Teamviewer: "Wo andere über Tausende reden, reden wir von Millionen"

Teamviewer: "Wo andere über Tausende reden, reden wir von Millionen"

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Andreas König, Geschäftsführer der TeamViewer GmbH: Mit seiner Software lassen sich Computer ebenso fernsteuern wie Fischfarmen.

Die Softwarefirma Teamviewer ist so etwas wie das Einhorn von Göppingen: Das Unternehmen Teamviewer ist ein Weltmarktführer aus dem schwäbischen Hinterland. Gerade die Abgeschiedenheit half dem Produkt ins Leben.

Wer nicht an Einhörner glaubt, der sollte einen Blick in den ehemaligen Sitz der Kreissparkasse Göppingen werfen. Dort werden schon lange keine Sparverträge mehr abgeschlossen. Hier, mitten in der schwäbischen Provinz, sitzt Teamviewer - einer der größten Softwarehersteller der Republik. Die Fernwartungssoftware ist nach Unternehmensangaben in über 30 Sprachen verfügbar und auf 400 Millionen Geräten aktiv. Aber vor allem: Teamviewer wird mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet - was die Firma zu einem sogenannten Einhorn macht.

Ebenbürtiges Mitglied im Club der Einhörner

Mit Teamviewer können sich EDV-Experten oder Kollegen auf einen fremden Computer schalten und Probleme beheben. Die schwäbische Software ist weltweiter Standard in der Fernwartung geworden. Damit lassen sich nach Angaben des Konzerns auch Schneekanonen fernsteuern, Fischfarmen oder Windräder.

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Geschäftsführer Andreas König ist ein Zahlenfan - und strotzt vor Selbstbewusstsein. „Wo andere über Tausende reden, reden wir gleich von Millionen“, sagt er. Weit mehr als eine Milliarde Mal installiert, 10 Millionen Downloads pro Monat, täglich 750.000 neue Lizenzen, rattert er die Bilanz herunter. „Wir sind ein brutal von Zahlen getriebenes Unternehmen. „Brutal“, das Wort nutzt König gern. Genauso wie Usability, Geschwindigkeit, Innovation. „Wir haben Zahlen, dass einem schwindlig wird“, sagt er.

Gründertypen: So ticken junge Unternehmer rund um den Globus

  • Die prinzipientreuen Planer

    Die prinzipientreuen Planer gehen äußerst methodisch an ihr Werk und freuen sich über den sorgfältig geplanten Erfolg. Aufgrund ihres ehrgeizigen Charakters nehmen sie nichts als bare Münze und stellen eine Menge Fragen.

    Diese Ergebnisse gehen auf den "Walk With Me Report" von Sage zurück, der weltweit die Charakterzüge, Verhaltensweisen und Einstellungen der Y-Generation untersuchte.

  • Die Technikgetriebenen

    Die Technikgetriebenen lieben ihre Arbeit und können es nicht ertragen, herumzusitzen und Däumchen zu drehen. Sie vertrauen auf die Power und Effizienz innovativer Technologien, um den Wettbewerbern immer einen Schritt voraus zu sein. Sie glauben an die Fähigkeit der Technologie, die Bedürfnisse der existierenden und zukünftigen Kunden akkurat zu erfüllen.

  • Die intuitiven Entdecker

    Die intuitiven Entdecker sind ungezwungen und unbekümmert, lieben das Unbekannte und erforschen unentdecktes Terrain. Sie vertrauen ihrem Bauchgefühl und lassen nicht locker. Ein modernes Image ist für sie extrem wichtig. Sie wollen etwas schaffen, an das sich alle erinnern.

  • Die Realisten

    Die Realisten sind einfallsreich und vertrauen auf Technologie, die die Erfolge erzeugt. Wenn sie sich entscheiden müssen, setzen sie mal auf ihr Bauchgefühl, mal auf Methodik.

  • Die Abenteuerlustigen

    Die Abenteuerlustigen schnell gelangweilt, suchen sie immer nach der nächsten Herausforderung. Sie kümmern sich nicht um Äußerlichkeiten. Sie arbeiten am besten für sich und glauben, dass der soziale Effekt überbewertet wird.

Sonst tummeln sich die Einhörner der Software-Branche wie Google in den USA. König betrachtet seine Firma aber als ebenbürtiges Mitglied im Milliarden-Club. „Wir spielen in der Größenordnung von Twitter und Ähnlichem“, sagt König. Er fühlt sich wohl im ehemaligen Sparkassengebäude in Göppingen. „Es hat ein spezielles Flair“, sagt er. Auf seinem Schreibtisch steht ein kleines Hirnmodell aus Plastik, auf dem Tisch liegt eine schwäbische Butterbrezel.

