Der Bestsellerautor Rolf Dobelli erklärt in seinem neuen Buch, weshalb wir ohne innere Ruhe erfolglos bleiben – und wieso der Verzicht auf Nachrichten dabei hilft, ein gutes Leben zu führen.

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InterviewRolf Dobelli: Warum Gelassenheit die Karriere befeuert

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Bestsellerautor Rolf Dobelli erklärt in seinem Buch warum Gelassenheit die Karriere befeuert.

von Daniel Rettig

Der Bestsellerautor Rolf Dobelli erklärt in seinem neuen Buch, weshalb wir ohne innere Ruhe erfolglos bleiben – und wieso der Verzicht auf Nachrichten dabei hilft, ein gutes Leben zu führen.

WirtschaftsWoche: Herr Dobelli, was macht ein gutes Leben aus?
Rolf Dobelli: Das lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Ich kann Ihnen aber sagen, was ein gutes Leben verhindert.

Und zwar?
Vereinfacht gesagt geht es darum, dem ganzen Blödsinn aus dem Weg zu gehen, anstatt nach ultimativer Glückseligkeit zu streben. Nicht was Sie hinzufügen, macht ein Leben reich, sondern was Sie aussparen.

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Genau darum geht es in Ihrem neuen Buch „Die Kunst des guten Lebens“. Warum benötige ich einen Werkzeugkasten für ein sinnvolles Leben?
Viele Menschen glauben, das gute Leben sei ein Zustand – falsch. Das gute Leben gelingt nur durch ständiges Nachjustieren. Und dabei sollte man sich nicht auf seine Intuition verlassen, sondern auf seine Vernunft vertrauen. Es gibt Denkwerkzeuge, die es ermöglichen, die Welt objektiver zu sehen und langfristig vernünftig zu handeln. Sie garantieren zwar kein gutes Leben. Aber sie helfen, im Durchschnitt besser zu entscheiden und besser zu handeln.

Zur Person

  • Rolf Dobelli

    Bevor Rolf Dobelli Schriftsteller wurde, studierte er Philosophie und Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen. Es folgten eine Konzernkarriere bei der Fluggesellschaft Swissair und die Gründung eines eigenen Start-ups. Sein neues Buch „Die Kunst des guten Lebens“ ist seit 13. Oktober erhältlich.

Haben Sie ein Beispiel für ein Denkwerkzeug?
„Mentale Buchhaltung“. Früher habe ich mich über Strafzettel geärgert, besonders wenn kein legaler Parkplatz zu finden war. Heute verschenken meine Frau und ich jedes Jahr einen im Voraus bestimmten Betrag für gute Zwecke — abzüglich der Parkbußen. Das kommt höchstens drei Mal im Jahr vor, beruhigt aber sehr effizient.

In „Die Kunst des klaren Denkens“ und „Die Kunst des klugen Handelns“ ging es um Denkfehler. Reicht deren Kenntnis nicht aus, um glücklich zu sein?
Das Thema des guten Lebens hat sich mir in den vergangenen fünf Jahren immer stärker aufgedrängt. Es ist ja auch nur einen Steinwurf von den Denk- und Handlungsfehlern entfernt. Außerdem verstehe ich nicht, wie man überhaupt leben könnte, ohne diese Frage mal gründlich durchzudenken. Wie die beiden Vorgängerbücher habe ich dieses Buch primär für mich selbst geschrieben. Um mir Klarheit zu verschaffen.

Stress als Statussymbol Gelassenheit muss man üben

Wer busy ist, wird anerkannt. Betriebsamkeit gilt als Maßstab für Leistung. Das macht allerdings nicht glücklich, sondern krank. Aus dem Hamsterrad entkommen Sie mit Gelassenheit. Doch die zu lernen, ist nicht leicht.

Tipp 6:  SelbstbeobachtungAchten Sie auf sich und Ihre Art zu arbeiten. Denn jeder Mensch ist anders. Während der eine ein Morgenmensch ist, der schon nach dem Frühstück viel erledigen kann, dann stehen sie früh auf und reservieren Sie sich eine störungsfreie Zeit, in der Sie in Ruhe arbeiten. Sind Sie ein Morgenmuffel und erst ab mittags so richtig warmgelaufen, dann starten Sie lieber gemütlich in den Tag. Teilen Sie sich Ihren Tag ein, so wie es Ihnen am effektivsten erscheint. Quelle: dpa/dpaweb

Ihre Bücher verkaufen sich weltweit millionenfach. Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?
Mir geht es wie allen erfolgreichen Menschen: Im Grunde habe ich meinen Erfolg nicht wirklich verdient, sondern verdanke ihn Glück und Zufall. Deshalb muss ich bescheiden bleiben. Es gehört fundamental zum guten Leben, sich nicht zu wichtig zu nehmen.

Warum?
Sich wichtig zu nehmen kostet Energie. Einerseits schicken Sie Ihre Selbstdarstellungen in die Welt hinaus. Gleichzeitig sind Sie wie ein Radar permanent damit beschäftigt, zu registrieren, wie die Umwelt darauf reagiert. Je wichtiger Sie sich nehmen, desto schneller tun Sie Dinge, um sich selbst zu erhöhen. Und Sie züchten sich Feinde heran. Wer sich wichtig nimmt, lässt nicht zu, dass andere sich auch wichtig nehmen.

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