Serie Wirtschaftswelten 2025: Die Digitalisierung verändert das Profil von Managern

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Serie Wirtschaftswelten 2025: Die Digitalisierung verändert das Profil von Managern

von Manfred Engeser

Weil Algorithmen künftig bisherige Managementaufgaben übernehmen, verändert die Digitalisierung die Organisation von Unternehmen und das Profil von Führungskräften.

Was für Nadine ein kurzer Adrenalinschub in der Freizeit ist, weist für Sony-Marketingmanager Darren Carter den Weg in die Zukunft seines Jobs: Mit mehr als 200 Kilometern pro Stunde lässt die junge Frau einen weißen Sportwagen durch die scharfe Rechtskurve einer virtuellen Rennstrecke rasen. Sie umklammert die Griffe ihrer Spielkonsole noch fester, der Wagen gerät ins Schlingern, fängt sich aber wieder und gewinnt das Rennen. Nadine ballt die rechte Hand zur Siegerfaust – und findet kurz darauf in ihrem E-Mail-Fach eine Nachricht: „Herzlichen Glückwunsch!“ Hinweise auf auf ein „High-Speed-Erlebnis, das jeden Hobbyrennfahrer packen wird“, und die Möglichkeit, „jederzeit mit allen Rennfahrern weltweit vernetzt“ zu sein, münden in die Aufforderung, sich doch auch mal mit einem neuen Rennspiel aus dem Hause Sony zu befassen: „Jetzt vorbestellen und einer der Ersten sein, die eine neuartige Art des Autorennens erleben.“

Serie "Wirtschaftswelten 2025"

  • Zur Serie

    Nichts wird bleiben, wie es ist. Das Internet verändert unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft, das ganze Leben. Datenanalyse ersetzt Bauchgefühl (Big Data), Brillen sprechen mit Autos (Internet der Dinge). Unternehmen müssen sich neu erfinden, Märkte bilden sich neu (informationsökonomische Revolution). Was bedeutet das für Arbeit, Mobilität, Geld, medizinische Versorgung? Und was wird aus uns? In der Kurztextgalerie finden Sie alle im Rahmen der Serie erschienenen Artikel.

  • Künstliche Intelligenz: Genies vom Fließband

    Lange waren denkende Computer nur Science-Fiction. Nun aber beantworten die smarten Maschinen schon E-Mails, planen unseren Urlaub und arbeiten als Dolmetscher. Bald sind sie klüger als wir - und können jeden Job übernehmen. Hier geht es zum Artikel.

  • Deutschland fehlt die Vision einer digitalen Gesellschaft

    Viele Menschen fürchten, im Zuge der Digitalisierung von Maschinen ersetzt zu werden. Doch diese Angst trübt den Blick für die Vorteile neuer Technologien, schreibt Gesche Joost.

  • Die Maschinen holen uns ein

    Maschinen lernen aus Daten, und zwar sehr schnell. Wie gut, dass wir ihnen etwas Entscheidendes voraushaben, meint Viktor Mayer-Schönberger.

  • Roboter übernehmen das Steuer

    Intelligente Roboter-Autos chauffieren uns schon in wenigen Jahren durch die Städte – und machen dabei auch den eigenen Wagen überflüssig, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Rees.

  • Technologie muss eingeschränkt werden

    Künstliche Intelligenz zu verbieten, ist sinnlos. Doch wenn sie nicht eingeschränkt wird, wird sie uns nicht nur gewaltige Vorteile bringen - sondern auch gewaltige Nachteile, schreibt Gary Marcus.

  • Maschinen werden keine Revolten anzetteln

    Intelligente Maschinen werden die Arbeitswelt verändern. Es könnte zu Revolten kommen. Aber nicht durch die Maschinen - sondern durch jene Menschen, die von den Maschinen ersetzt wurden, warnt Patrick Ehlen.

  • Werden uns Roboter töten?

    Wir werden auch in Zukunft die Kontrolle über Maschinen behalten – falls wir uns klug und menschlich verhalten. Das ist möglich. Aber keinesfalls sicher, schreibt David Gelernter.

  • Wahre künstliche Intelligenz wird alles ändern

    Ist das Ende 40.000-jähriger, durch den Homo sapiens sapiens dominierter Geschichte in Sicht? Selbstlernende künstliche neuronale Netze erledigen manche Aufgabe schon heute besser als Menschen.

  • Mensch und Maschine wachsen zusammen

    Wichtige ethische Fragen sind bislang nicht nur unbeantwortet. Sie sind nicht einmal gestellt, mahnt Bernhard Rohleder.

  • Revolution der Maschinen

    Die Maschinen nähern sich einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Als speicherprogrammierte Rechner die ersten Befehle ausführen konnten, begannen die Maschinen die Kontrolle zu übernehmen, schreibt George Dyson.

