introvertiertes Fühlen und extravertierte Sensorik. Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • INTP: Der Architekt

    Der INTP-Typ zeichnet sich durch introvertiertes Denken, extravertierte Intuition, introvertierte Sensorik und extravertiertes Fühlen aus. Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • ISFJ: Der Beschützer

    Der ISFJ-Typ hat eine introvertierte Sensorik, extravertiertes Fühlen, introvertiertes Denken und extravertierte Intuition. Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • ISFP: Der Komponist

    Der ISFP-Typ zeichnet sich aus durch introvertiertes Fühlen, extravertierte Sensorik, introvertierte Intuition und extravertiertes Denken. Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • ISTJ: Der Kontrolleur

    Menschen vom Typ ISTJ haben eine introvertierte Sensorik, extravertiertes Denken, introvertiertes Fühlen und extravertierte Intuition.

    Ein komplettes Profil finden Sie hier.

  • ISTP: Der Handwerker

    Menschen vom Typ ISTP zeichnen sich aus durch introvertiertes Denken, extravertierte Sensorik, introvertierte Intuition und extravertiertes Fühlen.

    Ein komplettes Profil finden Sie hier.

Welche geografische Form gefällt Ihnen am besten, welches Tier wären Sie am liebsten, reagieren Sie unter stress gereizt? Hossiep geht ganz allgemein davon aus, dass weniger als zehn Prozent der Persönlichkeitstests seriös und valide sind. In die Antworten werde irgendetwas hineininterpretiert, was letztlich mit dem Job nichts zu tun habe.

Wie sich die Tests manipulieren lassen

Hinzu kommt, dass ein Bewerber, der nicht auf den Kopf gefallen ist, viele Tests manipulieren kann. Wer sich das selbst nnicht zutraut, kann auf entsprechende Ratgeber-Literatur zurückgreifen. Bewerbungs- und Karrierecoaches wie Jürgen Hesse haben zum Thema seitenweise Testknack-Tipps veröffentlicht. Wer sich nicht völlig unglaubwürdig machen möchte, sollte zwar auf die Frage nach seinen Schwächen nicht mit "ich arbeite zu hart" reagieren, aber es gibt dennoch eine Standardantworten, die Bewerber drauf haben sollten, wenn sie den Job wollen.

20 fiese Fragen, 20 clevere Antworten im Vorstellungsgespräch

  • Was ist Ihre größte Schwäche?

    Ich bin sehr ungeduldig. Deshalb erwarte ich, dass ich mich schon bei der ersten Aufgabe beweise - und mute mir manchmal zu viel zu. Aber ich arbeite an mir: Ich versuche, gewisse Aufgaben abzulehnen oder zu delegieren.

  • Wollen Sie meinen Job übernehmen?

    Vielleicht in 20 Jahren - aber dann werden Sie wahrscheinlich auf einer anderen Position sein. Falls Sie dann einen guten, treuen Angestellten brauchen, kann ich Ihnen vielleicht helfen.

  • Sie haben bereits mehrfach den Beruf gewechselt. Warum sollten Sie dieses Mal länger bleiben?

    Ich habe durch die häufigen Wechsel viele Erfahrungen gesammelt - und davon habe ich profitiert. Denn dadurch kann ich Probleme kreativ lösen.

  • Falls Sie in fünf Jahren noch nicht befördert wurden - würde Sie das frustrieren?

    Ich schätze mich selbst als ehrgeizig ein, aber auch als realistisch. Solange ich in meiner Position lernen und mich verbessern kann, bin ich zufrieden.

  • Warum haben Sie nicht schon früher den Job gewechselt?

    Ich habe hart daran gearbeitet, meinen Job zu behalten, während viele Kollegen gekündigt wurden. Daher hatte ich keine Gelegenheit, mich nach einem anderen Job umzusehen.

  • Sie arbeiten für ein Unternehmen, das ein Produkt herstellt, dessen Markt langsam erodiert. Was würden Sie tun?

    Ich würde neue Absatzmärkte suchen und gleichzeitig unsere Ingenieure dazu anregen, das Produkt so zu verändern, dass es wieder mehr Marktwert bekommt.

  • Sie wurden bereits zweimal gefeuert. Wie sind Sie damit umgegangen?

    Nachdem ich mich von dem Schock erholt habe, haben mich die Kündigungen stärker gemacht. Ich habe immer geschafft, wieder aufzustehen und mir einen neuen Job zu suchen, der mir mehr Verantwortung gibt, mehr Gehalt einbringt und mich langfristig zufriedener macht. Ich habe die Kündigungen einfach als Chance auf einen Neustart gesehen.

  • Sind Sie wirklich bereit, eine formell niedrigere Position einzunehmen?

    Manchmal muss man einen Schritt zurückmachen, um die Karriere voranzubringen. Außerdem könnte ich das Unternehmen dann von Grund auf kennenlernen.

  • Sie haben Ihren Master in Philosophie gemacht. Was soll Ihnen das in diesem Berufsfeld bringen?

    Philosophie hat mich nicht für dieses Berufsfeld speziell qualifiziert. Aber es hat mich dazu gebracht, meine Zukunftsaussichten zu überdenken. Und nun weiß ich: Es ist sinnlos, nach einem Beruf zu streben, nur weil er Prestige und Geld bringt.

