Unternehmensziel Diversity: "Vielfalt wird glattgebügelt statt wertgeschätzt"

Unternehmensziel Diversity: "Vielfalt wird glattgebügelt statt wertgeschätzt"

von Kerstin Dämon

Viele Konzerne haben keine Lust auf Frauen in Führungspositionen und viele Frauen keine Lust auf Männerjobs, das ändert auch keine Quote. Was sich aber ändern lässt, ist die Einstellung gegenüber Frauen in Männerberufen.

Es tut sich was bei der Deutschen Bank: Chef John Cryan baut um und holt zwei Frauen in den Vorstand: Sylvie Matherat, ehemaliges Direktoriumsmitglied der französischen Zentralbank, ist in Zukunft als „Chief Regulatory Officer“ für Compliance und den Kampf gegen die Finanzkriminalität zuständig. Die ehemalige IT-Chefin von Boeing, Kimberly „Kim“ Hammonds, wird „Chief Operating Officer“. Sie soll die technische Infrastruktur der Deutschen Bank auf Vordermann bringen.

In anderen Branchen und Unternehmen sieht es anders aus - Frauen arbeiten in der Personalabteilung oder der Buchhaltung, aber nicht in der Chefetage. Und daran sind sie ja offenbar auch selber schuld: Diverse Untersuchungen zeigen, dass sich Frauen weniger zutrauen als Männer.

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Frauen stehen sich selbst im Weg

Überspitzt formuliert: Wird in einer Stellenausschreibung jemand gesucht, der fließend Spanisch spricht, bewirbt sie sich nur, wenn sie Muttersprachlerin ist. Er dagegen bewirbt sich auch dann, wenn er kaum mehr als „Hola, qué tal?“ herausbringt. Frauen lassen sich außerdem manchen erstklassigen Job entgehen, weil sie sich von Stellentiteln und Anforderungsbeschreibungen in Jobinseraten einschüchtern lassen, wie eine Jobware-Umfrage zeigt. Wird ein Senior Manager gesucht, bewirbt frau sich nicht, auch wenn dahinter das typische „(m/w)“ steht.

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Hinzu kommt, dass Frauen oftmals der Zugang zu Netzwerken fehle, wie Kira Kastell weiß. Die Ingenieurin ist seit 2013 Vizepräsidentin an der Frankfurt University of Applied Sciences und Vorsitzende des Netzwerks „VDI Frauen im Ingenieurberuf“. „Viele Frauen sagen: Ich will doch durch Leistung überzeugen und nicht nur durch Vitamin B“, erzählt sie. Nur wird der Chefposten eben nicht in der Tageszeitung oder im Internet inseriert – um nach oben zu kommen, braucht es neben dem Fachlichen auch Beziehungen. Deshalb engagiert sich die Professorin für Übertragungstechnik in verschiedenen Netzwerken für Frauen. „In technischen Berufen sind Businessnetzwerke natürlich eher männlich dominiert. In Berufen, in denen es viele Frauen gibt, sieht das anders aus. Netzwerke von Erzieherinnen werden überwiegend weiblich sein.“

Gesundheitsbranche statt Informatik

Reine Frauen-Netzwerke sollen den Frauen zeigen, dass Netzwerken etwas Nützliches ist und man voneinander profitieren kann. Kastell: „Es geht dabei auch um Vorbildfunktionen. Frauen aus der Wirtschaft können Studentinnen und Hochschulabsolventinnen zeigen: Wenn du dich für Technik interessierst, kannst du in diesem Bereich auch Karriere machen.“

Nur – und hier sind wir wieder bei der Verantwortung der Frauen – haben viele schlicht keine Lust auf eine Karriere im technischen Bereich. Die Langzeitstudie SMPY, die 1971 an der Vanderbilt University begonnen wurde, belegt: Während sich Männer lieber mit Dingen beschäftigen, arbeiten Frauen lieber mit Menschen. Also werden sie eher Kinderkrankenschwester, Lehrerin oder Einzelhandelskauffrau als Elektrotechnikerin, Maurer oder Industrieschweißer.

Männer- und Frauenberufe

  • Die Berufe mit dem höchsten Frauenanteil:

    Sprechstundenhelfer (fast 100 Prozent), Raum- und Hausratreiniger, Stenographen, Kindergärtner (je über 90 Prozent), Krankenpfleger (fast 90 Prozent)

  • Die Berufe mit dem höchsten Männeranteil:

    Kraftfahrzeuginstandsetzer, Tischler (jeweils über 95 Prozent), Kraftfahrzeugführer, Maschinenschlosser, Maurer (jeweils rund 95 Prozent Männeranteil)

„The Study of Mathematically Precocious Youth” ist zwar auf 50 Jahre angelegt, aber auch nach “erst” 44 Jahren zeigt sie deutlich: Männer arbeiten eher in MINT-Berufen, Frauen eher im Gesundheits- und Bildungswesen. Daran ändern weder ein Recruiter, noch ein Diversity-Beauftragter, noch eine Frauenquote etwas. Was sich allerdings ändern lässt, sind die Bedingungen für die Frauen, die in Männerberufen arbeiten und dort auch Karriere jenseits des Nine-to-five-Jobs machen wollen.

Frauen in Techjobs sind Exoten

Angelika Dammann spricht in diesem Zusammenhang vom lernenden Unternehmen, das nicht nur Frauen, sondern grundsätzlich alle integriert. Unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung. Dammann ist eine international anerkannte Spezialistin für Personal- und Diversity Management und war zuletzt Personalvorstand bei SAP. Die von ihr geforderte offene Kultur gibt es derzeit jedoch oftmals weder in Unternehme, noch in den Köpfen des Managements.

„Frauen in der Elektrotechnik sind immer noch Außenseiter, schon im Studium sind sie eine Randgruppe“, bestätigt Elisabeth Satzger. Sie ist  Leiterin des Bereichs Procurement Engineering bei dem Münchner Elektronikkonzern Rohde & Schwarz. „Ich habe es schon öfter erlebt, dass ich zusammen mit einem männlichen Kollegen auf Produktmessen jemandem eine Frage gestellt habe. Geantwortet wurde aber dem Kollegen, als wäre ich gar nicht da.“

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