Smart Casual : Bei JP Morgan bleibt die Krawatte zu Hause

Smart Casual : Bei JP Morgan bleibt die Krawatte zu Hause

Jetzt also auch eine Bank – ausgerechnet eine Bank. Bei JP Morgan dürfen viele Angestellte künftig auf Schlips und Kragen verzichten. Auch in Deutschland lockern Banken den Krawattenknoten.

Es geht weiter mit der neuen Lockerheit in der Wirtschaft: Bei der Verleihung des Laureus Sport Awards in Berlin erschien der Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche in Anzug mit Fliege – und weißen Turnschuhen. Zuvor hat er auch schon bei der Jahrespressekonferenz die Krawatte weggelassen – als Zeichen eines Kulturwandels. Auch die Führungsspitze des Dax-Konzerns Continental verzeichnete bei der Vorlage der Jahreszahlen auf Krawatten und der ehemalige Deutsche Bank-Co-Chef Anshu Jain

macht den Rucksack zum Anzug salonfähig.

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Doch bislang galt immer: Egal, was Manager und Angestellte bei Autobauern, Medienhäusern oder Unternehmensberatungen tragen oder nicht tragen mögen – es gibt eine Branche, bei der ist mit dem Dresscode nicht zu spaßen: die Finanzbranche. Bei Banken und Versicherern gilt: dunkler Anzug, weißes Hemd, Krawatte, Manschettenknöpfe. Die Damen im dunklen Kostüm, Schuhe mit dezentem Absatz, Strumpfhosen.

Und zwar unabhängig von Außentemperaturen oder persönlichem Stil.

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Und jetzt das: Eine amerikanische Großbank, das Traditionshaus JP Morgan Chase, schafft den Krawattenzwang ab. Laut einem Bericht des Wallstreetjournals wolle man damit weniger den Angestellten einen Gefallen tun, als viel mehr ein Zeichen setzen, dass Banken, die in direkter Konkurrenz mit FinTechs stehen, nicht so verstaubt sind, wie viele glauben. Einige Mitarbeiter der oberen Führungsebenen – Chef Jamie Dimon inklusive – trügen schon seit einigen Jahren nicht mehr zu jeder Gelegenheit Frack und Fliege, nun kommen auch normale Angestellte in diesen Genuss.

Der Investmentbanker muss allerdings weiterhin Anzug tragen und auch im Kundengespräch wird kein Bankberater im Jogginganzug auftauchen. Angeordnet wurde "casual", also gehobene Freizeitkleidung. Die Jeans mit Hemd und Jackett, oder Baumwollhose, Polohemd, Jackett.

"Das ist Teil der Veränderung: Große Unternehmen wie unseres versuchen, mehr auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu reagieren", erklärt der Vizechef der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers, Tim Ryan den Trend zur Jeans statt Anzughose. "Genauso steht die Bankbranche vor Veränderungen – auch bedingt durch den Fachkräftemangel."

Das bedeuten die verschiedenen Business-Dresscodes

  • Casual

    Bedeutet gehobene Freizeitkleidung, also: Baumwollhose, Polohemd, Jackett. Beim Business Casual putzen sich die Leute mehr heraus: Frauen tragen Kostüm oder Hosenanzug, nicht zu hohe Schuhabsätze, unsichtbare Zehen. Männer tragen eine Kombination, die Krawatte kann im Schrank bleiben.

  • Smart Casual

    Meist bei Einladungen nach der Arbeit. Konservativ: Er trägt Anzug, aber keine Brauntöne. Sie: Kostüm oder Hosenanzug, aber keine großen Handtaschen mit Schulterriemen. Einzig richtig: Clutchbags – kleine Handtäschchen ohne Riemen. Rocklänge: nie kürzer als eine Handbreit über dem Knie.

  • Informal

    Damen: halblange, elegante Kleider
    Herren: dunkelgraue oder schwarze Anzüge.

  • Black Tie

    Gerne zu Abendanlässen. Er: Smoking, Hemd mit Doppelmanschetten, Kummerbund und Einstecktuch, schwarze Fliege, schwarze Schuhe. Sie: schwarze lange Robe, Tasche (kleiner als der Kopf). Accessoires gerne farbig.