  • Roboter werden zu Gefährten und Kollegen

    Roboter könnten uns eines Tages als Arbeitskollegen oder Gefährten unterstützen, glaubt der Wissenschaftler Guy Hoffman. Aber wie viel Kontrolle wollen wir den Maschinen überlassen?

  • Wie in Zukunft Krieg geführt wird

    Globale Vernetzung und immer billigere Waffen machen Kriege erschwinglich für alle. Wie sich Kriegsführung und -abwehr verändern, beschreibt das fiktive Protokoll einer Attacke aus dem Jahr 2025.

  • So erlebt ein Joghurt die Industrie 4.0

    Maschinen entscheiden, Werkstücke erteilen Befehle: Die digitale Fabrik verspricht die Annäherung an das Extrem einer Produktion ohne den Menschen. Die deutschen Unternehmen müssen aufpassen, dass die USA nicht vor ihnen in der Zukunft ankommen. Lesen Sie hier wie es um die Industrie 4.0 in Deutschland steht.

Absender dieser Mail ist, zumindest indirekt, Darren Carter. Der Vice President für Relationship Marketing von Sony Computer Entertainment Europe, lässt die Daten aus den Spielkonsolen so auswerten, dass die Nutzer Angebote seines Konzerns zugesandt bekommen, die zur augenblicklichen Spielsituation passen. Für Carter ist klar: „Wir sitzen auf einem wahren Datenschatz.“ Und den will der Marketingmanager heben.

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Vorbei die Zeiten, als Marketingleute aus dem Bauch entschieden, wie sie dem Kunden am besten beikommen – heute wissen sie alles über ihn. Und langsam wissen sie auch dieses Wissen zu nutzen. „Als uns klar wurde, auf wie viele Datenquellen wir zugreifen können, wussten wir anfangs fast gar nicht, was wir damit anfangen sollten“, sagt Carter. Heute hat seine Truppe Big Data gut im Griff: ob Kunden vor der eigenen Konsole oder der eines Freundes sitzen; wie erfolgreich sie sich auf der Jagd nach Punkten, Toren oder digitalen Prämien schlagen – und welche Schlüsse sich daraus ziehen lassen. So schafft es Sony, dass die Konsolen-Kunden jedes zweite der durch diese Kenntnisse verbreiteten Angebote annehmen.

Interview mit Rolf Pfeifer "Maschinen haben das Kommando übernommen"

Der europäische Vordenker für künstliche Intelligenz, Rolf Pfeifer, spricht über die Verschmelzung von Mensch und Maschine, unsere Abhängigkeit von Technologien und ein Internet für Roboter.

Quelle: Tanja Demarmels für WirtschaftsWoche

Wenige Mausclicks ersetzen nun Millionenausgaben für langwierige Marktforschung oder Werbekampagnen.

Entscheidungen in Echtzeit

Das heißt auch: Carters Managementjob bei Sony ist ein deutlich anderer als noch vor wenigen Jahren. Superalgorithmen greifen nun in seine Arbeit ein; Datenmassen ermöglichen ihm einen direkten Blick auf seine Kunden; die allumfassende Vernetzung erfordert Entscheidungen in Echtzeit zu plötzlichen Änderungen des Geschäftsumfelds.

Das alles wird nicht nur Aufgaben und Organisation des Marketings auf den Kopf stellen, sondern alle Bereiche der Wissensarbeit erfassen. Knapp 380 Milliarden US-Dollar, so eine Prognose von McKinsey, werden im Jahr 2025 allein durch die Digitalisierung der Wissensarbeit und Big-Data-Services erwirtschaftet. Allein US-Einzelhändler könnten laut den Berechnungen des Beratungsunternehmens durch den cleveren Einsatz von Analysesoftware ihre Gewinnmargen um mehr als 60 Prozent steigern; der US-Gesundheitssektor könnte seine Kosten um acht Prozent senken.

In Deutschland stellte in der abgelaufenen Woche eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages fest: Alle Fach- und Führungskräfte müssten „über digitale Kompetenzen verfügen, um in ihrer Domäne künftig handlungsfähig zu sein“.

Intelligente Algorithmen ersetzen mittelfristig aufwendige, händische Marktforschung ebenso wie klassische Unternehmensberater und Werbeagenturen. Konzerne versetzen sie gleichzeitig in die Lage, Produkte zu entwickeln, die den Wünschen der Konsumenten 100-prozentig entsprechen – hergestellt in variabler Stückzahl, in flexibel organisierten Produktionsstätten, die über den ganzen Globus verteilt sind und sich dezentral steuern lassen.

So werden sie Arbeitsabläufe und Aufgabenverteilung in Unternehmen genauso verändern wie Stellenprofile und Zuständigkeiten – und damit letztlich Management und Organisation eines Unternehmens. Vom Marketing bis zur Produktion, vom Finanzbereich bis zum Personal, vom Sachbearbeiter bis zur Vorstandsetage.

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