Serie Arbeitsrecht: Wenn Arbeitgeber bei Aufhebungsverhandlungen tricksen

GastbeitragSerie Arbeitsrecht: Wenn Arbeitgeber bei Aufhebungsverhandlungen tricksen

von Christoph Abeln und Claudia Tödtmann

Unternehmen sind raffiniert, wenn sie sich von Führungskräften trennen möchten. Wie sie Managern die Kündigungsfrist unrechtmäßig verkürzen.

Wenn sich eigentlich alle Beteiligten einig sind und ein Aufhebungsvertrag schon fast unterschrieben ist, ziehen Personalabteilungen gerne mal einen Joker aus dem Ärmel, der eigentlich gar keiner ist - sondern ein Bluff.

So wie bei einem Manager der Health-Care-Branche: Die Verhandlungen über den Aufhebungsvertrag waren bereits weit fortgeschritten. Man war sich einig, dass nach zehn Jahren der Zeitpunkt für einen Neuorientierung gekommen sei. Die Abfindung war schon ausgehandelt, die Kündigungsfrist dauerte noch neun Monate bis zum Quartalsende.

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Für die WiWo klärt Arbeitsrechtler Christoph Abeln über die fiesen Tricks der Unternehmen im Umgang mit Führungskräften auf. Quelle: Presse

Für die WiWo klärt Arbeitsrechtler Christoph Abeln über die fiesen Tricks der Unternehmen im Umgang mit Führungskräften auf.

Bild: Presse

Doch dann sorgte die Personalabteilung für eine besondere Überraschung: Verhandlungen seien doch stets ein Geben und Nehmen, orakelte der Personalchef. Natürlich wolle man die Kündigungsfrist achten, aber bei so einer langen Dauer müsse die "Abfindung dann schon verhältnismäßig reduziert werden", sagte er zu dem Manager.

Trickreiche Argumentation

Dabei ist das nur ein oft genutzter Argumentationstrick, um die Führungskraft auf dem Absprung zu täuschen und sie auch gleich herunterzuhandeln.

Über die Serie

  • „Wenn Ihr Unternehmen Sie loswerden möchte“

    Unternehmen greifen immer öfter zu fiesen Tricks, wenn sie sich von Führungskräften trennen möchten. Oft ist die Strategie nicht gleich erkennbar, aber es gibt Indizien. Die Varianten schildert Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht und seit vielen Jahren auf die Vertretung von Managern und leitenden Angestellten spezialisiert. In der neuen WiWo-Serie zeigt der Rechtsanwalt die Methoden auf, die ihm tagtäglich begegnen.

    Redaktion: Claudia Tödtmann

Denn: Die Kündigungsfrist sowie die Zeit der Lohnfortzahlung ist bei Abfindungsverhandlungen keine Verhandlungsmasse. Vielmehr ist sie gerade einmal das Minimum, also die Basis für einen Aufhebungsvertrag.

Kein Angestellter braucht sich bei Abfindungsverhandlungen nehmen zu lassen, was per Gesetz festgeschrieben ist - selbst wenn die Personalabteilung wiederholt suggeriert, der Führungskraft angeblich großzügig entgegenzukommen.

Die nächste Falle: Agentur für Arbeit

Weitere Artikel

Lässt sich ein Manager auf eine verkürzte Kündigungsfrist ein, steht er vor einem weiteren Problem. Die Agentur für Arbeit sieht in einer verkürzten Kündigungsfrist stets den Versuch, Sozialversicherungsbeiträge zu umgehen und einzusparen.

Die fatale Folge: Sie spricht eine sogenannte Ruhensanordnung des Arbeitslosengeldes für die verkürzte Zeit aus. Im Endeffekt wird dadurch die Abfindung des Managers gesenkt. Es tritt also genau das Gegenteil davon ein, was er sich erhofft.

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