Selbstüberschätzung: Nur die Chefs selbst glauben an ihre Führungsqualitäten

Selbstüberschätzung: Nur die Chefs selbst glauben an ihre Führungsqualitäten

Erfahren, erfolgreich - und immer so bescheiden: 80 Prozent der Seniormanager sind sehr mit sich zufrieden. Fragt man Berufseinsteiger, was sie von ihrem Chef halten, zeigt sich ein ganz anderes Bild.

Eigen- und Fremdwahrnehmung sind immer so eine Sache, das geht schon bei der Optik los. Doch auch beim Verhalten scheinen wir manche Sachen ganz anders zu interpretieren, als unser Umfeld. Offenbar geht es zumindest Führungskräften so. So hatte erst vor Kurzem eine TNS Infratest-Umfrage gezeigt, dass Führungskräfte sich für sehr flexibel halten, während ihre Angestellten sagten: Bevor der was ändert oder sich anpasst, friert die Hölle ein. Jetzt hat auch die Initiative Zukunftsfähige Führung (IZF) herausgefunden, dass es einen großen Unterschied gibt, zwischen dem, was erfahrene Manager von sich und ihrem Führungsstil halten und dem, wie ihr Team das bewertet.

Schlechtes Zeugnis der Mitarbeiter

Die izf wollte eigentlich wissen, was Führung zukunftsfähig macht und hat das Institut für Demoskopie Allensbach beauftragt in den Führungsetagen deutscher Unternehmen nachzufragen: Was muss ein guter Chef draufhaben, wie sollte eine gute Chefin sein? Die Antworten auf diese Fragen fielen wenig überraschend aus: Kritikfähig muss der perfekte Chef sein, Aufgaben und Verantwortungen delegieren, Entscheidungen treffen und auch zu ihnen stehen. Die perfekte Führungskraft sollte ihren Mitarbeitern konstruktives Feedback geben, die Leistungen anerkennen, teamfähig sein.

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Wunsch und Wirklichkeit klaffen - ebenfalls nicht sonderlich überraschend - häufig auseinander: So sagen 62 Prozent der Berufsanfänger, dass sie ihrem Chef mit allem kommen könnten, nur nicht mit Kritik und auch von Förderung haben viele Vorgesetzte offenbar noch nichts gehört. Nur gut jede dritte Nachwuchskraft fühlt sich von ihrem Vorgesetzten in der Umsetzung der eigenen Fähigkeiten und Potenziale begleitet und unterstützt. Von flexiblen Arbeitszeiten, Work-Life-Balance und anderen neumodischen Spielereien ganz zu schweigen. Jede fünfte Nachwuchskraft hält das Führungsverhalten des eigenen Vorgesetzten für nicht zukunftsfähig. Ein rundum schlechtes Zeugnis also, was die jungen Mitarbeiter ihren Vorgesetzten ausstellen.

Vorgesetzte halten sich für sehr geeignet

Und die Chefs? 80 Prozent sind sehr zufrieden mit sich und ihrem Führungsstil. "Es überrascht, wie viele gegensätzliche Ergebnisse die Studie liefert und wie weit die Wahrnehmungen von Führungskräften und Nachwuchs auseinanderliegen", so Menno Harms, Vorsitzender der IZF. Führungskräfte bringen ihrer eigenen Einschätzung nach ganz überwiegend die notwendigen Kompetenzen und Verhaltensweisen mit:

Vergleicht man die Anforderungen, die Führungskräfte als wichtige Eigenschaften eines guten Chefs oder einer guten Chefin definieren und wie sie sich selbst einschätzen, gibt es nur wenige Differenzen. Und die auch nur in drei Punkten: So gibt manch einer zu, nicht so entscheidungsstark zu sein, wie es vielleicht nötig wäre, Kritik nicht immer ganz sachlich und konstruktiv zu formulieren und vielleicht sei auch die ein oder andere Anweisung nicht immer ganz klar - aber sonst? Vollständige Übereinstimmung zwischen Anforderungsprofil und der eigenen Wahrnehmung.

Aber immerhin: Sehr viele Berufseinsteiger haben Führungskräfte, die Aufgaben und Verantwortung delegieren können. Dumm nur, dass diese Führungskräfte sich zeitgleich sehr selten an gemachte Absprachen halten und zu den getroffenen Entscheidungen stehen. Da kann die am Montag übertragene Verantwortung am Dienstags schon wieder weg sein.

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