  • White Tie

    Er: Frack, weiße Weste mit tiefem Ausschnitt, Stehkragenhemd mit verdeckter Knopfleiste, weiße Fliege, Lackschuhe. Sie: bodenlanges Abendkleid in Schwarz, Weiß oder Grau (Schultern bei Ankunft bedeckt). Zum Ballkleid geschlossene Schuhe mit Seidenstrümpfen. Findet der Ball im Hochsommer statt, auch hohe Sandaletten – dann ohne Strümpfe.

  • Cocktail

    Zu eleganten Partys und Vernissagen ab 16 Uhr. Er: dunkler Anzug, Hose mit Bügelfalte, einfarbiges Hemd, dunkle Krawatte, lässiger Schnürschuh. Sie: das kleine Schwarze. Schultern, Dekolleté und Bein dürfen gezeigt werden.

  • Jacketts

    Werden oft falsch zugeknöpft. So ist es richtig: Zweireiher immer geschlossen. Sakko mit zwei Knöpfen: ein Knopf geschlossen, wahlweise der untere oder der obere. Drei-Knopf-Sakko: beide oberen Knöpfe zu oder nur der mittlere. Vier-Knopf-Sakko: die beiden mittleren oder die drei oberen Knöpfe geschlossen. Fünf-Knopf-Sakko: alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben zu. Frack: wird immer offen getragen. Weste: alle Knöpfe bis auf den untersten bleiben geschlossen.

  • Kurzarmhemden

    Unter Sakkos tabu! Die Hemdmanschette muss unter dem Ärmel herausschauen. Richtig: Die Ärmel des Sakkos enden knapp über dem Handrücken, die Hemdmanschette schaut darunter einen Zentimeter heraus.

  • Einstecktuch

    Klassisch aus weißer Baumwolle, modern aus farbiger Seide oder Kashmir. Hat nie (!) dasselbe Muster wie die Krawatte, passt aber farblich dazu.

  • Krawatte

    Sie reicht exakt bis zur Gürtelschnalle, nicht länger, nicht kürzer. Der Knoten darf nie so dick werden, dass er den Kragen vom Hemd abdrückt.

  • Schuhe

    Ungepflegte Galoschen enttarnen jedes stilvolle Outfit als Verkleidung. Das Minimum ist ein Paar schwarzer Schnürschuhe aus Leder. Etwa ein Oxford – glatt mit schlichter Kappe. In Braun passt er auch zu Sportjacketts oder Tweedanzügen. Der Semi-Brogue eignet sich zu gemusterten Anzügen und weichen Stoffen. Auch er hat eine Kappe, die weist aber dezente Lochmuster wie beim Brogue auf. Der wird auch Budapester genannt und passt mit seinem typischen Lochmuster auf der geschwungenen Kappe und den Seitenflügeln zu Anzügen aller Art. Wirkt aber stets etwas konservativ.

Bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) ist man mittlerweile überzeugt, dass gute Beratung nicht von einem Anzug oder einem Kostüm abhängt, sondern von demjenigen, der in der Wäsche steckt. Da es außerdem gerade bei Regionalbanken auf Kundennähe ankommt und der Dreiteiler mittlerweile eher als modische Barriere wahrgenommen werden könnte, heißt der Dresscode nun auch bei der Haspa: Business casual – also Hemd, Jackett und Hose bei den Herren, Blazer, Bluse und Hose oder Rock bei den Damen. Auch Jeans, offene Kragen und Chinos sind erlaubt – Miniröcke und Bermudashorts dagegen nicht.

So kleiden Sie sich richtig

  • Wie Sie stilsicher werden

    Wie kleidet man sich ordentlich? Dabei geht es um mehr als die Frage, ob mit oder ohne Krawatte. Welche Aussagen lassen sich durch welche Kleidung transportieren? Das ist keineswegs Jacke wie Hose. Ein Crashkurs.

  • It fits

    Im Englischen heißt es „it fits“, wenn etwas passt. Daher das Wort „Outfit“. Ihre Kleidung sollte in drei Kategorien passen: Dem Anlass entsprechend, dem Typ entsprechend und der individuellen Aussage entsprechend. Genau in der Schnittmenge liegt das für sie optimale Outfit.

  • Für Banken, Versicherungen, Rechtsabteilungen und Buchhaltung

    Anzug oder Kostüm sollten Werte wie Vertrauen und Sicherheit widerspiegeln. Das gilt auch für Mitarbeiter im Back-Office. Ein Ziel ist Understatement. Die Kleidung sollte modern und nicht bieder wirken; dunkle Business-Farben wirken am besten.

