Serie Arbeitsrecht: Wenn Arbeitgeber kranken Führungskräften das Gehalt stoppen

Serie Arbeitsrecht: Wenn Arbeitgeber kranken Führungskräften das Gehalt stoppen

von Christoph Abeln und Claudia Tödtmann

Unternehmen greifen immer öfter zu Tricks, wenn sie sich von Führungskräften trennen möchten. Mitunter stoppen sie erkrankten Managern einfach mal das Gehalt zu stoppen.

Wenn jemand schon in einem Moment der Schwäche ist, hat man umso leichteres Spiel mit ihm. Getreu nach diesem Motto verfahren auch Unternehmen, wenn Führungskräfte krank werden, die ihnen ein Dorn im Auge sind. So erging es auch dem Geschäftsführer einer mittelständischen Bank, der sich beim Skifahren einen komplizierten Handbruch zugezogen hatte.

Anzeige

Für die WiWo klärt Arbeitsrechtler Christoph Abeln über die fiesen Tricks der Unternehmen im Umgang mit Führungskräften auf. Quelle: Presse

Für die WiWo klärt Arbeitsrechtler Christoph Abeln über die fiesen Tricks der Unternehmen im Umgang mit Führungskräften auf.

Bild: Presse

Nachdem er sich knapp vier Wochen zuhause auskuriert hatte, ereilte ihn gleich der nächste Schock: Der Arzt diagnostizierte einen Bandscheibenvorfall aufgrund seiner ständigen Arbeitsüberlastung. Wieder wurde er krankgeschrieben und fiel mehrere Wochen aus. Der Arbeitgeber witterte in diesem Moment der Schwäche seines Mitarbeiters seine Chance, ihn unter Druck zu setzen. Schon länger nämlich wollte man den Bankmanager loswerden.

Über die Serie

  • „Wenn Ihr Unternehmen Sie loswerden möchte“

    Unternehmen greifen immer öfter zu fiesen Tricks, wenn sie sich von Führungskräften trennen möchten. Oft ist die Strategie nicht gleich erkennbar, aber es gibt Indizien. Die Varianten schildert Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht und seit vielen Jahren auf die Vertretung von Managern und leitenden Angestellten spezialisiert. In der neuen WiWo-Serie zeigt der Rechtsanwalt die Methoden auf, die ihm tagtäglich begegnen.

    Redaktion: Claudia Tödtmann

Der Trick, den die Bank anwandte, war ein besonders perfider: Sie stellte einfach von heute auf morgen seine Gehaltszahlungen ein. Und das mit einer haarsträubenden Begründung: Beim Bruch der Hand und dem Bandscheibenvorfall handele sich um eine sogenannte Fortsetzungserkrankung.

Der Hintergrund: Eigentlich müssen Arbeitgeber nach Paragraph 3 des Entgeltfortzahlungsgesetzes bis zu sechs Wochen nach der Erkrankung des Mitarbeiters das volle Gehalt zahlen. Erkrankt er in diesen sechs Wochen an einer anderen Krankheit, beginnt die Sechs-Wochenfrist von Neuem.

Die Folge: Sobald der Arbeitgeber keinen Lohn mehr überweist, zahlt die Krankenversicherung ab dann nur noch das - deutlich niedrigere - Krankengeld. Bei Führungskräften mit entsprechenden Gehältern können dann schnell große Ausfallsummen zusammenkommen.

Manager mürbe machen

Das Problem für den Angestellten an dieser Unternehmenstaktik: Sein Gehalt mit einer Klage vor Gericht einzufordern, dauert allein in der ersten Instanz sechs bis neun Monate. Anders als Kündigungsschutzklagen unterfällt solch eine Gehaltsklage nicht dem sogenannten Beschleunigungsgrundsatz - und landet damit in der Warteschleife. Damit nicht genug: Dazu kommt, dass diese Arbeitnehmer selbst ihre Anwaltskosten zahlen müssen. Selbst, wenn sie später gewinnen, gibt es keinen Ersatz.

Weitere Artikel

Im Prozess trägt dann zwar das Unternehmen die sogenannte Darlegungs- und Beweislast und muss erklären, warum es sich - hier bei dem Bandscheibenvorfall - um eine Fortsetzungserkrankung des Handbruchs handelt. Weil es das gar nicht kann, wird es tatsächlich den Prozess bei seiner vorgeschobenen Begründung verlieren - aber trotzdem seinem Ziel näherkommen. Denn der Manager wird mürbe.

Er wird finanziell heftig unter Druck gesetzt - seine Verpflichtungen laufen weiter, aber der Lohn bleibt aus. Das Übelste: Wird er gesund und tritt seinen Job wieder an, darf er wegen des ausgebliebenen Gehalts nicht einmal die Arbeit verweigern. 

Denn dazu reicht es nicht aus, dass das Unternehmen einige Wochen die Lohnzahlungen einstellt, sagen die Arbeitsgerichte. 

Hier gibt es nur einen praktischen Tipp: Für solche Fälle sollten sich Führungskräfte immer ein entsprechendes finanzielles Polster von mindestens drei Bruttomonatsgehältern zurücklegen, um solche Schikanen nötigenfalls auszusitzen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%