Serie Wirtschaftswelten 2025: Spielerisches Programm

ThemaManagement

Serie Wirtschaftswelten 2025: Die Digitalisierung verändert das Profil von Managern

Spielerisches Programm

Auch um solche pfiffigen, außerhalb vorgegebener und festgefahrener Strukturen denkenden und handelnden Mitarbeiter zu finden, vertrauen Unternehmen seltener nur dem Bauchgefühl der Führungskräfte.

Stattdessen filtern Algorithmen aus der Masse der Bewerber die interessantesten heraus – interne wie externe. Das ist oft nicht nur genauer, als der Kollege Mensch es könnte, sondern auch schneller.

Google etwa lässt Algorithmen nicht nur darüber entscheiden, welche Interviewtechniken am besten dafür geeignet sind, gute Mitarbeiter zu finden. Sondern auch, wer nach welchem Muster wie viel verdienen soll.

Spielerisch geht Guy Halfteck die Suche nach den besten Mitarbeitern an: Weil sich seine Bewerbung bei einer Private-Equity-Gesellschaft einst zu einer monatelangen Hängepartie auswuchs, entwickelte er Wasabi Waiter – eine Spiele-App, bei der man in die Rolle eines Kellners schlüpft und Gäste eines Sushi-Restaurants bedient. Deren Laune schwankt, es drängeln sich immer wieder neue Gäste durch die Tür, das Küchenpersonal trödelt, Teller müssen abgeräumt und abgespült, der Tresen in Schuss gehalten werden.

Die Entwicklungsstufen Künstlicher Intelligenz

  • 1950 - Alan Turing

    Der britische Informatiker entwickelt den nach ihm benannten Test. Er soll ermitteln, ob eine Maschine denken kann wie ein Mensch. Ein russischer Chat-Roboter soll ihn 2014 erstmals bestanden haben.

  • 1956 - Dartmouth-Konferenz

    Experten einigen sich auf den Begriff "Künstliche Intelligenz". Der Rechner IBM 702 dient ersten Forschungen.

  • 1974 - Erster KI-Winter

    Katerstimmung bei den Forschern: Die Fortschritte bleiben hinter den Erwartungen zurück. Computer sind zu langsam, ihre Speicher zu klein, um die Daten von Bildern oder Tönen zu verarbeiten. Budgets werden gestrichen, erst ab 1980 geht es wieder voran.

  • 1997 - Deep Blue

    Der Supercomputer von IBM siegt im Schachduell gegen Weltmeister Garry Kasparov. Die Maschine bewertete 200 Millionen Positionen pro Sekunde. 2011 siegt IBMs Software Watson in der Quizsendung "Jeopardy".

  • 2005 - Ray Kurzweil

    Der KI-Forscher sagt in einem Buch für das Jahr 2045 den Moment der "Singularität" voraus: Die Rechenleistung aller Computer erreicht die aller menschlichen Gehirne. Seit 2012 arbeitet Kurzweil für Google an KI-Systemen.

  • 2014 - KI-Boom

    Ein Google-Programm beschreibt präzise in ganzen Sätzen, was auf Fotos zu sehen ist. Nahrungsmittelkonzern Nestlé kündigt an, 1000 sprechende Roboter namens Pepper in seinen Kaffeeläden in Japan als Verkäufer einzusetzen. Physiker Stephen Hawking warnt: KI könne eines Tages superschlau werden – und die Menschheit vernichten.

  • 2045 - Roboter-Revolution

    Computer sind schlau wie Menschen – und machen sogar Witze. Fabriken, Verkehr und Landwirtschaft sind nahezu komplett automatisiert.

Kurz: Wer hier möglichst gut abschneiden will, braucht schnelle Auffassungsgabe, Durchhaltevermögen, eine große Portion Empathie, die Fähigkeit, Dringlichkeit und Bedeutung von Aufgaben zu gewichten. Und hinterlässt dabei in einer Viertelstunde mehr verwertbare und aussagekräftige Spuren als in einem zweitägigen Assessment-Center.

Dass Halftecks Spielesoftware nicht nur in der Lage ist, die Qualität potenzieller neuer, sondern auch langjähriger Mitarbeiter zu eruieren, zeigte sich bei Shell: Der Ölkonzern prüfte mithilfe von Wasabi Waiter, ob er seine Innovatorenteams tatsächlich mit den am besten geeigneten Mitarbeitern besetzt hatte. Ergebnis: Die Einschätzungen des Computers deckten sich mit denen, die das Management selbst mit klassischen Bewertungsmethoden erzielt hatte. Der Unterschied: die Manager brauchten zwei Jahre, der Rechner wenige Tage.

Allerdings: Unternehmen, die den Konkurrenzkampf im Zeitalter der Digitalökonomie überleben wollen, brauchen nicht nur die besten Algorithmen, sondern auch eine Arbeitsatmosphäre, die den Werten der Generation Digital bestmöglich Raum zur Entfaltung gibt. „Wer nicht die richtigen Leute in der richtigen Position hat und wer ein Unternehmen nicht über Unternehmenskultur und seine Mitarbeiter führt“, sagt Ellie Filler vom US-Headhunter-Unternehmen Korn Ferry, „rennt künftig zwangsläufig ins Verderben.“

Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts So könnte unsere Gesellschaft im Jahr 2030 aussehen

Smartphones, Tablets und Elektroautos: Im Jahr 2030 dürften die technischen Errungenschaften unserer Zeit so altbacken anmuten, wie heute ein Bakelit-Telefon. Unserer Gesellschaftsform könnte es ähnlich ergehen.

Die Grafik zeigt die Weltkarte mit verschiedenen Knotenpunkten. Quelle: Fotolia

Hunde: Ja, Massage: Nein

Wie etwa beim Textilfaserhersteller Gore, bei dem Mitarbeiter nicht als Untergebene, sondern als mündige, gleichberechtigte Associates gelten, die je nach Qualifikation und der Fähigkeit, andere zu motivieren, Projekte anstoßen und so lange in Führungsrollen schlüpfen können, wie sie und ihre Kollegen es für angemessen halten.

Oder bei der Online-Filmplattform Netflix, wo Mitarbeiter so viel Urlaub nehmen können, wie sie wollen. Beim Abrechnen der Spesen heißt es schlicht: „Handeln Sie im Interesse von Netflix.“ Und statt starrer Leistungsbeurteilung durch den Vorgesetzten gibt es formloses, aber intensives Feedback durch die Kollegen.

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Beim Online-Versender Zappos hängen nicht nur abgeschnittene Krawatten als Symbol altväterlicher, längst überkommener Herrschaftssignale am Eingang. Da sitzt der Chef als Primus inter Pares mittendrin an einem kleinen, überfüllten Schreibtisch, kaum sichtbar zwischen Hunderten von Mitarbeitern, auf der Allee der Affen. So heißen hier die Chefs, die keine sein mögen. Zumindest nicht auf dem Papier – denn Titel und Hierarchien hat Zappos-Chef Tony Hsieh längst abgeschafft. „No title“ heißt es ganz konsequent auch auf den Visitenkarten, auf denen nur Name des Mitarbeiters und des Unternehmens zu lesen ist. Stattdessen baut Hsieh das 1500 Mitarbeiter starke Unternehmen, das 2009 für 1,2 Milliarden Dollar von Amazon übernommen wurde, nun nach dem Prinzip der Holacracy um.

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