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Personalmanagement: Wie Führungskräfte besser ankommen

Die früher üblichen Schonzeiten für Manager sind sehr viel kürzer geworden. Wie der wachsende Druck in personellen Umbruchssituationen für alle Beteiligten positiv gewendet werden kann, schreibt Uta von Boyen in einem Gastbeitrag.

Permanenter Prozess
Die Suche nach dem nächsten CEO beginnt letztlich mit dem ersten Arbeitstag des gerade frisch installierten Chefs. Wer damit erst anfängt, wenn der aktuelle Boss kurz vor dem regulären Ende steht oder wegen mangelnder Leistung nicht mehr zu halten ist, läuft Gefahr, in Zeitnot zu kommen und sich mit zweit- oder drittklassigen Lösungen begnügen zu müssen.

Bild: dpa

Sechs Monaten: So lange gestanden Konzerne früher üblicherweise jedem Neuling zu, um anzukommen, Vorgesetzte, Kollegen, Mitarbeiter und Kunden kennenzulernen, sich einen Überblick über die neuen Aufgaben zu verschaffen. Und dann allmählich zur vollen Leistungsfähigkeit aufzulaufen. In Zeiten beschleunigter Märkte und ständiger Veränderung mag sich jedoch kaum noch ein Unternehmen mit solchen Wartezeiten zufrieden geben – im Gegenteil: Man erwartet von Führungskräften zunehmend,  von Anfang an Leistung auf höchstem Niveau zu bringen.  

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Das Software-Unternehmen IT-ConZullt (Name fiktiv) besetzt zum 1. September seine Abteilungsleiterposition im Bereich Vertrieb mit einem neuen Mann: Paul Schmidbauer (Name fiktiv) gilt als erfahrener und gut vernetzter Vertriebler, der bereits in Führungspositionen bei zwei anderen Unternehmen aus dem IT-Bereich sehr erfolgreich war. IT-ConZullt verspricht sich von Schmidbauer starke Impulse für neue Produkte, neue

Uta von Boyen Quelle: PR
Uta von Boyen ist Gründerin und Geschäftsführerin der Unternehmens- und Personalberatung von Boyen Consulting. Quelle: PR

Dienstleistungen, eine innovative Vertriebsstrategie und eine leistungsorientiertere Unternehmenskultur. Dies sagt man Schmidbauer in mehreren Auswahlgesprächen auch, doch wie er diesen Anspruch erfüllen soll, bleibt für beide Seiten noch offen – es wäre ja auch verfrüht, vor dem Eintritt ins Unternehmen konkrete Pläne zu machen.

Wie wird Schmidbauers Einstand bei IT-ConZullt ablaufen? Der Personalleiter schlägt vor, angesichts der strategischen Bedeutung Schmidbauers erstmals einen systematischen „Onboarding-Prozess“ zu kaufen. Was ist das? Was geschieht in einem solchen Prozess, und worin liegt sein Nutzen? Im Folgenden werden wir zur Beantwortung dieser Fragen zwei klassische Szenarien für Herrn Schmidbauers Einstieg entwerfen – ein Szenario ohne und eins mit Onboarding-Beratung.

Szenario 1: Einstieg ohne Onboarding

Das erste Szenario beginnt so: Schmidbauer tritt seinen neuen Posten hochmotiviert und voller guter Ideen an. Da er bereits zwei IT-Unternehmen kennt, geht er davon aus, dass die Rahmenbedingungen bei IT-ConZullt ähnlich sein werden wie in den anderen. Darum fällt er aus allen Wolken, als ihm nach kurzer Zeit klar wird, dass der Vertrieb bei IT-ConZullt immer noch nicht mit einer konsistenten Forecastanalyse und einer professionellen Sales-Prozesssteuerung arbeitet. Viele Dokumentationen von Vertriebsaktivitäten sind lückenhaft, so dass zum Beispiel potenzielle Kunden mehrfach angesprochen oder auch ganz vergessen werden. Überhaupt erscheint Schmidbauer die Vertriebsstrategie veraltet, weil sich die Kundenstruktur stark verändert hat und weitere Umbrüche in naher Zukunft absehbar sind.

