Psychopathen im Büro: Wahnsinns-Typen auf der Chefetage

Psychopathen im Büro: Wahnsinns-Typen auf der Chefetage

von Julia Gurol

Psychopathen sind erfolgsgierig, egoistisch und skrupellos - Eigenschaften, die auch bei einer Konzernkarriere nützlich sind. Wie sie sich im Job verhalten - und wie Betroffene mit ihnen umgehen sollten.

Beim Stichwort "Psychopath" werden manche an die Schauspiel-Legende Klaus Kinski denken, berühmt und berüchtigt für seine Wutausbrüche. Anderen kommt der "Joker" aus der "Batman"-Reihe in den Sinn, der mit seinem unheilvollen Grinsen die Zuschauer frösteln lässt. Doch meist muss es gar nicht so spektakulär sein – Psychopathen begegnen uns im Alltag öfter als wir glauben.

Viele Forscher sind inzwischen davon überzeugt, dass der Prozentsatz ebenjener Verhaltensauffälliger auf der Chefetage wesentlich höher ist als in der normalen Bevölkerung – und längst nicht jeder Verrückte ist ein brutaler Massenmörder.

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Doch was genau macht einen Menschen zum Psychopathen? Der kanadische Psychiater Robert Hare, emeritierter Professor der Universität von British Columbia, hat seine Karriere der Erforschung des Wahnsinns gewidmet. Für ihn handelt es dabei um "Menschen, die schwer gestört sind und fortwährend gesellschaftliche Regeln verletzen". Außerdem falle es ihnen schwer, Emotionen wie Mitgefühl oder Reue zu empfinden. Ihre Ziele erreichten sie oft durch Manipulation. Zugegeben: Wer die Kriterien erfüllt, ist nicht automatisch ein Psychopath – aber viele Psychopathen erfüllen die Kriterien.

Test Arbeiten Sie für einen Psychopathen?

Bei der Antwort auf diese Frage sagt vermutlich gerade alles in Ihnen spontan ja. Es gibt einige ernst zu nehmende Eigenschaften und Verhaltensweisen, die auf diesen Typ Mensch hinweisen. Finden Sie es heraus!

Für eine Studie untersuchte Hare mit seinem Kollegen Paul Babiak 203 Führungskräfte aus sieben amerikanischen Konzernen. Jeder durchlief Hares "Checkliste zur Psychopathie". Dazu befragen Experten eine Person stundenlang und vergeben Punkte in 20 Kategorien. Wer mehr als 25 erreicht, gilt als gefährdet. Bei 30 ist die Schwelle zur Psychopathie erreicht.

Die Stichprobe der Personalverantwortlichen verglichen Hare und Babiak mit einer Bevölkerungsumfrage. Und siehe da: Die Manager erreichten im Schnitt nicht nur wesentlich höhere Punktzahlen. Immerhin neun Führungskräfte hatten mehr als 25 Punkte, davon acht mehr als 30. Im Bevölkerungssample diagnostizierten die Forscher nur etwa einem Prozent potenzielles Psychopathentum. Bei den Personalverantwortlichen waren es knapp sechs Prozent.

Noch verblüffter waren die Forscher jedoch, als sie die Leistungsbewertungen der Führungskräfte analysierten. Die neun Verhaltensauffälligen galten als hervorragende Kommunikatoren, raffinierte Strategen und kreative Innovatoren.

Manipulativ? Wenig Mitgefühl? Das klingt nach Ihrem Chef? Kein Zufall. Im Schnitt hat jede zehnte Führungskraft in deutschen Unternehmen psychopathische Eigenschaften. Das schätzt zumindest Gerhard Roth von der Universität Bremen.

Manager im Elfenbeinturm Wenn Chefs ihre Macht ausnutzen

American-Apparel-Chef Dov Charney machte jahrelang mit Sexskandalen Schlageilen. Erst jetzt hat ihn der Aufsichtsrat des Modekonzerns entlassen. Warum Chefs oft viel zu lange Narrenfreiheit genießen.

Nach jahrelangen Skandalen wegen sexueller Belästigung musste American-Apparel-Chef Dov Charney nun das Handtuch werfen. Quelle: REUTERS

Lange Zeit glaubten die Menschen, Psychopathen seien meist kriminell. Im Durchschnitt stimmt das weiterhin. Bis zu 25 Prozent aller Strafgefangenen sind psychisch auffällig, Schätzungen zufolge hat der durchschnittliche Psychopath bis zu seinem 40. Lebensjahr vier gewalttätige Verbrechen begangen.

Doch wahr ist eben auch: "'Längst nicht alle Psychopathen sitzen im Gefängnis", sagt Experte Robert Hare, "manche sitzen auch in der Vorstandsetage." Der Grund: Viele Eigenschaften, die einen Psychopathen auszeichnen, sind für eine Managementkarriere ebenfalls von Vorteil.

