Unternehmensführung: Die Gebote der Mitarbeitermotivation

Unternehmensführung: Die Gebote der Mitarbeitermotivation

Bild vergrößern

Dieter Frey, 65, ist Professor für Sozialpsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Dort leitert er auch das Center for Leadership and People Management.

von Daniel Rettig

Der Sozialpsychologe und Managementforscher Dieter Frey erklärt, wie Manager am besten motivieren und Kritik so anbringen, dass sie wirkt.

Herr Frey, zurzeit finden in vielen Unternehmen die meist unbeliebten Jahresgespräche statt. Wie motiviert eine gute Führungskraft ihre Mitarbeiter, sich 2012 mit voller Kraft fürs Unternehmen zu engagieren?

Frey: Eigentlich sind nur zwei Dinge wichtig. Einerseits muss sie Exzellenz vorleben und einfordern, andererseits muss sie die Mitarbeiter anständig behandeln.

Anzeige

Klingt einfach. Trotzdem kommen zahlreiche Studien zu dem Ergebnis, dass das Gros der Arbeitnehmer entweder überfordert, gestresst oder gelangweilt ist. Können deutsche Führungskräfte ihre Kollegen nicht motivieren?

Frey: Viele Chefs sind zumindest nicht empfindsam genug, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter zu beachten.

Warum?

Frey: Weil sie nie systematisch gelernt haben, Menschen zu führen. Ich gehe davon aus, dass jede zweite Führungskraft eine Fehlbesetzung ist – sie ist vielleicht fachlich gut, aber nicht in der Lage, Menschen zu führen, weil sie narzisstisch oder opportunistisch veranlagt ist. Also auch kein guter Kapitän, Mentor oder Coach, der sich vor, neben und hinter seine Mitarbeiter stellt. All das sollte ein guter Motivator tun.

Kann eine Führungskraft von ihren Mitarbeitern nicht erwarten, dass die genügend eigene Motivation aufbringen?

Frey: Nein. Durchgängige Motivation und Freude an der Arbeit sind Privilegien, die nur wenige genießen. Das gilt sowohl für Chefs als auch für deren Mitarbeiter. Viele Menschen sind motiviert, weil sie die Arbeit zur Sicherung ihrer Existenz brauchen. Sie benötigen Geld zum Leben und gehen deshalb arbeiten. Aber auch die Befriedigung dieses existenziellen Bedürfnisses ist ein extrinsischer, also von außen kommender Grund, jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Aber auf Dauer nur intrinsisch, also von innen motiviert, sind die wenigsten.

Wir sprechen hier doch nicht über pubertierende Schüler, sondern über erwachsene Menschen. Müssen Führungskräfte wirklich für deren gute Stimmung sorgen?

Frey: Ja, müssen sie. Sie müssen die verschiedenen Sehnsüchte und Interessen ihrer Kollegen jeden Tag aufs Neue hinterfragen – also eine Antwort darauf finden, wie Leistung und Fairness miteinander vereinbar sind. Gute Stimmung hilft dabei, aber sie reicht nicht.

Was denn noch? Regelmäßig loben?

Frey: Es ist sicher hilfreich, wenn Manager die Mitarbeiter loben – falls dieses Lob ehrlich gemeint und präzise formuliert ist. Lippenbekenntnisse können sie sich schenken. Aber auch das alleine reicht natürlich nicht. Vielmehr geht es um Wertschätzung. Die Mitarbeiter müssen nicht nur wissen, was zu tun ist – sondern sie müssen sich auch bewusst sein, dass sich ihre Anstrengungen lohnen.

Also ist Kritik tabu?

Frey: Keineswegs. Ohne Feedback gibt es keine Entwicklung und kein Wachstum, das schließt Lob genauso ein wie Kritik. Entscheidend ist aber nicht die Kritik per se, sondern die Art, in der Kritik geäußert wird.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%