Radikal führen: Störe! Diene! Verschwinde!

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Radikal führen: Störe! Diene! Verschwinde!

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Führungsexperte, Querdenker und Bestsellerautor Reinhard Sprenger

Was Managementquerdenker Reinhard Sprenger Führungskräften rät, um Unternehmen fit zu machen für die Zukunft. Ein exklusiver Vorabdruck aus seinem neuen Buch „Radikal führen“.

Kodak, die Foto-Ikone des Zelluloidzeitalters, verstarb 2012. In diesem Unternehmen wurde einst auch die Digitalkamera erfunden, aber als Bedrohung des bisherigen Geschäftsmodells empfunden, nicht als Chance. Deshalb wurde ihre Entwicklung nicht weiterverfolgt. Das haben dann andere gemacht.

Das Beispiel zeigt: Der Ursprung allen Scheiterns ist der Erfolg. Der Niedergang wartet gleich neben dem Aufstieg. Weil eine starke, erfolgsverwöhnte Tradition zu dem Glauben verführt, dass es so, wie es lange war, auch noch lange sein wird. Das galt in Deutschland für Nixdorf, wo man vor lauter nachkriegszeitlichem Schulterklopfen nicht bemerkte, dass man zwischen Großrechner und PC zerquetscht wurde; das galt für AEG, für Grundig, Holzmann, Quelle, Karstadt, Märklin, Schiesser, Rosenthal, Escada, Karmann, Telefunken, Saba, Nordmende, Rollei, Agfa, Voigtländer: Wo einst Leidenschaft war, ist jetzt Archiv. Unternehmen gehen unter, wenn sie glauben, den Gang der Marktbedingungen voraussagen zu können und nicht offen sind für das Überraschende, das Nicht-Vorhersehbare. Aber tradiertes Wissen ist keine Erfolgsgarantie für morgen, dominant ist man nur für kurze Zeit, dann hat sich der Vorsprung verbraucht.

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Der Text ist ein Auszug aus dem Buch „Radikal führen“ (Campus Verlag, Frankfurt, 24,99 Euro) von Reinhard Sprenger. Das Buch ist versandkostenfrei zu bestellen unter www.wiwo-shop.de (zum Vergrößern bitte Bild anklicken) Quelle: Presse

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch „Radikal führen“ (Campus Verlag, Frankfurt, 24,99 Euro) von Reinhard Sprenger. Das Buch ist versandkostenfrei zu bestellen unter www.wiwo-shop.de (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

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Im Wirtschaftsleben müssen wir deshalb radikal denken: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir morgen immer noch erfolgreich sind, ist eher klein. Die Erfolgsrezepte anderer sind die Erfolgsrezepte anderer. „One size fits all“ mag für Mützen gelten, nicht für Unternehmen.

Der Zufall entscheidet

Was wäre also die richtige Strategie? Nicht strategiehörig sein! Das richtige Verhalten ist die völlig zufällige Entscheidung. Das wirkt von außen betrachtet zwar fast anarchisch. Doch aus der Terrorabwehr wissen wir: Unberechenbarkeit ist die langfristig erfolgreichste Strategie. Das Erfolgsrezept lautet, keins zu haben. Das ist das Einzige, was wirklich funktioniert. „Es gibt Dinge, von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen“, sagte einmal der ehemalige amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Der kollektive Facebook-Hype ist dafür ein Beispiel – man konnte ihn auch mit immensem Aufwand nicht vorhersehen.

Reinhard Sprengers beste Führungstipps

  • Trennen Sie sich von Egoisten

    Gute Unternehmen sind Solidargemeinschaften, nicht nur eine Addition von Einzelleistern. Wer nicht zur Zusammenarbeit fähig ist, fliegt raus. Mehr Füreinander statt nur Miteinander heißt die Devise. Für Fußballfans: mehr Barcelona, weniger Real Madrid.

  • Schaffen Sie Dienstpläne ab

    Lassen Sie Jahresplanung und Budgetverhandlung mal für ein Jahr wegfallen. Verzichten Sie auf Dienstpläne, vertrauen Sie der Selbstorganisation Ihrer Mitarbeiter.

  • Verabschieden Sie sich von Werten

    Unternehmen sind keine Kirchen, müssen nicht Werte wie Monstranzen vor sich hertragen, für die Kunden nicht zahlen.

  • Denken Sie wie Sherlock Holmes

    Gehen Sie den Weg des kleinsten Übels, akzeptieren Sie schmutzige Lösungen. Der Blick aufs Ideal erzeugt nur Leiden.

  • Loben Sie nicht - halten Sie Kontakt

    Sie arbeiten nicht mit Kindern, sondern mit Erwachsenen. Die brauchen kein permanentes Lob, steten Kontakt aber schon. Das vermittelt Wertschätzung.

Heute wechseln unterschiedliche Szenarien in rasanter Folge: Massives Wachstum in Asien und Stillstand in hoch industrialisierten Ländern. Bevölkerungsexplosion steht gegen Überalterung, Rohstoffhunger gegen Ressourcenknappheit, Bildungsarmut gegen neue Intelligenz, Ökonomie gegen Ökologie, kurzfristiges Überlebenwollen gegen die Forderung nach Nachhaltigkeit. Kunden fordern drastische Preisnachlässe und gleichzeitig höhere Leistung. Über das Internet drängen Mitbewerber auf den Markt, die das erfolgsverwöhnte Geschäftsmodell in Frage stellen. Das alles überwölbt von der wachsenden Macht sozialer Netzwerke sowie sprunghaft-unkalkulierbarer Politik.

Was gestern noch gut war, ist heute schon veraltet. Wie lächerlich muten heute Handys an, die gerade mal 15 Jahre alt sind. Viele Unternehmen werden von immer neuen Neuerungen gleichsam an die Wand gedrückt und wissen kaum, wie sie sich ihrer erwehren sollen. Wir schwingen uns von Störung zu Störung, der Ausnahmezustand wird zum Normalzustand. Immer seltener wird man aus Erfahrungen lernen können. Das ungestörte Arbeiten wird zum Antiquariat. Aber in der Krise, im Umgang mit der Überraschung, beweist sich die Qualität der Führung. Denn: Was passiert, mögen Sie nicht im Griff haben; wie Sie darauf antworten, schon.

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