Verrückte Manager: Warum Chefs größenwahnsinnig sein müssen

Verrückte Manager: Warum Chefs größenwahnsinnig sein müssen

von Stephan Happel, Kerstin Dämon und Sebastian Schaal

Chef von sechs Leuten zu sein, bereitet manchem Bauchschmerzen. Doch wie sieht es bei 600.000 aus? Oder sechs Millionen? Wer Konzerne leiten und Neues erfinden will, braucht eine Spur Größenwahn. Wie viel Hybris gut ist.

Der Elektroauto-Pionier Tesla hat zuletzt einen kräftigen Absatzsprung gemacht: Im zweiten Quartal stiegen die Auslieferungen des Model S im Jahresvergleich um 52 Prozent auf 11.507 Fahrzeuge. Von solchen Wachstumsraten können die meisten Automanager nur träumen.

Doch Tesla-Chef Elon Musk lehnt sich nicht zurück: Im Gesamtjahr sollen 55.000 Elektroautos unters Volk gebracht werden. Bis zum Jahr 2020 will der Milliardär eine Million Tesla verkaufen. Ohnehin fällt Musk nicht durch Bescheidenheit auf. Drei Unternehmen hat der Paypal-Gründer derzeit unter Kontrolle, die alle ihre Branchen revolutionieren und die Welt verbessern sollen: Mit Tesla will Musk Elektroautos zum Durchbruch verhelfen, mit SolarCity das Geschäft mit Erneuerbaren Energien auf eine neue Stufe heben. Und Space X gilt als Vorzeigeunternehmen der privaten Raumfahrt, das bald schon Menschen ins All bringen könnte.

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Der in Südafrika geborene Musk hat es so weit gebracht, weil er sich nie von seinen Plänen abbringen ließ - trotz Rückschlägen. Mit Tesla stand er vor der Pleite. Konstruktions-Fehlschläge und Raketen-Abstürze bei Space X verschlangen Milliarden. Trotzdem glaubte Musk stets, dass sein Weg der richtige sei. Das bekommen Partner und Investoren zu spüren, mit denen sich Musk gnadenlos zofft, selbst wenn er auf sie angewiesen ist.

Die wichtigsten Startups von Elon Musk

  • 1995 Zip2

    Internet-Medienunternehmen, 1999 von Alta Vista für 307 Millionen Dollar übernommen, Musk erhält 22 Millionen Dollar

  • 1999 X.com

    Musk startet den Online-Bezahldienst, aus dem später PayPal wird. 2002 kauft Ebay die Firma für 1,5 Milliarden Dollar. Musk kassiert 165 Millionen Dollar

  • 2002 SpaceX

    Ein Kindheitstraum wird wahr: Musk gründet sein Raumfahrtunternehmen

  • 2004 Tesla Motors

    Musk beteiligt sich am Elektroautohersteller, wird später Mitgründer neben Martin Eberhard, Marc Tarpenning, Ian Wright und Jeffrey Brian Straubel

  • 2006 Solarcity

    Lyndon und Peter Rive verleasen und installieren mit ihrem Start-up Fotovoltaikanlagen; Musk kofinanziert die Firma seiner beiden Cousins

Dass Musk zum Teil eine sehr eigene Sicht auf die Dinge hat, zeigt auch die Kooperation Teslas mit Panasonic. In der Wüste von Nevada bauen die beiden Unternehmen gerade eine Batteriefabrik – nicht irgendeine, sondern die weltgrößte. Dass das riesige Werk mit dem bezeichnenden Namen Gigafactory einen starken Einfluss auf den weltweiten Batterieabsatz haben wird, war nicht nur Branchenbeobachtern klar. Während Musk für das kommende Jahr von einem Wachstum von 50 Prozent spricht, erwartet sein japanischer Kooperationspartner lediglich elf Prozent. Auch bei der mittelfristigen Entwicklung hat Musk eine eigene Meinung: Während er auch in den kommenden Jahren von konstant 50 Prozent Wachstum ausgeht, veranschlagt Panasonic nicht einmal ein Drittel dieses Werts. Ein klarer Fall von Größenwahn?

Ja. Denn ohne ein gesundes bis übersteigertes Selbstbewusstsein, Optimismus und sehr hoch gesteckte Ziele lässt sich ein Unternehmen weder gründen noch führen. Ohne den Glauben an sich selbst und die eigene Idee gäbe es weder das Musk-Imperium noch irgendein anderes Unternehmen. Grundsätzlich muss jeder, der sich hocharbeiten will – sei es in einem Unternehmen oder einer Partei oder einem Verein – extrovertiert sein.

Psychopathen in der Chefetage sind die Regel

Wer dann noch die Traute hat, Brötchengeber von Tausenden Mitarbeitern zu sein oder mit Millionenetats zu jonglieren, der hat mehr als nur ein gesundes Selbstbewusstsein. Ohne den richtigen Funken Wahnsinn findet keine Weiterentwicklung statt. „In der Tat ist Größenwahn manchmal für Manager nützlich, damit sie eine Vision entwickeln können und sich trauen, diese umzusetzen“, sagt der Münchner Sozialpsychologe und Managementforscher Dieter Frey.

Entsprechend geballt taucht die Hybris in den Chefetagen rund um den Globus auf. Wirft man einen Blick in die Statistiken, werden globale Unternehmen aber ohnehin von einem Haufen Verrückter geführt. So bewies der kanadische Psychiater Robert Hare, dass deutlich mehr Psychopathen in Vorständen und Aufsichtsräten großer Unternehmen sitzen, als beim Discounter an der Kasse.

Laut Hare sind Psychopathen „Menschen, die schwer gestört sind und fortwährend gesellschaftliche Regeln verletzen“. Sie empfänden kaum Mitgefühl oder Reue und sie manipulieren andere, um ihre Ziele zu erreichen.

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