  • Wir wollen Frauen fördern, aber eigentlich wollten wir Ihre Position mit einem Mann besetzen…

    Ich denke, dass ich am besten geeignet bin - und nur das sollte zählen. Ich habe bereits im Ausland gearbeitet. Daher bin ich flexibel und würde kaum Einarbeitungszeit benötigen.

  • Wie sieht Ihr Traumberuf aus?

    Dieser Job ist mein Traumberuf, sonst säße ich jetzt nicht hier. Ich würde mich freuen, Ihrem Unternehmen beim Aufstieg zu helfen und meine Qualitäten sinnvoll einzubringen.

  • Eine Schätzfrage: Wie viele Paar Ski werden in den USA pro Jahr verliehen?

    In den USA leben rund 320 Millionen Menschen. Angenommen von ihnen fahren 25 Millionen gerne Ski. Davon haben sicherlich gut 20 Millionen ein eigenes Paar Ski. Bleiben also fünf Millionen Menschen übrig, die sich Ski leihen müssen. Rechnet man die Touristen dazu, kommt man vielleicht auf etwa 7,5 Millionen Paar im Jahr.

  • Angenommen, Sie möchten gerne eine Frau einstellen, Ihr Chef plädiert aber für einen Mann. Wie verhalten Sie sich?

    Ich würde vorschlagen, beide Kandidaten für eine Testphase einzuladen. Sie könnten zwei Wochen lang im Unternehmen arbeiten und wir würden beobachten, wie sie sich schlagen. Qualität hat nichts mit dem Geschlecht zu tun.

  • Wie viele Stunden arbeiten Sie normalerweise pro Woche und warum?

    Ich versuche, jede Aufgaben so sorgfältig wie möglich zu erledigen und gucke nicht pausenlos auf die Uhr. Daher kann ich die genaue Stundenzahl nicht sagen. Aber mir ist Qualität eh wichtiger als Quantität.

  • Würden Sie neue Projekte erst von Ihrem Chef absegnen lassen?

    Zunächst würde ich immer zuerst meinen Chef fragen, wie er oder sie mit einem Projekt umgehen würde. Wenn sich dann herausstellt, dass mein Chef sich einen Angestellten wünscht, der ein "Macher" ist, zeige ich gerne Eigeninitiative. Die eigentliche Herausforderung ist doch, sich an sein Arbeitsumfeld anzupassen - und da bin ich flexibel.

  • Haben Sie schon einmal einen teuren Fehler begangen?

    Ich kann glücklicherweise sagen, dass mir noch nie ein wirklich teurer Fehler unterlaufen ist. Aber generell finde ich Fehler - solange sie keine fatalen Folgen habe - nicht schlimm. Solange man sie nicht zwei Mal macht.

  • Was ist Ihnen wichtiger: glücklich oder kompetent zu sein?

    Ich persönlich denke, es ist wichtiger glücklich zu sein, auch wenn es nie schaden kann, kompetent und erfahren zu sein. Das hilft dabei, sich neue Möglichkeiten zu schaffen. Oft geht aber auch beides zusammen, das ist dann die ideale Kombination.

  • Wurden Sie schon mal als verbissen oder unflexibel wahrgenommen?

    Ich bin weder schüchtern noch eine graue Maus. Also kann es gut sein, dass ein oder zwei frühere Arbeitskollegen dachten, ich sei unflexibel. Aber in Mitarbeitergesprächen und in meinen Referenzen fiel und fällt dieses Adjektiv nie, ebenso wenig wie „verbissen“. Ich kann gleichzeitig hartnäckig und flexibel sein.

  • Wie würden Sie damit umgehen, wenn ein Kollege sich mit Ihrer Arbeit schmückt?

    Zuerst würde ich versuchen, diese Person für ihre eigenen Erfolge stärker zu loben. Manchmal hilft das schon. Wenn das nichts hilft, würde ich eine Verabredung mit dem Kollegen treffen, dass wir jeweils unsere eigenen Ideen dem Chef vorstellen - damit dieser sieht, wer welchen Erfolg erzielt. Funktioniert auch das nicht, würde ich das Problem offen ansprechen und ausdiskutieren.

  • Welche möglichen Risiken und Nachteile sehen Sie in der Position, für die Sie sich bewerben?

    Es könnte ein mögliches Risiko sein, dass man kaum in Kontakt mit den wichtigen Personen kommt - zumindest nicht in idealem Maße. Auf der anderen Seite können Telefonkonferenzen und Email ja auch weiterhelfen.

Wer danach gefragt wird, wie er reagiert, wenn er unter großen Druck gerät, sollte nicht zugeben, aggressiv oder gereizt zu sein. Wenn nach kreativen Mitarbeitern gesucht wird, sind spontane Einfälle super und solltem im Test der Antwort "systematische Planung" vorgezogen werden. Geht es um einen Planungsjob, sollten Bewerber ihre Kreativität dagegen für sich behalten. Ansonsten gilt: Unternehmen suchen selbstkritische Teamplayer, die keine Angst vor Überstunden haben. Wer das im Hinterkopf hat und ein bisschen übt, kann so die gewünschten Antworten auf die Teastfragen geben - und den Test somit ad absurdum führen.

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