Hier testen sie Alpha- und Beta-Versionen der Software, betreuen die Kunden. Knallbunte Wände trennen die Arbeitsplätze, Konferenzräume sind im Stil von Hipsterkneipen mit Sesseln und Tapeten geschmückt oder ganz im Stil des Actionfilms Matrix gestaltet. Auf dem „Sales Floor“ sprechen aufgeregte Stimmen in verschiedenen Sprachen in Telefonhörer. An jedem Tisch hängt eine Flagge. 50 verschiedene Nationalitäten sind bei Teamviewer zuhause.

So denkt die Welt über Selbstständigkeit

  • Weltweit

    Für den Amway Entrepreneurial Spirit Index (AESI) 2016 haben das Konsumgüterunternehmen Amway, die Technische Universität München und die GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) 50.861 Männer und Frauen aus 44 Ländern dazu befragt, wie erwünscht es in ihrem Heimatland ist, Unternehmen zu gründen, wie leicht es ist, sich selbstständig zu machen und wie es um die Stabilität gegen sozialen Druck bestellt ist. 100 Punkte sind zu erreichen.

    Das Resultat: 56 Prozent aller Befragten weltweit erachten die Gründung eines Unternehmens als erstrebenswert. 46 Prozent sind der Meinung, sie besäßen die notwendigen Voraussetzungen dafür. 49 Prozent würden sich nicht davon abhalten lassen, wenn ihnen ihre Familie oder Freunde davon abraten.

    Quelle: Amway Global Entrepreneurship Report 2016

  • EU

    47 Prozent der Befragten in der EU erachten eine Unternehmensgründung als erstrebenswert. 40 Prozent sehen sich dazu in der Lage und 48 Prozent würden sich nicht davon abbringen lassen.

  • Männer und Frauen

    35 Prozent der befragten Männer halten eine Selbständigkeit für wünschenswert und 38 Prozent glauben auch, aus der Idee ein erfolgreiches Unternehmen machen zu können. 43 Prozent sind außerdem überzeugt, sich auch gegen Widerspruch aus dem sozialen Umfeld durchsetzen zu können. Bei den Frauen halten 27 Prozent die Selbständigkeit für erstrebenswert. Dass es mit dem eigenen Unternehmen klappen kann, glauben 26 Prozent. 37 Prozent sagen, dass sie im Zweifelsfall auf die Meinung von Freunden und Familie pfeifen und trotzdem gründen würden.

  • Altersunterschiede

    Junge Menschen wollen gründen, ältere wünschen sich einen sicheren Job: Jedenfalls nimmt die Zahl derer, die eine Selbständigkeit als wünschenswert betrachten, mit zunehmendem Alter deutlich ab. In der Altersgruppe jenseits der 50 halten nur noch 21 Prozent eine Unternehmensgründung für eine gute Idee. Bei den Befragten unter 35 Jahren waren es 43 Prozent, in der Altersgruppe der 35- bis 49-Jährigen 37 Prozent. Dafür ist das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten in der Gruppe der 35 bis 49-Jährigen am stärksten und sie scheinen am stabilsten gegen sozialen Druck zu sein.

  • Bildungsabschlüsse

    Akademiker interessieren sich eher für eine Selbstständigkeit als Menschen ohne Uniabschluss. So halten 34 Prozent der Uniabsolventen die Gründung eines Unternehmens für erstrebenswert, in der Vergleichsgruppe sind es 31 Prozent.
    Befragte mit Abschluss verfügen außerdem über ein sehr viel höheres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten als Befragte ohne Abschluss. Hinsichtlich der Stabilität gegenüber sozialem Druck sind Absolventen ebenfalls deutlich positiver als Nicht-Absolventen.

  • Deutschland

    31 Prozent der Befragten halten die Gründung eines Unternehmens für erstrebenswert (2015: 26 Prozent). 32 Prozent der deutschen Befragten glauben, dass sie auf eine Gründung gut vorbereitet wären (2015: 29 Prozent). 40 Prozent sind der Meinung, dass sie sich von einer Unternehmensgründung nicht abhalten ließen, wenn ihre Familie oder Freunde sie davon abbringen wollten (2015: 38 Prozent).

    Insgesamt sind 63 Prozent aller befragten Deutschen Unternehmensgründungen gegenüber positiv eingestellt. Im internationalen Vergleich landen die Deutschen damit auf Platz 40 - von 44.

  • Taiwan

    Mehr als jeder zweite befragte Taiwanese (52 Prozent), hält es für erstrebenswert, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Noch deutlich mehr, nämlich 88 Prozent, finden es gut, wenn andere den Mut haben, sich selbstständig zu machen. Was die Offenheit gegenüber Gründern und start-ups angeht, landet Taiwan damit auf Platz zehn im internationalen Vergleich.

  • Schweiz

    88 Prozent der befragten Schweizer finden es gut, wenn sich andere selbstständig machen. 45 Prozent halten es für wünschenswert, sich selbst einmal aufs unternehmerische Parkett zu wagen.

