Talentmanagement: Deutsche Städte bieten nur begrenzt Personal

Talentmanagement: Deutsche Städte bieten nur begrenzt Personal

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Frankfurt ist für Talentmanager weniger attraktiv als andere Städte in Westeuropa.

In Berlin und Frankfurt sind die Personalrisiken für Unternehmen größer als in anderen europäischen Städten, zeigt eine Studie. Allzu viele Talente verlassen Deutschland.

Deutsche Städte landen in einer Untersuchung zu Personalrisiken für Unternehmen nur im globalen Mittelfeld. Im europäischen Vergleich belegten Berlin und Frankfurt die Plätze 13 und 14 von insgesamt 29 betrachteten Standorten. Der sogenannte "People Risk Index", den die Personalberatung Aon Hewitt seit 2011 jährlich ermittelt, basiert auf der Analyse der Faktoren Demografie, Aus- und Weiterbildung, Talententwicklung, Beschäftigungspraktiken und gesetzlichen Vorgaben an 131 verschiedenen Standorten, darunter in Deutschland Berlin und Frankfurt. Er zeigt dadurch Risiken für Unternehmen beim Einstellen und der Beschäftigung von Mitarbeitern sowie bei Umstrukturierungsmöglichkeiten auf. "Geeignete Standorte sowie eine erfolgreiche Personalplanungsstrategie finden Unternehmen nur, wenn sie neben den Lohnkosten auch Faktoren wie den Bildungsgrad, die Quote der arbeitsfähigen Bevölkerung und die Wahrscheinlichkeit, geeignete Fachkräfte zu finden, berücksichtigen", sagt Wolf-Bertram von Bismarck, Bereichsleiter für Talentmanagement in Europa und dem Nahen Osten bei Aon Hewitt.

Die 10 Städte mit den höchsten Personalrisiken nach dem People Risk Index 2010 von Aon Hewitt.

Die 10 Städte mit den höchsten Personalrisiken nach dem People Risk Index 2010 von Aon Hewitt.

Die schwierigsten Verhältnisse finden Unternehmen erwartungsgemäß in politisch und sozial unruhigen Ländern vor: in Lagos (Nigeria), Addis Abeba (Äthiopien), Bagdad (Irak), Sanaa (Jemen) und Damaskus (Syrien). Von den geringsten Problemen können Arbeitgeber in New York, Toronto, Singapur, Montreal und London ausgehen. Im europäischen Vergleich folgen Kopenhagen, Zürich, Stockholm und Amsterdam auf den Spitzenplätzen hinter der britischen Hauptstadt. Berlin und Frankfurt schlagen nur die Konkurrenz aus den südlichen und östlichen EU-Staaten. Im weltweiten Vergleich erreichen sie nur die Plätze 41 und 44. Im Vergleich zu 2011 sind die Risiken in Deutschland sogar noch gewachsen: Im letzten Jahr lagen Berlin und Frankfurt noch gemeinsam auf Rang 40. Zurückzuführen ist das nach Ansicht von Bismarcks vor allem auf die zunehmende Überalterung der Gesellschaft und die strikten gesetzlichen Vorgaben.

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Die 10 Städte mit den geringsten Personalrisiken nach dem People Risk Index 2012 von Aon Hewitt

Die 10 Städte mit den geringsten Personalrisiken nach dem People Risk Index 2012 von Aon Hewitt

Warum Deutschland nur Mittelmaß ist

Dass Deutschland weit hinter Großbritannien, Frankreich, Skandinavien, Österreich und der Schweiz zurückliegt, mag zunächst überraschen. Die Details der Untersuchung zeigen, dass Berlin und Frankfurt in den meisten Bereichen mit den besten Städten mithalten können. In der Kategorie Bildung liegen die deutschen Städte und der Spitzenreiter New York in den meisten Teilbereichen fast gleichauf – abgesehen von den Ausgaben für das Bildungssystem, bei denen Berlin und Frankfurt weit abfallen. "Für Unternehmen bedeutet das, dass der Nachwuchs an Fachkräften nicht gesichert ist, wie der gern überhörte Schrei der Industrie in Deutschland nach qualifiziertem Nachwuchs bereits zeigt", sagt von Bismarck. 

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Kategorie Entwicklung von Talenten. Die deutschen Städte übertreffen andere Standorte vor allem bei der Vielsprachigkeit der Fachkräfte – verlieren den Vorsprung aber auf Grund der zahlreichen Auswanderer wieder. "Mit am schwersten wiegt die Überalterung der Gesellschaft und die mangelnde Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte", so von Bismarck. "Unternehmen mit Standorten in Deutschland müssen sich tatsächlich ernsthaft Gedanken darüber machen, woher sie zukünftig ihre Fachkräfte rekrutieren. Entsprechend hoch ist die Konkurrenz um die qualifizierten Köpfe, sie im Betrieb zu halten erfordert Engagement und Investitionen. Auch das spricht – im Vergleich zu New York oder London – gegen die deutschen Standorte." 

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Dass Deutschland gegenüber den Nachbarländern Österreich und Schweiz zurückfällt, liegt ebenfalls an den strikteren gesetzlichen Vorgaben, der höheren Auswanderungsquote, den geringeren Bildungsausgaben und den rigideren Lohnkosten. "Obwohl Deutschland derzeit der scheinbar sichere Hafen in der Euro-Krise ist, den viele Arbeitnehmer und Unternehmen ansteuern, gibt es deutlichen Verbesserungsbedarf", meint von Bismarck. "Um für die Zukunft gerüstet zu sein, müssen Arbeitgeber und Staat Mechanismen finden, Deutschland zu einem attraktiveren Standort für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu machen. Nur so lässt sich der hohe Standard, den das Land und seine Unternehmen erreicht haben, aufrecht erhalten."

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