USA: Am Haken der SEC

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SEC-Gebäude in Washington

von Angela Hennersdorf

Aus Angst vor Korruptionsvorwürfen verzichten viele Unternehmen auf Geschenke. Deutsche Unternehmen im Visier der SEC.

Robbie Narcisse schickt in diesen Tagen vor Weihnachten ihre jährlichen Mails los: „Es ist okay, etwas zu verschenken, aber halten Sie es einfach“, schreibt die 40-jährige Compliance-Chefin an die weltweit 30.000 Mitarbeiter des US-Frankiermaschinen-Herstellers Pitney Bowes. Auch Buchgeschenke oder eine Flasche Wein müssen vom Vorgesetzten genehmigt werden. „Einem Geschäftspartner vor einer Preisverhandlung eine wertvolle Flasche Wein zu überreichen“, sagt Narcisse, „ist nicht der richtige Moment.“ Angemessen sollten Geschenke laut US-Recht sein. Die Faustregel: Je geringer ein Geschenk, desto unverfänglicher. Einladungen auf Privatjachten sind tabu, Barzahlungen auch. „Es ist gefährlich geworden, überhaupt etwas zu schenken“, sagt Mauro Wolfe, Partner der Anwaltskanzlei Duane Morris. „Schon eine Einladung zum Essen kann als Bestechung gelten.“

2012 will das US-Justizministerium exakt festlegen, welche Geschenke zu welchen Kosten erlaubt sind. Für Unternehmen aus der Gesundheitsbranche ist das schon klar: Ab 2012 müssen sie exakt auflisten, welche Geschenke an Ärzte und Krankenhäuser gehen. Alles über einem Wert von zehn Dollar muss den Aufsichtsbehörden gemeldet werden – sonst drohen Sanktionen.

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Oder die Entlassung – wie bei Ernst Lieb: Der US-Chef von Mercedes musste 2010 gehen, weil er gegen Konzernregeln verstoßen hatte. Nach Bekanntgabe der Personalie sank kurzzeitig sogar der Aktienkurs. Auch, weil Daimler nicht zum ersten Mal auffällig geworden war: In mehr als 22 Ländern soll das Unternehmen Amtsträger bestochen haben, um an Aufträge zu kommen. Daimler stimmte einem Vergleich zu, zahlte 185 Millionen Dollar Strafe und richtete eine Compliance-Abteilung ein. Die arbeitet nach dem Geschmack der Aufsichtsbehörde SEC aber offenbar nicht gut genug: Nach Informationen des „Spiegel“, die Daimler nicht kommentieren wollte, soll der von der SEC beauftragte Ermittler, Ex-FBI-Chef Louis Freeh, die Selbstbedienungsmentalität der Daimler-Manager kritisiert haben. Sollte sich das bis März 2013 nicht ändern, drohten Strafen in Milliardenhöhe. Auch Ex-Siemens-Manager hat die SEC am Haken, ihnen werden Bestechung, Geldwäsche und Überweisungsbetrug vorgeworfen, gegen sieben Beschuldigte wurden auch Zivilklagen erhoben. Um Rechtsstreit zu meiden, empfiehlt Pitney-Bowes-Managerin Narcisse statt Geschenken das Versenden von Weihnachtskarten und Spenden an Wohltätigkeitsorganisationen. „Damit“, sagt Narcisse, „macht man nichts falsch.“

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