  • In Management, Controlling, Marketing und PR

    Es gilt, einen Tick schicker zu sein als im klassischen Business. Hosen mit Pullover gehen maximal in der Werbebranche. Ansonsten eher kompletter Hosenanzug oder Blazer-Hose-Kombi für Damen, Anzüge und Kombinationen für Herren. Anspruchsvoll, gehobene Qualität und dunklere Farben.

  • Im B2B

    Professioneller Look ist hier unabdingbar. Klassische Kostüme, Anzüge und Kombinationen in mittleren bis dunkleren Farbtönen. Farben dürfen nicht ins Auge springen, sollten aber modern sein.

  • In Kreativ-Jobs

    In der Werbung oder bei den Medien darf es bunter und ausdrucksstark zugehen. Hier ist Nähe angesagt und schwarze Kleidung ist da sehr hinderlich.

  • Große Männer brauchen Unterteilungen

    Für besonders große Männer empfehlen sich farbliche Unterteilungen. Also zum Beispiel blaue Hose oder roter Pullover. Das unterbricht die Größe und lässt Sie weniger lang wirken. Männer mit langen Beinen tragen am besten längere Jacken und Ärmel.

  • Kleine Männer eher eintönig

    Ist Ihr Körper insgesamt kurz, empfiehlt sich farblich Ton in Ton. Farbliche Unterteilungen würden die Kürze betonen. Haben Sie kurze Beine, sollten Sie von Hosenaufschlägen absehen – und auch davon, Ärmel aufzukrempeln.

  • Passend zum Typ

    Tiefsinnige und Kreative wollen sich ausdrücken. Die Erscheinung darf Außergewöhnliches bieten, also kreativer Kragen, Schmuck, extravagante Brille oder bunte Farben. Bodenständige Typen verwenden besser natürliche Materialien und Erdtöne. Dramatiker und Extrovertierte mögen vielleicht asymmetrisch geschnittene Kleidung – sie sollten dann aber darauf achten, dass sie niemals billig wirkt. Zu sportlichen Typen passen Blau und Grün.

  • Nicht nur beim Mann entscheidet die Figur

    Sollten Sie eine schlanke Frau sein und Kleidergröße 32 bis 34 tragen, sehen Röhrenjeans super aus. Ab Kleidergröße 40 sehen Sie mit ihnen dicker aus. Es liegt also stets an der Form ihres Körpers.

  • Rechteckige Figurform

    Sind Schulter, Taille und Hüfte gleich breit, empfiehlt sich eine gerade Hose oder ein gerader Rock.

  • Dreieckige Figurform

    Die Schulter ist schmaler als die Hüfte. Hier sollten Sie Hosen und Rücke in der sogenannten A-Linie mit kurzen Oberteilen kombinieren.

  • Umgekehrtes Dreieck

    Die Schulter ist breiter als die Hüfte: Hier empfehlen sich Caprihosen, Röhrenhosen und enge Röcke. Die schmalen Hosen lassen sich gut in Stiefel stecken.

  • Die Achter-Figur

    Die Figur ist wie eine 8 geformt. Sie ist eine sehr weibliche Figurform. Die Röcke sind konisch geschnitten, sie werden zum Knie hin schmaler. Passende Hosen sind Hosen in Bootcut-Schnitten.

Dass die Banken klare Anweisungen geben, was genau sich hinter der Abschaffung des Krawattenzwanges verbirgt, ist aus Sicht von Stilberatern genau richtig. "Ich persönlich bin ein großer Freund von Richtlinien, die klar vorgeben, wie man sich wann zu kleiden hat. Die Mitarbeiter können ja nicht riechen, wie es die Vorgesetzten haben wollen", sagt Elisabeth Motsch. Sie ist eine international anerkannte Trainerin für Image, Outfit und Umgangsformen. Wer weiterhin Anzug tragen will, darf das natürlich auch bei JP Morgan und der Haspa weiterhin tun, nur sollte eben allen klar sein, dass die Abschaffung der Anzugpflicht nicht gleichbedeutend mit völliger Freiheit ist. In Jogginghose würde laut Motsch zwar auch ohne Dresscode niemand zur Arbeit erscheinen, aber der Mensch trage in der Regel lieber das bequeme, pflegeleichte Kleidungsstück, als das, was in die Reinigung gebracht oder gebügelt werden müsse.

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