Studie von Russell Reynolds: Aufsichtsräten fehlt Digitalkompetenz

Studie von Russell Reynolds: Aufsichtsräten fehlt Digitalkompetenz

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Die meisten Aufsichtsräte haben nicht die Fachkompetenz, um die Digitalstrategien ihrer Vorstände beurteilen zu können.

von Claudia Tödtmann

Siemens hat den besten Aufsichtsrat unter den Dax30-Unternehmen. Das geht aus einer Studie der US-Personalberatung Russell Reynolds hervor. Doch in Sachen Digitalkompetenz gibt es noch Nachholbedarf.

Der Münchner Technologiekonzern hat im Aufsichtsrats-Ranking die Deutsche Bank abgelöst, die bei der Untersuchung im vergangenen Jahr am besten abschnitten hatte. Die Personalberatung Russell Reynolds vergibt für den Siemens-Aufsichtsrat die Schulnote 1,6, der Deutschen Bank eine 1,9 – ebenso wie Adidas und Daimler.
Den größten Sprung von Platz 27 auf Rang fünf machte E.On und bekam eine 2,1 (Vorjahresvergleich: 3,0). Das Schlusslicht ist HeidelbergCement mit einer 3,1 (Vorjahresvergleich 3,0).

Russell Reynolds untersucht jährlich die Veränderungen in den Dax30-Aufsichtsräten im Hinblick auf ihre Zusammensetzung und formale Qualität: Gewertet werden die biographischen Angaben der Aufsichtsräte sowie die Kriterien geschäftsrelevante Erfahrung, die Zahl der Mandate, Diversität – Ausländer- und Frauenanteil – sowie ihre Digitalkompetenz.

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Lob gibt es in puncto Frauenquote: Die Dax30-Konzerne nähern sich der 30-Prozent-Quote, resümiert Russell-Reynolds-Berater Jens-Thomas Pietralla: 29 Prozent haben sie inzwischen geschafft, eine Steigerung von fünf Prozentpunkten. Allerdings fielen Adidas und Henkel – die die Quote im Vorjahr bereits erreicht hatten – wieder auf 25 Prozent. Das Schlusslicht ist HeidelbergCement mit 17 Prozent Frauenanteil bei den Aufsichtsratsposten auf der Kapitalseite.

Da Russell Reynolds den Ausländeranteil im Aufsichtsrat als Qualitätskriterium bewertet, bekommen Fresenius Medical Care mit 67 Prozent, VW und Deutsche Bank mit jeweils 60 Prozent und die Deutsche Börse mit 50 Prozent das größte Lob. Insgesamt kommen die Konzerne auf 27 Prozent ausländischer Aufsichtsräte, die meisten stammen aus Österreich (17), den USA (12) und der Schweiz (7). Ihnen folgen die Franzosen mit sechs Mandaten – wenig verwunderlich in Anbetracht der Tatsache, dass Frankreich der größte Handelspartner Deutschlands ist.

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73 Prozent ohne ausgewiesene Digitalkompetenz

Kritik gibt es von Russell Reynolds an der Digitalkompetenz der Unternehmensaufseher. Nur in 27 Prozent der Aufsichtsräte säße mindestens einer mit ausgewiesener Digitalkompetenz. Im Klartext: Die meisten Aufsichtsräte haben nicht die Fachkompetenz, um die Digitalstrategien ihrer Vorstände beurteilen zu können. Nach Angaben von Pietralla sind die Amerikaner den Europäern in dem Punkt haushoch überlegen.

Der typische Dax30-Aufsichtsrat ist der Russell-Reynolds-Untersuchung zufolge 62 Jahre alt, die typische Dax30-Aufsichtsrätin dagegen 56 Jahre. Die langjährigsten Aufsichtsräte sitzen bei SAP mit zehn Jahren Beratertätigkeit, die kürzeste Beratertätigkeit haben demgegenüber die Aufsichtsräte von ProSiebenSat1, Vonovia und RWE mit durchschnittlich weniger als drei Jahren.

Die höchsten Aufsichtsratshonorare – Personalberater veranschlagen für einfache Mitglieder rund vier Wochen Arbeit im Jahr, für Aufsichtsratsvorsitzende sechs Wochen – erhalten von ihren Konzernen im Schnitt 316.000 Euro Honorar im Jahr. Besonders abgerutscht sind die VW-Aufsichtsräte, die im Vorjahr noch 489.000 Euro bekamen, jetzt aber nur noch 35.000 Euro im Jahr. Sie hatten laut Russell Reynolds einen "außergewöhnlich hohen Anteil variabler Vergütung" vereinbart.

Drei Aufsichtsräte – Paul Achleitner, Michael Diekmann und Henning Kagermann – haben jeweils vier Aufsichtsratsmandate im Dax30 inne. Immerhin fünf Aufsichtsrätinnen haben mindestens zwei Dax30-Mandate: Ann-Kristin Achleitner, Renate Köcher, Sari Baldauf, Simone Bagel-Trah und Simone Menne. "Insgesamt ist die Deutschland-AG mit ihren strukturellen und finanziellen Verflechtungen der Konzerne untereinander Geschichte", sagt Pietralla.

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