ThemaManagement

Talentmanagement: Talent ist nichts für Kennzahlfetischisten

01. September 2013
von Ferdinand Knauß

Das Wort "Talentmanagement" ist in aller Munde. Ein genialer PR-Coup von McKinsey. Doch wer meint, talentierte Menschen managen zu können, wird sie bald los sein. 

1997 veröffentlichten Berater von McKinsey einen Bericht über eine große Befragung von 13000 Managern in 120 Unternehmen. Das Ergebnis war eigentlich banal: Unternehmen, die gute Manager anziehen, fortbilden und halten, sind wirtschaftlich erfolgreicher. Aber der Tenor der Studie und ihr Titel wirken bis heute nach: "War for Talent".

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Die martialische Rhetorik ist geschmacklos und unpassend, aber sie blieb in den Köpfen hängen. "Talent" sei die wichtigste Ressource in den kommenden Jahrzehnten, und "Talentmanagement" daher die entscheidende Aufgabe für Manager der Zukunft.

Management-Sprache klingt wissenschaftlich

Seither ist Talentmanagement in der einschlägigen Literatur sowohl an Unis und Business Schools als auch bei Praktikern in den Personalabteilungen ein Dauerthema. Und das obwohl nicht mal unter  Betriebswirtschaftsprofessoren, die darüber lange Aufsätze schreiben, genau geklärt ist, was unter dem Begriff überhaupt zu verstehen sei.

Talent soll also gemanagt werden? Geht das überhaupt? Natürlich nicht.

Begriffe der Management-Sprache entstehen nicht wie wissenschaftliche Begriffe, um etwas möglichst genau zu bezeichnen, sondern weil Manager oder Berater ihr eigenes Tun als besonders gut und wichtig darstellen wollen. Management-Sprache klingt wissenschaftlich, ist es aber meist nicht. Die Berater von McKinsey haben den Begriff nicht zum Zwecke wissenschaftlicher Erkenntnis geprägt, sondern um ihr Geschäftsfeld zu bestellen.

Talent ist nicht gleich Talent

In diesem Fall geht es darum, eine unternehmerische Aufgabe, die so alt ist wie das Unternehmertum selbst, mit neuem sprachlichen Glanz zu umgeben. Auch als Alfred Krupp nach 1826 mit sieben Mitarbeitern ein Stahlimperium schuf, musste er vor allem dafür sorgen, die geeigneten Arbeiter, Ingenieure und Kaufleute einzustellen und ihnen Aufgaben übertragen, für die sie die passenden Fähigkeiten mitbrachten. 

"Talent" ist  ein positiver Begriff. Mozart und Einstein waren große Talente. Man schmeichelt damit also sich selbst und denen, die man anspricht. Für Talentmanager ist Talent aber nicht, was man außerhalb der Personalabteilungen darunter versteht, nämlich "individuelle Befähigung zu bestimmten Leistungen", die manchen Menschen in die Wiege gelegt ist. Gerald Draht, Business Partner HR Development bei der CARGLASS GmbH, definiert ein Talent in einem Beitrag als "Mitarbeiter mit einer besonderen und wichtigen Fähigkeit für das Unternehmen". Mozart oder Einstein wären für die meisten Unternehmen also kein Talent. Ein Metzgerlehrling kann es durchaus sein, zumindest für ein Fleischverarbeitungsunternehmen.

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Kommentar | 1Alle Kommentare
  • 01.09.2013, 21:37 UhrInsider

    Aufrichtiges Kompliment Herr Ferdinand Knauß, 1A Analyse und Subsumtion. Zweifelsohne handelt es sich hierbei um sehr starke Persönlickeiten, die man nicht managern kann, sondern maximal coachen. Sollten diese das Gefühl der Zwangsjacke, des Korsetts o.ä. auch nur annähernd spüren sind die weg. Genau wie ich selbst. Ab 1.1. fange ich woanders an. Wird mein Arbeitgeber schon noch mitbekommen.

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