Verantwortung von Unternehmen: Wer einmal mit einer Lüge durchkommt, lügt wieder

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Verantwortung von Unternehmen: Wer einmal mit einer Lüge durchkommt, lügt wieder

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Volkswagen US-Chef Michael Horn vor dem Kongress: Wie glaubhaft waren seine Aussagen?

von Kerstin Dämon und Sebastian Schaal

VW hat derzeit viel zu erklären. Bei der Suche nach dem Schuldigen zeigt jedoch jeder auf den anderen. Das ist einerseits menschlich. Aber: Kommt ein Unternehmen damit durch, wird so etwas immer wieder vorkommen.

Michael Horn hebt die rechte Hand und schwört, „die Wahrheit, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ zu sagen. Ab jetzt steht Volkswagens US-Chef unter Eid. Der Abgas-Skandal hat den 53-Jährigen zu einem Top-Manager im Büßergewand gemacht. „Im Namen unseres ganzen Unternehmens und meiner Kollegen in Deutschland möchte ich eine aufrichtige Entschuldigung anbieten“, sagt Horn, bevor er in Washington ins Kreuzverhör der Abgeordneten genommen wird.

Die Empörung in den USA über die Dreistigkeit von VW ist groß und der Ruf nach drastischen Strafen laut. „VW wird einen hohen Preis für dieses dreckige kleine Geheimnis bezahlen“, sagt der republikanische Abgeordnete Fred Upton. Die Politiker im Kongressausschuss beklagen mangelnde Aufklärung. „Wir wissen einige Dinge, aber wir wissen nicht genug“, sagt die Demokratin Dianna DeGette. „Wir müssen klären, wer verantwortlich ist.“

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Zentrale Personalentscheidungen bei VW

  • VW-Konzernvorstand

    Im VW-Konzernvorstand verliert Vertriebschef Christian Klingler seinen Job - wegen „unterschiedlicher Auffassungen“ über die Strategie. Das aber, so heißt es in der Mitteilung, habe nichts mit dem Abgas-Skandal zu tun, sondern sei bereits länger geplant gewesen. Müller übernimmt Klinglers Aufgaben zunächst mit.

  • Vorstand der Kernmarke VW

    Klinglers Posten im Vorstand der Kernmarke VW übernimmt der bisherige Chef der spanischen Tochter SEAT, Jürgen Stackmann. Stackmann begann seine Laufbahn 1989 bei Ford und kam 2010 zum VW-Konzern. Bei SEAT stand der Manager seit Mai 2013 an der Spitze.

  • SEAT

    Neuer Chef bei SEAT wird Luca de Meo, bisher Vertriebschef bei AUDI. Dort musste er sich zuletzt mit der Absatzschwäche in China herumschlagen. Seit 2012 war er in Ingolstadt im Amt. Seine Karriere in der Automobilindustrie hatte De Meo nach dem Studium 1992 bei Renault begonnen, später war er im Fiat-Konzern unter anderem Vorstandschef der Marke Alfa Romeo. Bei VW ist er seit 2009.

  • Produktionsressort im Konzernvorstand

    Das bisher ohnehin nur kommissarisch besetzte Produktionsressort im Konzernvorstand wird komplett gestrichen. Künftig sollen die einzelnen Marken und Regionen dieses Themenfeld deutlich eigenständiger beackern. Der Vorstand wird damit kleiner.

  • Das Nordamerika-Geschäft

    Das durch den Abgas-Skandal besonders gebeutelte Geschäft in Nordamerika verantwortet künftig der bisherige SKODA-Chef Winfried Vahland. Er führt die neu gegründete Marktregion Nordamerika. Nachfolger Vahlands bei Skoda soll der bisherige Vertriebschef von PORSCHE, Bernhard Maier, werden. Der infolge des Skandals in die Kritik geratene US-Chef von VOLKSWAGEN, Michael Horn, bleibt im Amt.

Wirtschaftlich denkende Unternehmen und ihre moralische Verantwortung – zwei Dinge, die oft nicht wirklich zueinander passen. Mit moralischer Denkweise hätten die VW-Techniker wohl nie die betrügerische Software entwickelt. Lässt man die Moral beiseite, war der illegale Software-Kniff die naheliegendste Möglichkeit, die Schadstoff-Anforderungen mit den Kostenvorgaben zu vereinen. Der Gedanke war dann offenbar wohl doch zu verführerisch.

Horn weist Mitschuld von sich

Schenkt man zahlreichen Medienberichten Glauben, warnten Ingenieure bereits 2011 intern vor dem massenhaft laufenden Betrug. Unternommen hat Volkswagen nichts, bis die Motorengeneration, die zum Teil schon als „Höllenmaschine EA 189“ bezeichnet wird, zwei Jahre später turnusmäßig aussortiert wurde. Auch als US-Chef Horn nach eigener Aussage vor dem Kongress bereits im Frühjahr 2014 von Unregelmäßigkeiten bei den Emissionstests erfuhr, blieben öffentliche Aktionen des Autobauers aus. Horn will erst am 3. September 2015 über das „Defeat Device“, also die Manipulations-Software, informiert worden sein.

Eine Mitschuld wies er weit von sich: Er habe von nichts gewusst, die Schuld liege in Wolfsburg. Konkret: bei einigen Ingenieuren, die auf eigene Faust beschlossen haben, die Software zum Austricksen der Abgas-Tests einzubauen. Jedenfalls sei das keine Unternehmensentscheidung gewesen: „Es hat kein Vorstandstreffen gegeben, auf dem das beschlossen wurde“, sagte Horn vor dem Kongress. Und das ist nur schwer vorstellbar. Entsprechend schwer taten sich auch die Kongressabgeordneten mit der Version, dass die Angestellten hinter dem Rücken der Führungsriege Millionen Autos manipuliert haben. Vor allem das Motiv ist fragwürdig. So sagte auch der Republikaner Chris Collins, dass er nicht glauben können, dass es sich bei Dieselgate um „das Werk einiger verbrecherischer Ingenieure“ handele.

Sollte Volkswagen mit dieser Antwort allerdings durchkommen, wird der nächste Skandal nur eine Frage der Zeit sein, wie eine Studie der Londoner Cass Business School zusammen mit der finnischen Aalto-Universität beweist. Dort heißt es, dass Unternehmen, die einen Fehler erfolgreich verharmlosen, diesen Fehler wiederholen werden. „Uns ist aufgefallen, dass viele in große Skandale verwickelte Unternehmen – oder ihre Wettbewerber – letztlich Jahre später die gleichen Fehler wieder begehen“, sagt Sébastien Mena, Mitautor von „On the Forgetting of Corporate Irresponsibility“.

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