Pofallas Wechsel zur Bahn: Das passende Vorstandsressort ist bereits vergeben

Pofallas Wechsel zur Bahn: Das passende Vorstandsressort ist bereits vergeben

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Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla weist nicht den üblichen Werdegang eines Vorstandsposten auf

von Claudia Tödtmann

Top-Headhunter Heiner Thorborg redet nicht um den heißen Brei, wenn er den Lebenslauf von Ronald Pofalla, 54, beurteilt: „Das reicht bei weitem nicht aus, normalerweise. Aber Lobbyarbeit wird er können – das heißt, er wird also für seine Beziehungen und Kontakte bezahlt.“


Große Unternehmen haben normalerweise hohe Anforderungen an die beruflichen Werdegänge ihrer Vorstände, pflichtet auch ein renommierter Compliance-Experte einer namenhaften Kanzlei bei. Er muss es wissen, da er tagtäglich die Anstellungsverträge für Top-Kandidaten in juristische Formen gießt.

Ronald Pofalla kommt aus Weeze am Niederrhein, besuchte laut Wikipedia nach der mittleren Reife an der Hauptschule die Fachoberschule für Sozialpädagogik, studierte das Fach danach in Düsseldorf und schloss ein Jura-Studium in Köln an. Nach dem zweiten Staatexamen wurde er Partner bei der Essener Kanzlei Holthoff-Pförtner, die zumindest nicht auf der Juve-Liste der 50 renommiertesten Kanzleien in Deutschland steht.

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Das eigentlich passende Vorstandsressort bei der Bahn ist vergeben

„Juristen, die für Top-Kanzleien, Richterstellen oder den Verwaltungsdienst infrage kommen, müssen in der Regel zwei Prädikatsexamen und weitere Kompetenzen zu bieten haben“, vergleicht der Compliance-Experte. Für Vorstandsposten gelten ähnliche Anforderungen, zumal auch sie oft Branchenkenntnisse fordern. Großunternehmen besetzten ihre Vorstände üblicherweise nicht mit Sozialpädagogen. Auch Juristen kommen eher für Vorstandsressorts wie Recht oder Compliance in Betracht. Vorstand für diese beiden Ressorts ist bei der Deutschen Bahn aber schon Gerd Brecht – und dessen Vertrag wurde gerade erst am 11. Dezember 2013 verlängert bis Februar 2017.

Möglicher Wechsel Warum Pofalla für die Bahn so wichtig ist

Die Deutsche Bahn steht in Berlin und Brüssel derzeit heftig unter Druck. Ein Wechsel des früheren Kanzleramtsministers Ronald Pofalla soll dem Staatskonzern alte Pfründe sichern.

Angela Merkel und Ronald Pofalla vor dem Museumszug Rheingold-Express. Die Diskussion über den möglichen Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn für den früheren Kanzleramtsminister Pofalla zieht immer größere Kreise. Quelle: dpa

Hinzukommt, dass ein Vorstandsressort Lobbying bei der Deutschen Bahn bislang nicht existiert - der Vorstand ohnehin schon reichlich bevölkert ist – und ein neues Ressort erst für Pofalla geschaffen würde. „Ob das wirklich nötig ist, muss der Aufsichtsrat entscheiden - ist es aber definitiv nicht erforderlich, kann schon die Einrichtung und Dotierung eine strafbare Untreuehandlung sein“, sagt Anwalt Jörg Rodewald, Professor und Partner bei der Kanzlei Luther in Berlin. Und weiterhin: Auch wenn Pofalla ohne ein Auswahlverfahren und ganz ohne Berücksichtigung anderer Bewerber zum Zuge käme, kann auch das unzulässig sein.

Sperrzeiten

Zwar fordern erste Stimmen schon Sperrzeiten, eine Cool-Down-Phase für derlei Wechsel, die Interessenskonflikte provozieren. Doch unterliege, so der Compliance-Experte, ein Politiker wie Pofalla keinem sogenannten nachvertraglichen Wettbewerbsverbot – wie viele Top-Manager -, das ihn daran hindern würde, einen anderen Posten zum Beispiel bei einem Wettbewerber seines Ex-Arbeitgebers anzutreten. Und einen finanziellen Ausgleich in Höhe mindestens des halben bisherigen Gehalts – wie es für nachvertragliche Wettbewerbsverbote bei Managern vorgeschrieben ist – bekäme Pofalla ja auch nicht. Wenn also Staatsrechtler Hans-Herbert von Arnim eine generelle Wartefrist von fünf Jahren für Wechsler von Politik in Wirtschaft fordert, fragt sich, ob es wirklich gewollt ist, dass diese Politiker fünf Jahre lang zu den teuersten Spaziergängern auf Kosten des Steuerzahlers werden sollen – so wie die heutige Opel-Vorstandsfrau Tina Müller nach ihrem Weggang von Henkel.

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