Reinhard Sprengers neues Buch: Was richtige Führung ausmacht

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GastbeitragReinhard Sprengers neues Buch: Was richtige Führung ausmacht

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Reinhard K. Sprengers "Das anständige Unternehmen: Was richtige Führung ausmacht - und was sie weglässt" ist am 28. September im DVA Verlag erschienen.

In seinem neuen Buch "Das anständige Unternehmen" plädiert der erfolgreiche Managementautor Reinhard Sprenger dafür, Mitarbeitern mehr Freiheiten zu geben. Also: mehr Anstand durch Abstand. Ein Auszug. 

Wer einen Buchtitel wie „Das anständige Unternehmen“ liest, denkt wahrscheinlich an große Wirtschaftsskandale, an Korruption, Kartellabsprachen oder Insiderhandel. Aber für kriminelle Handlungen ist die Justiz zuständig, für die Beruhigung des Publikums gibt es Ethik-Kommissionen, für die sich blähende Werte-Orientierung die Öffentlichkeitsarbeiter in den Unternehmen.

Das anständige Unternehmen geht anders. Erstens, weil Anstand nicht im Gesetz steht. Anstand realisiert sich vielmehr auf der breiten (aber immer enger werdenden) Straße des Legalen. Zweitens, weil Wirtschaft für die meisten Menschen am eigenen Arbeitsplatz konkret wird, dort, wo sie fünf, acht, manchmal zwölf Stunden täglich verbringen. Was Menschen dort erleben, prägt sie für das Leben in der Zivilgesellschaft. Und die inneren Übergriffe der Firmen spiegeln nur die äußeren.

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Zum Autor

  • Reinhard Sprenger

    Reinhard Sprenger zählt zu den renommiertesten deutschsprachigen Managementautoren. Führungserfahrung sammelte er bei 3M und Adecco.

Die rekrutierstarken Ideologien dieser Übergriffe - die Optimierung, die Vorsorge, die Fürsorge, die Transparenz, das Echte – haben vordergründig die Vernunft auf ihrer Seite, gar das Menschenfreundliche. Aber ihre Konsequenzen sind alles andere als menschenfreundlich: Entmündigung, Konformitätsdruck, Erniedrigungsbürokratie. Umzingelt von fürsorgenden, hilfreichen und wohlmeinenden Institutionen geben die Menschen so freiwillig und arglos ihre Freiheit auf und tauschen sie gegen Zielvorgaben, Frauenquote, Gesundheitsförderung und anonyme Mitarbeiterbefragungen. Das Grundgesetz sagt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist falsch. Im Unternehmen wird sie täglich angetastet.

Dies muss gezeigt werden vorrangig für  den institutionellen Rahmen, innerhalb dessen sich Chef und Mitarbeiter bewegen, die Strukturen, die Führungsinstrumente, die Kommunikationen. Welches Menschenbild setzt dieser Rahmen voraus? Welche Form des Miteinander-Umgehens macht er unwahrscheinlich? Welche Grenze setzt und überschreitet er? Setzt man den Menschen als Freiheitswesen voraus, dann treten viele Institutionen dem Menschen zu nahe, sind zum Teil hochinvasiv.

Als Deutschlands profiliertester Managementberater und einer der wichtigsten Vordenker der Wirtschaft berät Reinhard K. Sprenger alle wichtigen Dax-100-Unternehmen. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Tobias Ebert

Als Deutschlands profiliertester Managementberater und einer der wichtigsten Vordenker der Wirtschaft berät Reinhard K. Sprenger alle wichtigen Dax-100-Unternehmen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Tobias Ebert

Dagegen setze ich den Anstand durch Abstand.  Aus dem Gebot des Anstands leite ich fünf Prinzipien als Handlungsempfehlungen ab. Diese Prinzipien sind aus guten Gründen negativ formuliert. Wir müssen uns dringend von einer Logik lösen, die die Unternehmen zusehends verkrustet: Im Management kommt immer etwas hinzu. Selten sagt jemand: „Das machen wir nicht mehr.“ Oder: „Das fangen wir erst gar nicht an.“ Eine negative Unternehmensethik hingegen zeigt, was zu lassen ist. In Zeiten disruptiver Veränderungen reicht das Reparieren und Verbessern nicht mehr. Wir müssen uns ersatzlos trennen: von etlichen Werten und Institutionen, die angeblich bewährt sind, die aber mit dem Menschen als Freiheitswesen nicht vereinbar sind.

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3 Kommentare zu Reinhard Sprengers neues Buch: Was richtige Führung ausmacht

  • Provokante Tesen. Quergedachte Welt-, Erfahrungs- und Menschenbilder. Extreme definieren die Mitte. Zu weit für die Meisten und nicht weit genug für Holisten.

  • Ein wichtiges Theam, das in der richtigen Weise aufbereitet wurde. Der Ansatz wäre konstruktiv unterstützt, wenn die Beteiligten sich ihrer individuellen Stärken und Talente bewusst wären. Aus dem persönlichen Stärken-Geflecht ergeben sich pro Person völlig unterschiedliche Kontributionen, Bedürfnisse, Auslöser für toxisches Verhalten und Frustrations-Quellen. Wird all dies berücksichtigt, kann eine noch effektivere Führung umgesetzt werden.

  • nach einem langen Berufsleben als Ingenieur, stets irgendwo zwischen oben und unten, also führend und geführt, sehe ich das Thema ganz pragmatisch. Persönlich habe ich das Thema immer auch mit der Frage der Unternehmenskultur verbunden. Kleinigkeiten wie der direkte Zutritt der Mitarbeiter zum Chef, nicht über das Vorzimmer spielten dabei eine Rolle. Und die Bereitschaft, Gespräche möglichst direkt und nicht über das Telefon zu führen. Je nach Job kann der direkte Kontakt, die kurze Rückkopplung, ziemlich wichtig sein. Das ist für den Chef keine Mühe, sondern vermittelt Sicherheit- er hat "seinen Laden im Griff", ganz unauffällig. Dabei entsteht auch interne Transparenz, ein wichtiges Qualitätsmerkmal!
    Ein guter Chef hat meistens gute Mitarbeiter. Das ergibt sich irgendwie zwangsläufig, auch über Fluktuation. Gute Mitarbeiter sind begehrt, sie haben es nicht notwendig, für einen cholerischen, unkommunikativen über inkompetenten Chef zu arbeiten. Gute Mitarbeiter entlasten letztlich auch den Chef- wer in seinem Stab keine Unterstützung findet, ist selber schuld!
    Meinen Beifall finden kritische Überlegungen zu (häufig über Schulungen vermittelte) "Führungsinstrumente. Sind Zielvereinbarungen nicht meistens "Verträge unter Ungleichen"? Ist die Erreichung von Zielen nicht oft abhängig von Parametern, die nicht im Einflussbereich des "Vereinbarungspartners" liegen? Ist ein solches Verfahren dann fair? Ich denke, nein!
    Was soll durch formale Mitarbeitergespräche nach Zeitplan erreicht werden? Haben sich die Verfechter dieses Verfahrens je klar gemacht, wie schwierig es ist, einen Mitarbeiter kompetent und sorgfältig zu beurteilen? Nach meiner Erfahrung ist kompetente, sich aus der Situation ergebende Ansprache für Chef und Mitarbeiter wichtig, ich bestelle mir hierzu jedoch nicht einfach ein armes Würstchen ins Büro und führe mit ihm ein Gespräch mit Stimmungslenkung nach der Hoshin-Methode!

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