Tauchsieder: Peymann, Klopp und Piëch - es leben die Könige!

kolumneTauchsieder: Peymann, Klopp und Piëch - es leben die Könige!

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Ferdinand Piëch, Jürgen Klopp und Claus Peymann sind Belege für das immernoch vorhandene Herrschertum im 21. Jahrhundert.

Kolumne von Dieter Schnaas

Mit Größenwahnsinn gegen die demokratische Methode? Deutschland staunt über das Absolute, Despotische und Manische seiner Eliten in Wirtschaft, Kunst und Sport. 

Zu den zwei größten Geistlosigkeiten, die jeder Journalist heutzutage jederzeit straffrei aufschreiben darf, gehört die Formel vom "Zuwachs des Wissens" in einer "fortschrittlichen" Welt und die Winston Churchill entlehnte Behauptung, bei der Demokratie handele es sich um die schlechteste aller Staatsformen - mit Ausnahme der übrigen. Wie das eine mit dem anderen zusammen hängt, davon handelt diese Kolumne. 

Mit den Argumenten von Platon

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Denn wenn die vergangene Woche eines gezeigt hat, dann doch wohl dies: Wir haben es uns so sehr angewöhnt, in demokratischen Mustern und konsensual abgestimmten Lösungen zu denken, dass wir gar nicht mehr wagen, über die Vorzüge alternativ verfasster Gemeinwesen nachzudenken - womit wir leider auch den Sinn für die Ärthetik cäsarischer Entscheidungen eingebüßt haben. Was für unwiderbringliche Verluste! 

Platon und Aristoteles zum Beispiel, die alten Griechen, konnten vor fast 2500 Jahren noch trefflich jonglieren mit Verfassungsformen und Staatslehren. Sie machten sich Gedanken über die Geburt der Demokratie aus dem Geist der Armut und über den schleichenden Übergang der Volksherrschaft in die Tyrannei, über die feinen Unterschiede zwischen guten (Königtum, Aristokratie und Politie) und schlechten Formen staatlicher Verwaltung (Tyrannis, Oligarchie, Demokratie) - und über geeignete Mischformen des Regierens, die alle Maßlosigkeiten und Mängel zum Ausgleich bringt.

Platon etwa preist dem Leser die Demokratie als "buntes Kleid" an, das uns, "geziert mit den Farben aller ihrer Sitten, sehr schön erscheint". Doch was, wenn die Menschen "sich über den Durst am ungemischten Wein der Freiheit berauschen"? Dann, so Platon, kümmert sich niemand mehr um die Gesetze - und die übergroße Freiheit schlägt in übergroße Knechtschaft um...

Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

Damit es im Jeder-macht-was-er-will-Liberalismus westlicher Ist-alles-egal-Demokratien nicht soweit kommt, würde Platon heute argumentieren, braucht auch die deutsche Gesellschaft dringender denn je Figuren wie Ferdinand Piëch, Claus Peymann und Pep Guardiola. Sie alle stehen für den Einbruch des Absoluten, Despotischen, Totalen in unsere Gemeinwesen. Sie alle eröffnen uns durch die gottähnliche (Selbst-)Herrlichkeit ihrer Machtweisen und Ansprüche Horizonte des Möglichen und Denkbaren. Dafür verdienen sie nicht nur unseren Respekt, sondern auch Reichtum, Ehrfurcht, Bewunderung - und Dank. 

Ferdinand Piëch zum Beispiel, von den Medien irrtümlich als "Konzernpatriarch" bei Volkswagen eingeführt - in Wirklichkeit muss es sich um den letzten Spross der Habsburger mit Stammsitz im Salzburger Land handeln -, ist am vergangenen Freitag 78 Jahre alt geworden. Man darf unterstellen, dass Piëch aller materiellen Sorgen ledig ist, dass er sich also längst, wie soll man sagen, seine Krawatte hätte lockern, sich aufs Jagen verlegen oder aber seinen zahlreichen Kindern mehr Zeit widmen können. In der Ahnengalerie der Habsburger gibt es, jeder weiß es, ein herausragendes Beispiel fürs rechtzeitige, ehren- und würdevolle Abdanken. Als Karl V. am 25. Oktober 1555 seinem Sohn Philipp die Regierungsgeschäfte übergab, tat er dies im rhetorischen Büßergewand: "Was mich betrifft: Ich weiß, dass ich viele Fehler begangen habe, große Fehler... Aber bewusst habe ich niemandem Unrecht getan, wer es auch sei. Sollte dennoch Unrecht entstanden sein... Ich bedaure es öffentlich und bitte jeden, den ich gekränkt haben könnte, um sein Verzeihen."

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