Hare ist davon überzeugt, dass Menschen mit psychopathischen Merkmalen ihre Kollegen durchschauen. Schwächen der anderen nutzen sie dabei oft zu ihrem eigenen Vorteil und erkennen schnell, welche Entscheidungen sie zum Ziel führen. Doch hier beginnt das Problem: Denn auf ihrem Weg an die Spitze der Karriereleiter übernehmen Psychopathen kaum Verantwortung.

Gleichwohl sind Menschen mit psychopathischen Neigungen oft enorm raffiniert und intelligent, sodass sie ihre Mitmenschen rhetorisch um den Finger wickeln: "Fett schwimmt immer oben", sagt auch der US-Forscher Paul Babiak. Sein Kollege Hare hält es für "enorm wahrscheinlich", dass jeder von uns früher oder später Kontakt mit einem Psychopathen hat. Und darauf sollten Angestellte vorbereitet sein. Je früher, desto besser.

 

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3 Kommentare zu Psychopathen im Büro: Wahnsinns-Typen auf der Chefetage

  • Na super! Was ist das den für ein Artikel? Erst folgt eine gute und fundierte Beschreibung von Psycho-Chefs und dann endet der Artikel mit dem Hinweis, man solle diesen Chefs aus dem Weg gehen?
    GENAUSO kann sich schreckliche Geschichte wiederholen! -WEGSEHEN und weitermachen?
    Brauchen wir nicht vielmehr Werte und Strukturen die es jedem, egal in welcher Hierarchieebene, ermöglichen ernsthaft angehört zu werden, ohne dafür drangsaliert oder entlassen zu werden?
    Wie gut würde es uns gehen (erst recht wirtschaftlich!), wenn wir diese kaputten Chefs nicht hätten? Eine Implementierung von Werten in einer definierten Führungs- und Fehlerkultur bei allen MA hilft nicht nur Betriebsergebnis und Klima zu verbessern, sondern solchen Chefs ihre Grenzen aufzuzeigen! Leider können gerade diejenigen dies nicht erkennen, die die Befugnis und Macht hätten das zu ändern, da sie genau von diesen Psycho-Chefs geblendet werden. Eine gut gestaltete Mitarbeiterbefragung kann nicht nur bei diesem Sachverhalt Erkenntnisse liefern….
    MarcoHass ed aol com

  • Die Geschichte lehrt uns, dass es immer wieder die „Sonderlinge“ waren, die dachten was niemand zu denken wagte, sagten was niemand zu sagen wagte und taten was niemand zu tun sich traute. Sie alle sind Wege gegangen, die noch niemand vor ihnen gegangen ist. Ausgetreten Pfade waren ihnen zu wider. Und genau dieses „Ver-rückt-sein“, weg von der „Normalität“, hat die Menschheit in ihrer Entwicklung weiter gebracht. Von W.A. Mozart bis Steve Jobs, sie alle haben das Leben bereichert und doch ist ihre Sozial-Kompetenz fragwürdig und wert einen Blick aus einer neuen Perspektive zu werfen.
    Für sehr viele Mitmenschen ist es schwer mit solchen außergewöhnlichen Persönlichkeiten um zu gehen. Manche kommen damit zurecht, manche zerbrechen daran. Warum ist das so? Wenn man die Muster hinter diesen Beziehungen betrachtet kann man oft etwas Überraschendes erkennen. Die Genies werden bewundert von denen, die sich nicht trauen es ihnen gleich zu tun und gleichzeitig verurteilt für ihr „asoziales“ Verhalten. Dies ist aber oft nur ein Spiegel des eigenen Unvermögens seine eigenen Träume zu verwirklichen. Solche Konflikte mit Chefs können also auch als Hinweis auf eigene nicht gelöste Lebensthemen sein.
    Es steht außer Zweifel, dass es eine Grenze des Zumutbaren gibt. Führungskompetenz beinhaltet selbstredend emotionale Kompetenz. Selbstreflektion ist das Gebot an verantwortungsbewusste Leitfiguren. Sozial kompetente Führungskräfte sind Menschen, die auf ganz unspektakuläre Weise Harmonie um sich herum verbreiten, weil sie authentisch das leben, was sie im Innersten bewegt. Wertschätzung und Respekt vor der Integrität jedes Menschen sind selbstverständlich. Sie bauen Brücken wo die Einheit getrennt wurde und streben mit einem natürlichen Selbstverständnis nach der Realisierung ihrer Ideen und Visionen. Dabei fügen sie Fachwissen, Erfahrung und ihre Intuition zu einer ganzheitlichen Strategie und inspirieren so ihre Mitarbeiter.
    Egon Aigner, Betriebs-Energetiker

  • Hier ein lebendiges GEGENbeispiel zu Psychopathentum in der "Chef"-Etage. Dieser Mann moderiert eine Unternehmung, die im Getränkemarkt pro Jahr über eine Million Flaschen bewegt und weit über 1.000 gewerbliche Partner bedient - läuft seit mehr als 10 Jahren. Hier erklärt er, wie er das macht.

    https://vimeo.com/101686210
    https://vimeo.com/101686211

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