Unbeliebte Kontrolleure: Die Deutschen mögen Aufsichtsräte nicht

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Unbeliebte Kontrolleure: Die Deutschen mögen Aufsichtsräte nicht

von Lin Freitag

Deutsche Aufsichtsräte haben ein schlechtes Image. Autoritär, wenig charismatisch, bestechlich – so das Ergebnis einer Studie. Doch das heißt nicht, dass die Aufsichtsräte tatsächlich schlechte Arbeit leisten.

Eigentlich sind sie ja die Guten. Schließlich sind es die Aufsichtsräte, die den großen Konzernlenkern auf die Finger schauen und hauen sollen - und doch scheint das bei der Bevölkerung nicht anzukommen. In einer Studie der Universität Hohenheim wurden Bundesbürger nach ihrer Meinung zu deutschen Aufsichtsräten befragt. Das Ergebnis: Insgesamt haben die Mitglieder von Kontrollgremien einen unterdurchschnittlichen Imagewert vorzuweisen. Über die Hälfte der Studienteilnehmer konnten sich nicht vorstellen mit einem Aufsichtsrat befreundet zu sein. „Die Institution Aufsichtsrat hat in Deutschland ein Marketing-Problem“, sagt Markus Voeth, Autor der Studie. „Das negative Image der Aufsichtsräte kann sich auch auf die zugehörigen Unternehmen und deren Marken auswirken.“

Wie die Leistung der Aufsichtsräte gemessen wird

  • Zur Methode der Studie

    Die Untersuchungsergebnisse basieren auf einer Analyse der öffentlich verfügbaren Informationen zur Besetzung und Arbeitsweise der Dax-30- und der MDax-Aufsichtsräte. Ausgewertet wurden Internet-Homepages der Unternehmen, Geschäfts- und Corporate-Governance-Berichte, Berichte des Aufsichtsrats sowie Informationen zu Hauptversammlungen des Geschäftsjahrs 2012 oder 2011/12.
    Der Aufsichtsrats-Score ergibt sich durch die Bewertung in vier Kategorien.

  • Die Arbeitsweise

    Die Arbeitsweise der Kontrolleure hat mit einem Anteil von 40 Prozent das höchste Gewicht in der Gesamtbeurteilung. Bewertet wurden unter anderem die Zahl der Sitzungen mit und ohne Vorstand sowie Zahl, inhaltliche Ausrichtung und Häufigkeit von Ausschusssitzungen. Bonuspunkte brachten vorbildliche Sonderregelungen in der Geschäftsordnung, etwa die Bildung von Ressorts innerhalb des Gremiums, die temporäre Bildung von Sonderausschüssen zur Lösung aktueller Probleme oder die Durchführung von Strategieworkshops.

  • Die Transparenz

    Die Transparenz hat ein Gewicht von 30 Prozent. Überprüft wurde etwa die Aussagekraft des Aufsichtsratsberichts, welche konkreten Ziele der Berufung bestimmter Aufsichtsratsmitglieder zugrunde lagen und welche Anforderungen diese erfüllen müssen.

  • Die Eignung

    Die Eignung der Mitglieder geht mit 15 Prozent in die Gesamtnote ein, wichtigstes Kriterium ist die Unabhängigkeit der Kontrolleure. Punktabzüge gab es für Mandatshäufungen und bei möglichen Interessenkollisionen, etwa wenn die Aufsichtsräte vorher dem Vorstand angehört haben oder wenn überproportional viele Vertreter von Großaktionären das Unternehmen kontrollieren.

  • Die Vielfalt

    Die Vielfalt bei der Besetzung der Gremien hat ebenfalls ein Gewicht von 15 Prozent. Pluspunkte gab es für ausländische Aufsichtsratsmitglieder, für Frauen oder eine breite Altersstreuung.

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Des Weiteren wurde auch die Fachkompetenz abgefragt: Zum einen mussten die Teilnehmer angeben, welche Kompetenzen sie von einem guten Aufsichtsrat erwarten. Im zweiten Schritt mussten sie angeben, wie sie die Ausprägung der genannten Kompetenzen in der Wirklichkeit einschätzen. „Dabei zeigte sich, dass Ideal und Image der Aufsichtsräte in der öffentlichen Meinung oft weit auseinander liegen“, sagt Voeth. So erwarten die Deutschen einen hohen kaufmännischen und juristischen Sachverstand von den Kontrollgremien. Kommt es dann jedoch zur Bewertung der Wirklichkeit, sehen sie die Aufsichtsräte in diesen beiden Bereichen nur im unteren Mittelfeld.

Auch im Bezug auf die sozialen Kompetenzen schneiden die Aufsichtsräte in der öffentlichen Meinung schlecht ab: Zu autoritär, wenig kooperationsbereit, kaum charismatisch und unkreativ. Auch wenn es um Bestechlichkeit geht, sieht die Bevölkerung große Unterschiede zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

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Doch zur Ehrrettung der Aufsichtsräte: Die schlechte Meinung hängt vermutlich damit zusammen, dass viele Deutsche gar nicht genau wissen, was ein Aufsichtsrat überhaupt macht. So wussten zwar über 80 Prozent der Befragten, dass ein Aufsichtsrat den Vorstand eines Unternehmens kontrolliert. Doch fragte man sie nach weiteren Tätigkeiten, wusste nur noch die Hälfte der Befragten welche zu nennen und dabei handelte es sich oft um falsche Annahmen. Laut den Autoren der Studie kommt zu der Unwissenheit auch noch eine negative Berichterstattung durch die Medien.

Für die Studie wurden von der Uni Hohenheim 533 Menschen über 18 Jahren befragt.

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