  • Kanada

    43 Prozent der befragten Kanadier können sich vorstellen, sich selbstständig zu machen. 88 Proozent der Befragten sind Unternehmensgründungen gegenüber positiv eingestellt.

  • Kolumbien

    In Kolumbien ist der Gründergeist weltweit am höchsten: 80 Prozent der Befragten können sich gut vorstellen, sich selbstständig zu machen. 89 Prozent sind Unternehmensgründungen gegenüber positiv eingestellt. Im internationalen Vergleich macht das Platz sieben.

  • Estland

    Selbst die Esten sind gründerfreundlicher als die Deutschen: 91 Prozent der befragten Einwohner Estlands sind Start-ups gegenüber aufgeschlossen, 48 Prozent können sich vorstellen, selbst zu gründen.

  • Mexiko

    In Mexiko ist die Bereitschaft, sich selbstständig zu machen, weltweit am zweithöchsten: 73 Prozent der befragten Mexikaner können sich vorstellen, zu gründen. 92 Prozent sind Unternehmensgründungen gegenüber positiv eingestellt. Das beschert Mexiko Platz fünf bei der Gründerfreundlichkeit.

  • Schweden

    Schweden belegt in punkto Aufgeschlossenheit gegenüber Gründern Platz vier im internationalen Vergleich: 93 Prozent der Schweden sind jungen Unternehmen gegenüber positiv eingestellt. 51 Prozent denken darüber nach, sich selbst als Unternehmer zu versuchen.

  • Dänemark

    Auf Platz drei der gründerfreundlichsten Nationen liegt Dänemark: 94 Prozent der Befragten finden es gut, wenn sich andere selbstständig machen. 40 Prozent können sich vorstellen, selbst einmal ein Unternehmen zu gründen.






  • Vietnam

    Auch in Vietnam sind die Menschen Gründern gegenüber aufgeschlossen: 95 Prozent stehen Start-ups positiv gegenüber, 58 Prozent könnten sihc eine Selbstständigkeit vorstellen.

  • Norwegen

    Das gründerfreundlichste Völkchen sind die Norweger. Hier können sich zwar nur 36 Prozent vorstellen, einmal ein eigenes Unternehmen ins Leben zu rufen. Dass sich andere selbstständig machen, finden dafür 99 Prozent der Befragten gut.

Das Geschäft der deutschen Softwareanbieter wuchs nach Angaben des Branchenverbands Bitkom 2016 um 6,2 Prozent auf 21,6 Milliarden Euro. Neben SAP, der Software AG und Teamviewer gebe es viele kleine, die man nicht sehe. Besonders der Kampf um Talente sei ein Problem der Branche. In Städten wie Hamburg oder München kämen viele Start-ups, Programmierer und Kapitalgeber auf einem Fleck zusammen. Umso bemerkenswerter sei das Wachstum von Teamviewer in der Provinz. „Das war nicht die hippe Berlin-Gründung, sondern eher ein in Standort, der nicht so im Fokus steht“, sagt Bitkom-Experte Christian Rietz.

Abgeschiedenheit beflügelte den "Hidden Champion"

Vielleicht gerade durch die schwäbische Abgeschiedenheit wurde aus Teamviewer ein „Hidden Champion“. Inhaber Tilo Rossmanith gründete die Firma 2005, weil er sich mit der Software weite Wege zu Kunden sparen wollte. „Er musste jedes Mal zum Installieren der Software hin, das war zu teuer“, erklärt König. Dann setzte sich ein „unglaublicher viraler Effekt“ in Gang. König kam im Mai 2015 mit der Übernahme von Teamviewer durch den Finanzinvestor Permira an Bord.

Im Frühjahr setzten dem Konzern indes Berichte zu, dass Hacker Computer über Teamviewer übernehmen und so Konten beim Zahldienst Paypal leerräumen. „Jede Fernwartungssoftware bringt auch ein Risiko mit sich“, erklärt Experte Raj Samani vom Sicherheitsdienst Intel Security. „Wir haben viele Angriffe gesehen, wo Leute den Schirm kontrollieren wollten.“ Die Passwörter stammten damals aber aus einem anderen Datenleck. Geschäftsführer König bestreitet eine Sicherheitslücke. Nutzer seien sorglos mit Kontozugangsdaten umgegangen, sagt er.

Vor kurzem kam die zwölfte Version der Software in einer Beta-Version heraus. Sie soll auf mehr Plattformen und Betriebssystemen einsetzbar sein. Administratoren können nun mit einem Mausklick Teamviewer auf tausenden Rechnern gleichzeitig installieren. Besonders die Nutzung mobiler Endgeräte beflügelt das Geschäft. Und was hat das Beteiligungsunternehmen Permira vor? Börsengang? Verkauf? „Sie haben eine Verpflichtung, die Firma langfristig zu entwickeln“, sagt König.

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