Die Vertreter der Generation Y, also die bis zu 32 Jahre alt sind, verfügen über eine hohe Technologieaffinität und möchten möglichst schnell die Infos auf ihren Smartphones haben. Die Babyboomer-Generation, die 47- bis 65-Jährigen, wollen dagegen öfters mal entschleunigen. Dieser Konflikt kann auch am Arbeitsplatz stattfinden.

Der Personaldienstleister Robert Half hat in einer Studie 2400 Manager weltweit gefragt, welche Karrierevorstellungen sie haben. Und daraus Schlüsse gezogen, wie Unternehmen die unterschiedlichen Potenziale nutzen können - nicht nur um Mitarbeiter zu binden. Immerhin sind sich laut der Studie alle Befragten einig: Das effiziente Arbeiten in generationenübergreifenden Teams ist schwierig.

Schmidbauer will Veränderungen einleiten und dies seiner Mannschaft in einem Meeting mitteilen. Er stellt einen ehrgeizigen Plan vor, legt Termine für die Prozessoptimierung fest und verkündet eine neue Vertriebsstrategie, die er mit der Geschäftsführung abstimmen will. Leider bemerkt er kurze Zeit nach dem Meeting starken Widerstand in den eigenen Reihen. Auch seine Vorgesetzten sind nur verhalten begeistert. Langjährige Verantwortliche fühlen sich auf den Schlips getreten und sabotieren seine Strategie. Die Stimmung in der Belegschaft richtet sich gegen Schmidbauer. Der Grundtenor ist, dieser neue Chef mache doch nur viel Lärm um nichts, er wolle immer optimieren, zerstöre aber dabei den Kern eines jahrelang erfolgreichen Funktionsbereichs, und er passe mit seiner Art sowieso nicht ins Unternehmen. Von „oben“ und von der „Seite“ muss er sich anhören, er mache überhebliche und vorschnelle Alleingänge und handle unabgestimmt, dabei arbeite der Bereich „Sales“ doch nicht im luftleeren Raum!

Szenario 2: Einstieg mit Onboarding

Im zweiten Szenario wird sowohl Paul Schmidbauer als auch sein neuer Wirkungskontext erst einmal professionell analysiert. Schmidbauers Erfahrungen und Potenzial werden mit den Anforderungen und dem Kontext seiner neuen Stelle in Beziehung gebracht – denn schließlich ist ein Vertriebsleiter in einer Organisation A völlig anderen Anforderungen ausgesetzt als in Organisation B.

Gemeinsam mit seinem Onboarding-Coach bespricht Schmidbauer die Ergebnisse: Er kann auf Wissen und Erfahrungen aus seinen früheren Positionen zurückgreifen, doch manche technische Themen sind neu für ihn. Sein unternehmerisches und strategisches Verständnis sowie sein hohes Leistungsniveau und seine Fähigkeit, schnell Probleme zu lösen, sind große Stärken. Sie werden Schmidbauer dabei helfen, Schwung in einen eingefahrenen Betrieb zu bringen, in dem niemand Selbstverständliches hinterfragt. 

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 11.07.2012, 17:24 UhrGudrunHappich

    Ob man die detaillierte Vorbereitung und Planung auf die neue Führungsrolle nun Onboarding oder anders nennt, inhaltlich stimme ich voll und ganz zu: Ohne einen solchen Prozess wird es für die Führungskraft wie auch für das Unternehmen ein böses Erwachen geben. Viele Manager, die aufsteigen - sei es von der Fach- zur Führungskraft oder von der Führungskraft ins Top-Management - unterschätzen die Veränderung, die auf sie zukommt.

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