Sprengers Spitzen: Führung muss Heimat bieten

kolumneSprengers Spitzen: Führung muss Heimat bieten

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In Zeiten der Globalisierung ist es besonders entscheidend, Mitarbeitern ein Gefühl der Zugehörigkeit zu vermitteln.

Kolumne

In unsicheren Zeiten haben Mitarbeiter ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit – wie können Manager es befriedigen?

Die Popularität der populistischen Parteien in den Niederlanden über Frankreich bis hin nach Italien, der Brexit und die US-Wahl sind eher Fiebermesser als Therapie – doch ein Element des Krankheitsbildes ist auch für Manager relevant.

Man kommt ihm näher, wenn man sich die Triple-Bottom-Line der Unternehmensführung anschaut: Profitabilität, Legitimität, Identität.

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Gerade Letztere wird von Managern oft vernachlässigt: Wen meinen wir, wenn wir „wir“ sagen? Die Antwort darauf formt aus Unternehmen eine unterscheidbare Einheit. Und das ist heute wichtiger denn je.

Zur Person

  • Reinhard K. Sprenger

    Reinhard Sprenger zählt zu den renommiertesten deutschen Managementautoren. In seinem neuen Buch "Das anständige Unternehmen" beschäftigt er sich mit richtiger Führung.

Gerade im Wirtschaftsleben erzeugen Delokalisierung, Flexibilisierung und Geschwindigkeit das Bedürfnis nach einem Ort der Zugehörigkeit. Wenn überall die Globalisierung als Legitimierung herhält, erfordert sie gleichzeitig auch den Aufbau von Heimat. Denn die Geschichte sozialer Bewegungen lehrt, dass kollektive Identität nicht alleine deshalb entsteht, wenn Einzelinteressen aufeinandertreffen.

Von dieser Erkenntnis sind viele Unternehmensführungen inzwischen allerdings weit entfernt. Sie haben sich in ihrer postnationalen Raumkapsel von großen Teilen der Mitarbeiterschaft verabschiedet. Sie sind nicht an den Ort gebunden, genießen vor allem die Vorteile der Globalisierung und haben die Mittel, sich den Nachteilen weitgehend zu entziehen. Entgrenzung, Größe und die Steigerung des Unternehmenswertes als Selbstzweck sind die Götter, denen sie dienen.

Sie inszenieren Unternehmen als Umerziehungsheime, vermessen, optimieren und entmündigen die Mitarbeiter, oktroyieren Englisch als Firmensprache (auch unter Deutschen) und führen nötigend das Duzen ein. Sie „rollen aus“, was das Zeug hält und unterwerfen – „one size fits all“ – ihren Kader Führungsstil-Diktaten. Auch die Exzesse der Managergehälter verdanken sich einer globalen Logik.

Das ist die organisierte Einführung in die Heimatlosigkeit. Wenn Personalführung eine Grundordnungsfunktion hat, die einen verlässlichen Handlungsrahmen zur Verfügung stellt, dann gehört dazu heute mehr denn je der Ort. Führung kann helfen, jene lebensweltlichen Verluste aufzufangen, die die Modernisierungen herbeiführen.

Entwicklung von Führungskräften "Solchen Menschen darf man keine Mitarbeiter anvertrauen"

Führungskräfte fühlen sich schlecht auf ihre Aufgabe vorbereitet und üben am lebenden Objekt. Eine Zumutung, findet Führungskräfte-Experte Ulrich Goldschmidt.

Quelle: Fotolia

Es geht um Kompensation durch Traditions- und Kontinuitätsbewahrung. Wie das geht? Führung muss das Lokale ehren, Unterschiede wahrnehmen und das Dezentrale wertschätzen.

Nur dort lässt sich die Frage beantworten, die sich der Philosoph Martin Heidegger bereits im Jahr 1931 stellte: „Wenn die hinterste Ecke des Erdballs technisch erobert und wirtschaftlich ausbeutbar geworden ist, wenn jedes beliebige Vorkommnis an jedem beliebigen Ort zu jeder beliebigen Zeit beliebig schnell zugänglich, wenn Zeit nur noch Schnelligkeit, Augenblicklichkeit und Gleichzeitigkeit ist – dann, ja dann greift immer noch wie ein Gespenst über all diesen Spuk hinweg die Frage: Wozu? Wohin? Und was dann?“ Führung muss darauf Antworten finden.

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