Volkswagen: VW-Manager müssen bald die Schulbank drücken

Volkswagen: VW-Manager müssen bald die Schulbank drücken

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Volkswagen will weg von deutsch als Konzernsprache.

Volkswagen stellt die Konzernsprache auf Englisch um – zumindest im Management. Da ist es in der Regel auch nötiger, als bei den Mitarbeitern am Band. Deshalb sucht VW jetzt einen Nachhilfelehrer für seine Manager.

"We didn't lie" – "Wir haben nicht gelogen." Diesen Satz nimmt man Volkswagen-Chef Matthias Müller in den USA krumm. Während seiner US-Reise im Januar hat Müller in einem Gespräch mit dem Radio-Sender NPR den Abgas-Skandal nämlich als ein "technisches Problem" dargestellt. Auf die Frage, ob es dabei nicht vor allem um eine moralische Verfehlung gehe, zeigte sich Müller irritiert.

"Frankly spoken, it was a technical problem. We made a default, we had a ... not the right interpretation of the American law. And we had some targets for our technical engineers, and they solved this problem and reached targets with some software solutions which haven't been compatible to the American law. That is the thing. And the other question you mentioned — it was an ethical problem? I cannot understand why you say that", sagte er damals.

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Für diese Aussagen gab es viel Kritik: Müller habe zu wenig Reue gezeigt, was auf dem US-Markt angebracht gewesen wäre. Müller dagegen sprach von einem Missverständnis, der Konzern bat anschließend darum, das Interview zu wiederholen. Es sei für Müller in der Situation sehr schwierig gewesen, die richtigen Worte zu finden.

In Zukunft sollte das Müller aber gelingen: Bei Volkswagen wird künftig Englisch Konzernsprache. Dies soll Zugang und Zusammenarbeit von internationalen Spitzenkräften im Top-Management verbessern, wie Personalvorstand Karlheinz Blessing am Mittwoch in Wolfsburg mitteilte. "Mehr denn je wird es darauf ankommen, dass das Management international erfahren und vielfältig ist", so Blessing.

Deutsche CEOs sprechen schlechter Englisch als ihre Untergebenen

Dass es zumindest an den Sprachkenntnissen des Managements öfter hapert, zeigte erst kürzlich der English Proficiency Index for Companies (EF EPI-c) von EF Education First, einem Anbieter für internationale Bildungsprogramme. Demnach sprechen CEOs und Vorstandsmitglieder meist schlechter Englisch als ihre mittleren Manager. In der Automobilbranche erreichen die Top-Manager auf einer Skala von 0 (überhaupt keine Englischkenntnisse) bis 100 (Muttersprachler) einen durchschnittlichen Wert von 49,29. Das mittlere Management schnitt mit 58,06 dagegen deutlich besser ab.

Niklas Kukat, Deutschlandgeschäftsführer von EF Education, erklärte sich das mit dem Generationenunterschied. "Als diese Leute zur Schule gingen, war Englischunterricht noch nicht überall so verbreitet." Der gewöhnliche Manager dagegen sei vielleicht Mitte, Ende 30 und seit der Grundschule, wenn nicht sogar schon seit dem Kindergarten, mit Englisch in Kontakt.

"Man muss bei einem Automobilhersteller wie Volkswagen bedenken, dass es einen Unterschied macht, ob ein Mitarbeiter am Band arbeitet oder nicht", sagt Silke Müller, die bei EF Education den Businesskunden-Bereich betreut. Nicht jeder Mitarbeiter sei von so einem Schritt gleichermaßen betroffen.

"Speak English, please" heißt es vielmehr für die Mitarbeiter, die auch nach außen kommunizieren. Die müssen deshalb in Zukunft wohl die Schulbank drücken: Eine entsprechende Ausschreibung gebe es bereits, wie WirtschaftsWoche erfahren hat.

Bei Porsche wird noch deutsch gesprochen

Dennoch könne sie sich nicht vorstellen, dass bei VW in Zukunft jeder Geschäftsbericht ausschließlich auf Englisch veröffentlicht und jede interne Mails zwangsläufig auf Englisch geschrieben werde. "Das tun andere deutsche Unternehmen, die Englisch als Konzernsprache haben, ja auch nicht", so Müller.

Und zumindest die VW-Tochter Porsche besteht seit Jahren auf Deutsch als Firmensprache und will davon auch nicht abweichen. In Zuffenhausen fürchtet man nämlich, dass die Innovationskultur leiden könnte, wenn der eine Ingenieur den anderen nicht richtig verstehe. Oder sich nicht traut, seine Ideen in einer anderen Sprache vorzutragen.

"Klar ist, dass viele Ingenieure ihr Fach in Deutschland studiert haben und natürlich auch die Fachbegriffe zunächst nur Deutsch beherrschen", sagt Müller. "Ob das jetzt ein Innovationshindernis ist, wenn jemand sich zunächst auf Englisch nicht so ausdrücken kann, kann ich nicht beurteilen." Auf der anderen Seite locke ein solcher Schritt viel eher ausländische Fachkräfte ins Unternehmen, für die die deutsche Sprache ein Hindernis gewesen wäre, sagt sie. "So ein Schritt kann Vorteile haben."

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